Trotz steigender Corona-Zahlen: UEFA erhöht den Druck auf London

Europameisterschaft

Die rasante Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus bereitet Großbritannien Sorgen. In London sollen die EM-Finalspiele steigen. Die UEFA erhöht den Druck, Experten sind besorgt.

London

20.06.2021, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geht es nach der UEFA, sollen für die K.o.-Runde in Wembley bis zu 45.000 Zuschauer zugelassen werden.

Geht es nach der UEFA, sollen für die K.o.-Runde in Wembley bis zu 45.000 Zuschauer zugelassen werden. © dpa

Kurz vor den K.o.-Spielen im Londoner Wembley-Stadion erhöht die Europäische Fußball-Union den Druck auf die englischen Behörden, Corona-Ausnahmeregelungen zu beschließen. Einen Bericht der britischen „Times“, wonach sogar die Verlegung von Halbfinals und Endspiel nach Budapest diskutiert werden könnte, kommentierte die UEFA zurückhaltend, aber auch mit dem Satz: „Es gibt immer einen Notfallplan, aber wir sind zuversichtlich, dass die Finalwoche in London ausgerichtet wird.“

Corona-Zahlen in Großbritannien steigen wieder stark an

In Wembley sind in der kommenden Woche zwei Achtelfinals (26. und 29. Juni) angesetzt, ehe dort am 6. und 7. Juli beide Halbfinalspiele und am 11. Juli das Endspiel steigen sollen. Für die K.o.-Runde sollen bis zu 45.000 Zuschauer zugelassen werden, was 50 Prozent der Gesamtkapazität des Stadions entspricht. Die „Times“ berichtet, in den Verhandlungen gehe es insbesondere um die VIP-Gäste, für die nicht dieselben, strikten Corona-Regeln bei der Einreise gelten sollen wie für normale Rückkehrer oder Einreisende.

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In Großbritannien breitet sich derzeit die in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus rapide aus und treibt trotz hoher Impfquote die Zahl der Neuinfektionen (am 18. Juni knapp 9000 Fälle) deutlich in die Höhe. Bereits geplante weitere Lockerungen wurden aufgeschoben, bei der Einreise aus fast allen Ländern ist eine Quarantäne Pflicht. „Im Moment sind wir in Gesprächen mit den lokalen Behörden, um zu versuchen, den Fans der teilnehmenden Mannschaften die Teilnahme an den Spielen zu ermöglichen“, teilte die UEFA mit und schrieb von „strikten“ Test- und Coronablasen-Konzepten. Der Aufenthalt der Zuschauer aus dem Ausland würde dann weniger als 24 Stunden andauern, die Bewegung vor Ort auf „genehmigte Transportmittel und Veranstaltungsorte beschränkt“ werden. „Wir verstehen den Druck, unter dem die Regierung steht, und hoffen, dass wir einen zufriedenstellenden Abschluss unserer Gespräche in dieser Angelegenheit erreichen können“, teilte die UEFA mit.

Lauterbach: „Die Delta-Variante ist einfach zu gefährlich“

Der „Times“ zufolge besteht die Sorge, dass die Briten die Ausnahmen für die EM in der aktuellen Lage scharf kritisieren würden. Der britische Premier Boris Johnson wollte zunächst keine Entscheidungen über die Spiele bestätigen. „Die öffentliche Gesundheit muss natürlich Priorität haben“, meinte Johnson. Man sei in Gesprächen mit der UEFA und werde schauen, welche vernünftigen Vorkehrungen man treffen könne.

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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte scharfe Kritik. Es sei unvertretbar, dass in England Fußballspiele mit Zuschauern stattfänden, sagte der Politiker der Mediengruppe „RTL/ntv“. „Die Delta-Variante ist einfach zu gefährlich. Das ist eine Gefährdung der Bürger Englands und der Bürger Europas. Man müsste die Spiele in ein anderes europäisches Land verschieben“, sagte Lauterbach. Allerdings sprach er sich dagegen aus, München als möglichen Ersatzort ins Spiel zu bringen. „Es wäre unglücklich, wenn man einen Vorschlag macht, der das eigene Stadion und die eigenen Fans bevorzugt. Wir wären nicht glaubwürdig, wenn wir England vorschlagen, dass die Spiele stattdessen bei uns stattfinden sollen“, erklärte der Politiker.

Sonderregelungen für VIP-Gäste bei der Europameisterschaft?

Auch der Virologe Alexander Kekule sieht das Vorgehen der UEFA kritisch. „Ich finde das eigentlich nicht ganz in Ordnung, dass die Briten jetzt als Austragungsort da unter Druck gesetzt werden, weil sie quasi mehr Prominente zulassen sollen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das muss man schon den britischen Behörden überlassen, welche Sicherheitsmaßnahmen sie da sehen.“

Von dpa

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