Warnt vor verfrühter Euphorie: BVB-Sportdirektor Michael Zorc. © imago / Michael Weber
Borussia Dortmund

Trotz Siegesserie: BVB-Sportdirektor Zorc warnt vor Euphorie

Borussia Dortmund meldet sich im Kampf um die Champions League zurück und steht vor einem turbulenten Saisonfinale. BVB-Sportdirektor Zorc warnt trotz Siegesserie vor Euphorie.

Dem schweißnassen Duell um die drei Punkte auf dem Rasen folgte umgehend der verbale Kampf um die Deutungshoheit. In vier Spielen hat Borussia Dortmund den Rückstand auf den VfL Wolfsburg von elf auf zwei Zähler reduziert. Der Kampf um die Champions-League-Plätze ist voll entbrannt. Nervenflattern hier? Momentum dort?

Borussia Dortmund will in die Champions League: „Wir jagen sie!“

„Ich glaube, dass wir psychologisch im Vorteil sind“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus nach dem 2:0 bei den erstaunlich einfallslosen „Wölfen“. Mit vier Bundesliga-Siegen in Serie haben die Borussen ihr Konto mit zwölf Punkten, neuem Selbstvertrauen und einer Extra-Portion Energie gefüllt. „Der Druck auf die anderen Mannschaften wächst, die dürfen gerne unseren Atem spüren“, betonte Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl. „Unsere Konkurrenten dürfen ruhig nervös werden, weil wir konstant punkten und auch in der Lage sind, die restlichen drei Bundesliga-Spiele zu gewinnen. Wir jagen sie!“

Sieger im direkten Duell, dazu die Frankfurter Niederlage in Leverkusen, wodurch deren Vorsprung auf einen Zähler geschmolzen ist: Da durften sich die Dortmunder als Gewinner des Spieltags fühlen und sich nach drei kraftraubenden Englischen Wochen auf zwei freie Tage freuen.

Rennen um die Champions League: Wolfsburg schickt eine Kampfansage in Richtung BVB

Der BVB hatte in Wolfsburg mehr zu verlieren als die Gastgeber, die mit nur einem Sieg aus vier Partien eine Schwächeperiode durchleben. Geschäftsführer Jörg Schmadtke antwortete mit Blick auf die jubelnden Schwarzgelben beinahe trotzig: „Wir haben immer noch zwei Punkte Vorsprung. Und wenn ich das Restprogramm der Dortmunder und unseres anschaue, dann wage ich zu bezweifeln, dass sie die zwei Punkte noch aufholen.“

So oder so werden 14 Tage vergehen, bis es am 32. Spieltag Neues zu berichten gibt aus dem spannenden Quali-Rennen. Dem formstarken BVB ist ein Sprung auf Platz vier (oder drei) absolut zuzutrauen. Michael Zorc lobte Moral und Willen seiner Spieler. „Die Mannschaft zeigt seit der Niederlage gegen Frankfurt eine bessere Körpersprache und eine andere Robustheit. Jeder hat jetzt verstanden, worauf es ankommt“, sagte der BVB-Sportdirektor am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Es stünden aber noch drei schwere Spiele bevor. „Ich warne vor Euphorie: Wir sind immer noch Fünfter. Zufrieden bin ich erst, wenn wir am Ende Vierter sind.“

BVB-Sieg in Wolfsburg lässt die Hoffnung auf die Champions League wachsen

Vierter war der BVB seit dem letzten Hinrunden-Spieltag nicht mehr. Dass er es nach 34 Runden wieder sein könnte, hat er sich beim 2:0 in der Autostadt mit einer couragierten Defensivleistung hart erarbeitet und verdient. Dem frühen Treffer von Erling Haaland, der einen Fehlpass von Wolfsburgs Ridle Baku ausnutzte (12.), folgte eine längere Druckphase der Platzherren, die jedoch kaum zu klaren Chancen führte. Mit dem Platzverweis für den ungestümen 17-jährigen Jude Bellingham (59.) hätte die Partie kippen können.

Doch die Borussen zeigten „eine grandiose Leistung in Unterzahl“, wie Lizenzspielerchef Sebastian Kehl betonte. „Der Platzverweis hat das Spiel verändert, vielleicht sogar eher zu unseren Gunsten. Wolfsburg ist wenig eingefallen, sie wirkten auch etwas verunsichert. Wir hatten die Räume, um das zweite Tor zu erzielen.“ Das erledigte Mittelstürmer Haaland (RNBVB-Note: 1,5) nach einem Extraklasse-Zuspiel von Mahmoud Dahoud und siebensekündigem Sprint über den halben Platz eiskalt (69.).

Borussia Dortmund malocht im Saison-Endspurt

Trotz sichtlich schwerer Beine und 30-minütiger Unterzahl liefen die Schwarzgelben in Wolfsburg mehr als 115 Kilometer, die Abwehr um den aufblühenden Manuel Akanji und Altmeister Lukasz Piszczek verteidigte die wenigen Situationen resolut, die ihre Vorderleute nicht schon bereinigt hatten. Die beiden Abwehrmänner sind wie einige Mannschaftskollegen gute Beispiele dafür, dass Trainer Edin Terzic vielleicht noch rechtzeitig das Beste aus seinen Borussen herausholen kann.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
Zur Autorenseite
Jürgen Koers