BVB-Nationalspieler: Emre Can. © picture alliance/dpa
Nationalmannschaft

Trendwende im DFB-Team: Welche BVB-Profis auf eine EM-Teilnahme hoffen können

Zu den Hoch-Zeiten unter Jürgen Klopp waren Borussia Dortmunds Spieler beim DFB nicht sonderlich gefragt. Das sorgte für Ärger und Frust. Jetzt jedoch ist eine Trendwende erkennbar.

Als Joachim Löw Anfang Oktober seinen Kader für die damals anstehende Länderspielphase nominierte, war die Berufung von Borussia Dortmunds Mahmoud Dahoud eine echte Überraschung. Dahoud, erklärte Löw dann sogleich, sei ein Spieler, „dem die Zukunft gehört.“ Die Verwunderung über diesen Satz dürfte auch beim BVB selbst einigermaßen groß gewesen sein. Als Löw diese Personalie bekanntgab, war die Saison zwar gerade erst drei Wochen alt. Doch Mahmoud Dahoud hatte in den ersten vier Pflichtspielen gerade mal sieben Minuten auf dem Rasen gestanden. Sein Reservistendasein aus seinen ersten BVB-Jahren setzte sich fort.

BVB-Profi Mahmoud Dahoud steht stellvertretend für Trendwende im DFB-Team

Die Personalie war seinerzeit auch deshalb bemerkenswert, weil sich Löw aus Dortmund in den vergangenen Jahren gleich mehrfach den Vorwurf gefallen lassen musste, BVB-Spieler bei Maßnahmen des DFB zu ignorieren. Selbst die, die Stammspieler und konstant gut in Form waren. Das sorgte für Ärger in Dortmund, wo Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seinen Unmut auch öffentlich äußerte („Das muss ich nicht verstehen“). Das Unverständnis in Dortmund zog sich über Jahre hin.

Doch Dahoud steht nun stellvertretend für einen Trend: Plötzlich sind Spieler von Borussia Dortmund beim Deutschen Fußball-Bund wieder verstärkt gefragt.

BVB-Abwehrchef Mats Hummels dürfte ins DFB-Team zurückkehren

Dass einer der besten deutschen Innenverteidiger beim bald scheidenden Bundestrainer keine Zukunft mehr hatte, verfolgte der BVB vor zwei Jahren mit Stirnrunzeln, aber zunächst aus größerer Distanz. Als Löw Mats Hummels (und dessen damalige Teamkollegen Thomas Müller und Jerome Boateng) im Frühjahr 2019 aussortierte, war Hummels noch Spieler der Bayern. Zurück in Dortmund festigte der 32-Jährige seine Ausnahmestellung unter den Abwehrspielern in der Bundesliga eher noch, die Rolle rückwärts vollzog Löw allerdings erst vor einigen Wochen.

Die Tür ist offen für eine Rückkehr von Hummels in den Kreis der Nationalmannschaft. Dass er schon am Freitag das Rückfahrticket lösen wird, wenn Löw erneut seinen Kader präsentieren wird für die drei Länderspiele, die Ende März stattfinden, ist zwar noch offen. Seine Berufung ins deutsche EM-Aufgebot aber wird im Mai angesichts eklatanter und fortwährender Defensivschwächen keine große Überraschung mehr sein.

BVB dürfte größere Delegation zum DFB schicken

Aus Dortmund dürfte sich dann nach Ende der Saison eine größere Fahrgemeinschaft auf den Weg nach Frankfurt machen, wenn der DFB die EM-Vorbereitung mit einem Trainingslager in Seefeld/Tirol startet. Gleich ein halbes Dutzend BVB-Spieler macht sich Hoffnungen auf einen Platz im Kader, die meisten mit guten Aussichten auf eine Nominierung.

Gesetzt sind, Gesundheit vorausgesetzt, wohl Hummels, Emre Can und Marco Reus. Die klare Formsteigerung des Kapitäns kommt zum richtigen Zeitpunkt, nun muss er nur noch gesund bleiben. Can hat Löw in der Vergangenheit auffallend häufig gelobt, sein größtes Pfund ist seine Vielseitigkeit, die ihn für mehrere defensive Positionen in Frage kommen lässt.

Deutsche Nationalmannschaft: BVB-Profi Julian Brandt wackelt

Zum Kreis der Gesetzten würde eigentlich auch Julian Brandt zählen. Allerdings lässt sein lang anhaltendes Formtief seine Position aktuell ins Wanken geraten. Löw hat Brandt schon im Herbst mit deutlichen Worten in die Pflicht gekommen. Der 24-Jährige braucht angesichts der großen Konkurrenz auf den offensiven Positionen Spiele wie am vergangenen Samstag, wenn er verhindern will, kurzfristig noch durchs Raster zu fallen.

Ähnlich ist der Fall bei Nico Schulz gelagert. Sollten seine Spielanteile in den kommenden Wochen wieder sinken, wenn Raphael Guerreiro zurückkehrt, sinken automatisch auch seine EM-Chancen. Auf der linken Defensivseite stehen andere Spieler (Marcel Halstenberg) ohnehin vor Schulz, daran dürfte sich auch in der restlichen Saison nichts mehr ändern.

BVB-Profis haben viel Konkurrenz im DFB-Mittelfeld

Dahoud ist im Kreis der Dortmunder Spieler, die für ein EM-Ticket in Frage kommen, ein speziell gelagerter Fall. Als er stolz von seinem DFB-Debüt nach Dortmund zurückkehrte, blieb die Hoffnung, dass er sich dort Schwung auch für den BVB geholt haben könnte, unerfüllt. Es blieb bei Kurzeinsätzen für den 25-Jährigen, dessen unbestritten großes Talent immer wieder mit falschen Entscheidungen kollidierte, die er auf dem Platz traf.


Auch der Trainerwechsel in Dortmund änderte daran zunächst nichts. Im Januar stand er – auch aus disziplinarischen Gründen – nicht eine Minute auf dem Platz, die Wende kam im Champions-League-Spiel in Sevilla, in dem Dahoud stark aufspielte. Seither ist er im zentralen Mittelfeld gesetzt und hat sich nachdrücklich in Erinnerung gerufen. Mit ziemlicher Sicherheit wird am Freitag sein Name auf der Liste stehen, die Löw angefertigt hat für den Start in die WM-Qualifikation, die mit den drei Länderspielen gegen Island (25. März), in Rumänien (28.) und gegen Nordmazedonien (31.) beginnt.

Angesichts der riesigen Konkurrenz im zentralen Mittelfeld der deutschen Mannschaft (Kroos, Gündogan, Neuhaus, Goretzka) muss Dahoud allerdings wohl aus dem Wartestand agieren – wie bei allen Wackelkandidaten könnte eine Verletzung die Ausgangslage allerdings schnell wieder verändern.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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