Training allein zuhause: BVB-Talente müssen früh aufstehen und können nicht schummeln

rnBorussia Dortmund

Seit mehreren Tagen hat das Nachwuchsleistungszentrum des BVB geschlossen. Die Top-Talente der Borussia trainieren trotzdem täglich. Dank moderner Technik können sie dabei nicht schummeln.

Dortmund

, 27.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Coronavirus konnte die Jugendtrainer des BVB nicht stoppen. Zwar dürfen sie in diesen Tagen aufgrund des Kontaktverbots ihre Spieler nicht auf dem Platz gemeinsam fit machen. Aber sie haben einen Plan entwickelt, der die hochbegabten Kicker, die es im besten Fall irgendwann ins Profiteam schaffen sollen, gleichermaßen fordern und fördern soll.

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Als die Borussen am 13. März die Türen ihres Nachwuchsleistungszentrum im Dortmunder Stadtteil Brackel verriegelten und alle Jugendspieler zu ihrer Familie nach Hause schickten, baten die Trainer die Eltern der minderjährigen BVB-Spieler: Helft mit, einen geregelten Tagesablauf sicherzustellen. „Eine feste, verlässliche Struktur ist besonders jetzt ganz wichtig“, erklärt Lars Ricken (43), der Nachwuchskoordinator der Borussia, „jeder hat einen Plan von uns bekommen, woran er arbeiten muss.“ Die Talente müssen täglich früh aufstehen, denn bis 10 Uhr müssen sie die ersten Fitness-Einheiten zuhause absolviert haben. Ausdauerläufe, Sprints, Intervall-Läufe oder Kräftigungsübungen sind Pflicht. Als Beweis müssen die Spieler ihrem Trainer bis 10 Uhr morgens Fotos von ihren Übungen, Laufdaten oder Laufstrecken-Aufzeichnungen aufs Handy senden.

BVB und Schule wechseln sich ab

„Danach sind Hausaufgaben angesagt“, erklärt Lars Ricken. Damit das alles wie in der Schulzeit funktioniert, „setzen wir auf die Kontrolle durch die Eltern und auf die Eigenverantwortung der Spieler“. Haben die Jungs Mathe und Physik hinter sich gebracht, ruft wieder der BVB. Es gilt, frühere Spiele der BVB-Profis per Video zu analysieren. Die Talente bekommen die Video-Stücke nach Hause geschickt und „müssen dann aufschreiben, was ihnen auffällt: Was macht zum Beispiel der Profi, der auf meiner Position spielt, in dieser Situation richtig oder falsch? Wie agiert das Team offensiv oder defensiv?“, erklärt Ricken. Ihre Analyse senden die Junioren an die Trainer zurück und diskutieren dann mit ihnen darüber per Chat.

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Ein weiterer Anker des schwarzgelben Fitness-Plans, um das fehlende Balltraining teilweise zu ersetzen: Challenges. Die Trainer rufen zu einer Aufgabe auf, die die Spieler zuhause lösen – und entsprechende Beweisvideos senden müssen. Wie aktuell bei der „Klopapier-Challenge“ - wer kann wie häufig eine Rolle Toilettenpapier mit dem Fuß hochhalten. „Einer unserer Jungs hat das tatsächlich 177 Mal geschafft, das war unglaublich“, verrät Ricken, „das sind manchmal ganz witzige Clips, mal auf einer Kuhwiese, mal im Vorgarten, das macht den Jungs offenbar Spaß. Aber natürlich würden alle viel lieber auf dem Platz stehen und Fußball spielen.“

Moukoko wird ausgebremst

Ausgebremst wird beispielsweise Youssoufa Moukoko. Der Stürmer sollte eigentlich Ende dieses Monats erstmals für die deutsche U19-Auswahl spielen. Jetzt muss sich der 15-Jährige, der wenige Tage vor der Schließung des Nachwuchsleistungszentrums mit seinem 34. Saisontreffer noch einen neuen Rekord in der U19-Bundesliga aufgestellt hatte, noch gedulden. Wann die BVB-Junioren wieder zum regulären Mannschaftstraining nach Dortmund zurückkehren können, ist noch völlig offen. „Wir können noch keinen Termin nennen, bis zum 19. April sind ja erst einmal alle Jugendspiele abgesagt“, sagt Lars Ricken.

Langweilig wird dem Nachwuchskoordinator derzeit trotzdem nicht. Er und sein Team arbeiten derzeit zumeist aus dem Homeoffice miteinander vernetzt an strukturellen Entwicklungen, an Spielkonzeptionen oder an einem Corona-Verhaltenskodex für die Junioren. „Denn das Virus wird ja auch noch ein Thema sein, wenn wir hier wieder zusammen trainieren oder spielen“, so Ricken.

DFB und Verbände haben Pause beschlossen

Der DFB und die regionalen Verbände hatten zuvor eine Pause beschlossen. So werden die Spieltage der U19- und U17-Bundesliga bis zum 4. April ausgesetzt. Anschließend wird die Situation neu bewertet.

Für alle Mannschaften unterhalb der U17 gilt Ähnliches: Hier haben die Verbände eine Pause bis einschließlich 19. April – also bis zum Ende der Osterferien – beschlossen. Borussia Dortmund hat als Reaktion darauf alle Nachwuchsspieler in den Heimaturlaub geschickt. Vor dem 30. März wird kein Training im Nachwuchsleistungszentrum stattfinden.

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