Trifft den BVB eine Mitschuld an den Exzessen?

Pro und Kontra

Die Ausschreitungen beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig haben ein hässliches Bild der Stadt und des Vereins geliefert. Dem BVB wird unter anderem aus Leipzig vorgeworfen, die Stimmung gegen RB vorab angestachelt und im Stadion nicht rigoros eingegriffen zu haben. Wir diskutieren: Trifft den BVB eine Mitschuld an den Exzessen?

DORTMUND

, 07.02.2017, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

PRO: Feindseliges Klima (Von Jürgen Koers)

Es ist komplett falsch, einen Verein pauschal für das Verhalten von wenigen Chaoten zu verurteilen. Vor Gewalttätern und Idioten ist man nirgendwo zu 100 Prozent geschützt. Und doch tragen Teile von Borussia Dortmund eine gewisse Verantwortung für die Ereignisse vom Samstag.

Provokante Zitate

Der BVB ist Herr im eigenen Haus, in seinem Stadion. Warum gelangen Plakate mit diesen abscheulichen Inhalten auf die Tribünen, und warum verlangt niemand, dass sie wieder zusammengefaltet werden? Wieso dürfen Ultragruppen dort unkontrolliert konspirieren? Warum widerspricht niemand, wenn ein Fanbündnis zu „Aktionen“ gegen RB Leipzig aufruft?

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Die Stimmung gegenüber den Gästen aus Leipzig war feindselig geprägt. Es gibt eine Reihe von provokanten Zitaten von BVB-Chef Hans-Joachim Watzke, die dazu beigetragen haben dürften. Ja, zum Fußball gehört Tradition. Aber noch mehr der Respekt vor dem Gegner, erst recht in öffentlichen Aussagen.

Schmuddelkinder werden immer wieder auffällig

Watzke direkt für Ausschreitungen verantwortlich zu machen, ist absurd. Doch seit Jahren geht Borussia Dortmund nicht ausreichend rigoros gegen die Störer in den eigenen Reihen vor. Ausschreitungen bei internationalen Spielen wie in Saloniki, Pyromanie beim DFB-Pokalfinale - die eigenen Schmuddelkinder werden immer wieder auffällig. Aktuell vergiftet eine neue, kriminelle Gruppe das Klima auf der Südtribüne noch weiter. Harte interne Konsequenzen wurden schon öfter angekündigt. Bislang sind sie ausgeblieben.

KONTRA: Nicht zu kontrollieren (Von Dirk Krampe)

Hans-Joachim Watzke ist bekannt als Mann des geschliffenen und pointierten Wortes. Er stichelt gern und oft, und seit dieser Saison ist nicht nur der Reviernachbar Schalke das Ziel. Man kann ihm sicher vorhalten, dass er dabei manchmal übers Ziel hinausschießt. Doch Watzke hat nicht zu Gewalt aufgerufen, Watzke hat niemanden aufgefordert, den Arm zum Wurf zu erheben.

Kampf gegen Windmühlen

In den routinemäßigen Besprechungen mit den Sicherheitsbehörden vor dem Spiel wird Borussia Dortmund zudem eindringlich darauf hingewiesen haben, was sich in den einschlägigen Fan-Foren schon Tage vor dem Spiel abzeichnete: dass gewaltbereite Ultras dieses Spiel für Aktionen nutzen würden, die in ihrem Ausmaß eine neue Dimension haben würden.

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Auch die Kritik, der BVB greife nicht energisch genug gegen seine bekannten Pappenheimer im Stadion durch, greift zu kurz. 80.000 Zuschauer sind schlicht und ergreifend nicht so lückenlos zu kontrollieren. Der Klub hat bereits zig Stadionverbote ausgesprochen, doch die Hydra gebiert immer neue Köpfe. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Schwarzes Wochenende

Schmerzhaft genug ist für Borussia Dortmunds Geschäftsführer nach diesem schwarzen Wochenende die Erkenntnis, dass seine Differenzierung der Kritik am Leipziger Konstrukt einerseits und der geäußerten Wertschätzung für die geleistete sportliche Arbeit bei RB keinen der Hohlköpfe erreicht hat, die Samstag Pflastersteine zu Wurfgeschossen umfunktioniert haben. Dieser Verantwortung ist sich Watzke bewusst.

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