Trikot-Preise: Das Ziel der Hersteller heißt 85 Euro

Fußball-Bundesliga

Am 1. Juli 2015 geht der Trikot-Wahnsinn wieder los. Der BVB stellt sein Bundesliga-Trikot für die Saison 2015/16 vor. Der Preis des schwarz-gelben Leibchens steigt seit Jahren. Auch in diesem Sommer. Lange hat sich der Klub gegen die Pläne von Ausrüster Puma gewehrt. Doch nun hat er den Widerstand aufgegeben.

Dortmund

, 29.06.2015, 06:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Trikot-Preise: Das Ziel der Hersteller heißt 85 Euro

In der BVB-Fanwelt werden die Trikots - wie schon in der vergangenen Saison - reißenden Absatz finden.

Im ersten Teil unserer Reportage ging es um gefälschte Trikots und woraus sie bestehen. Im zweiten Teil beschäftigten wir uns mit den Schäden für die Vereine. Der dritte Teil drehte sich um den Zoll und wie er gegen den illegalen Handel vorgeht. Im vierten Teil schauen wir uns nun an, wer bei Fußballtrikots mitverdient.

85 Euro pro Trikot. Das ist das neue Ziel der Hersteller. Nike hat diesen Preis für einige seiner Fußball-Bundesligisten schon im Sommer 2014 festgesetzt. Adidas zieht nach. Zur Saison 2015/16 kostet das FC-Bayern-Trikot nicht mehr knapp 80, sondern rund 85 Euro. Eine Steigerung, die Adidas im Weltmeister-Sommer 2014 schon für das DFB-Trikot ausgetestet hat. Vor der WM in Brasilien gab es das Trikot für 80 Euro. Mit dem vierten Stern auf der Brust stieg der Preis auf 85 Euro.

"Puma will höher"

Und der BVB? Hat in den vergangenen Jahren den Preis von rund 75 Euro gehalten. „Puma bohrt immer wieder nach und will höher“, sagt der unabhängige Sportmarketing-Experte Peter Rohlmann, der selbst große Vereine berät - auch zur Frage "Wie hoch kann der Trikotpreis sein?". Er ergänzt: Borussia Dortmund aber, der Klub mit dem Slogan „Echte Liebe“, habe sich bis zum Sommer 2015 gegen die Erhöhung gestellt.

Mit Auswirkungen für den Hersteller, so Rohlmann. Koste das BVB-Trikot 75 Euro, könne Puma auch bei anderen Klubs nicht mehr verlangen – etwa beim VfB Stuttgart. Borussia Dortmund ist eindeutig das Zugpferd, wie diese Grafik zeigt.

Doch im Sommer 2015 hat sich Puma durchgesetzt. "Unsere Trikotpreise der neuen Saison werden tendenziell bei 79,95 Euro in der 1. Bundesliga liegen", heißt es auf Nachfrage aus der Puma-Pressestelle. Genaueres wollen vor der offiziellen Trikot-Vorstellung am 1. Juli aber weder Hersteller noch Klub sagen. Mitte vergangener Woche rückten sie dann heraus mit der Sprache: Das neue Trikot kostet 79,95 Euro. 

Kindertrikot so teuer wie ein Erwachsenentrikot vor elf Jahren

Die Richtung ist klar: teurer. Immer noch etwas teurer. Das ist die Entwicklung der Preise in den vergangenen 10 bis 15 Jahren. 2003 bekam der Fan das Trikot eines Fußball-Bundesligisten für weniger als 60 Euro. 2014 musste er durchschnittlich 17 Euro mehr bezahlen. Tendenz steigend - das zeigen die Beispiele Bayern/Adidas und Dortmund/Puma. Auffallend hier: Ein Kindertrikot kostet inzwischen so viel, wie ein Erwachsenen-Trikot vor elf Jahren gekostet hat.

Aber wie setzt sich der Preis zusammen? Wer verdient wie viel an einem Trikot? Wenn ein Fußballtrikot in Deutschland verkauft wird, gibt es vier Stellen, die profitieren:

  • der Trikot-Hersteller
  • der Verein
  • der Händler
  • der Staat

Der Wert für das Finanzamt ist kein Geheimnis: 19 Prozent des Netto-Verkaufspreises, so wie bei fast allen Waren. Macht bei einem Trikot, das netto rund 71,50 Euro kostet, etwa 13,50 Euro. Sodass auf dem Preisschild im Laden 85 Euro steht.

Puma will nichts sagen

Und die Hersteller? Schweigen über ihre Zahlen. Puma beispielsweise schreibt auf unsere Anfrage nur: "Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Auskunft geben können." Der Grund, den Puma liefert: "Die Preis-Zusammensetzung im Sinne der Wertschöpfungskette ist sehr komplex." Soll heißen: Wir sagen nicht genau, wie teuer Material, Herstellung und Transport sind und wie hoch unser Gewinn ist.

Branchen-Kenner Peter Rohlmann hilft aus. Bei einem 85-Euro-Trikot betrügen die Kosten für den Stoff an sich, für das Nähen in Asien und für das Verschiffen nach Europa circa 18 Euro. Nur etwas weniger als diesen Wert - rund 16 Euro - wolle der Hersteller als Gewinn. Der Klub nimmt Lizenzgebühren dafür, dass er seinen Namen zur Verfügung stellt. Rohlmanns Schätzung: etwa 5 Euro pro Trikot. 

Bleibt der große grüne Batzen oben links in der Grafik: der des Einzelhandels. Heißt das also, dass Karstadt Sports oder Intersport ähnlich viel am Trikot-Verkauf verdienen wie der Hersteller oder sogar doppelt so viel? Nein, sagt Peter Rohlmann - ganz im Gegenteil. Der Einzelhändler müsse Räume, Mitarbeiter und Werbung bezahlen. Anschließend bliebe kaum noch etwas übrig, vielleicht 1 Euro pro Trikot. Anders sehe es jedoch beim Online-Handel aus. Dort seien die Kosten geringer, der Gewinn also höher.

Am allergünstigsten sei der Fall, "in dem ich alles selbst mache", so Rohlmanns Beispiel. Soll heißen: Wenn Adidas das Bayern-Trikot im eigenen Online-Shop verkauft, kommt für den Konzern aus Herzogenaurach zum 16-Euro-Hersteller-Gewinn noch der Verkäufer-Gewinn - und der könne ebenfalls zweistellig sein, so Rohlmann.

Dieser Text ist Teil unserer Multimedia-Reportage "Falsche Fans - das Geschäft mit gefälschten Fußball-Trikots". Die komplette Reportage lesen Sie hier:

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