Tuchel entdeckt in Hamburg die Dreierkette wieder

BVB: Möglichst flexibel

Für Borussia Dortmund aufzulaufen, bleibt für die Spieler unter Trainer Thomas Tuchel taktisch weiter höchst anspruchsvoll. Auch vor der Länderspielpause warf Tuchel in Hamburg die große Rotationsmaschine an. Und immer häufiger greift er dabei auf die Möglichkeit zurück, defensiv eine Dreierkette zu formieren.

HAMBURG

, 08.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Tuchel entdeckt in Hamburg die Dreierkette wieder

Mathias Ginter hat sich mit seiner variablen Spielweise wieder in den Fokus gedrängt.

Dass der HSV Gift und Galle spucken würde, davon war zwar in den ersten 45 Minuten nicht allzu viel zu sehen. Doch Tuchel hatte sich für die zu erwartende Gegenwehr des Schlusslichts die taktische Variante mit drei nominellen Innenverteidigern einfallen lassen, die bei gegnerischem Ballbesitz durch zwei offensive Außen (Guerreiro, Piszczek) zur Fünferkette wurde.

Überzahl im Mittelfeld

Die Dreierkette kommt unter Tuchel bei Borussia Dortmund immer mehr in Mode. Bei Ballbesitz hat sie den großen Vorteil, im Mittelfeld mit zwei zusätzlichen Spielern Überzahl herzustellen und breit und variabel die eigenen Angriffe aufziehen zu können. Gegen den Ball soll sie die Räume verdichten und dem Gegner möglichst wenige Lücken anbieten.

Das 4-2-3-1, das die Borussia im vergangenen Jahr überwiegend spielte und in dem sie zu 87 Punkten stürmte, hat seit Längerem ausgedient. Tuchel lässt seit dem Sommer überwiegend ein 4-1-4-1 spielen und griff nur in den ersten beiden Saisonspielen gegen Mainz (2:1) und in Leipzig (0:1) auf die altbewährte Taktik zurück.

Gegen Leverkusen gefloppt

Die Dreierkette könnte nun die Zukunft sein. Erstmals beim 0:2 in Leverkusen wählte Tuchel diese Variante, um gegen die spielstarke Werkself sein Zentrum zu stärken. Der Plan ging nicht auf: Bayer schaffte es vielmehr, durch aggressives Pressing und ein sehr laufintensives Verschieben das Herz des Dortmunder Spiels um Weigl, Castro und Rode vom Rest abzutrennen und damit den Aufbau quasi lahmzulegen.

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Ein ähnliches Bild im Liga-Spiel darauf gegen die Hertha (1:1) und die sich zuspitzende Personalsituation ließen Tuchel dann in Ingolstadt auf eine verwegene Variante zurückgreifen. Trainiert hatte der BVB ein Zwei-Spitzen-System zuvor nicht, und so unstrukturiert und wenig eingespielt war der Auftritt beim 3:3 in Bayern auch.

Sokratis in der Mitte

Nach dem bekannten 4-1-4-1 im Revierderby dann nun in Hamburg die Wiederentdeckung der Dreierkette, in der Sokratis den zentralen Part spielt und die nominellen Innenverteidiger Ginter und Bartra den Flankenschutz liefern. Bei Hamburger Ballbesitz ließen sich Piszczek und Guerreiro auf ihren Seiten zurückfallen.

Taktische Flexibilität genießt unter Tuchel nicht erst in dieser Saison einen hohen Stellenwert. „Es ist eine von mehreren Varianten“, relativierte Sportdirektor Michael Zorc nach dem 5:2 , „in Hamburg war es die richtige.“ Vor allem Matthias Ginter nimmt in den taktischen Planspielen seines Trainers eine immer größere Bedeutung ein. Mangels Perspektive wollte er im Sommer eigentlich einen Vereinswechsel zum VfL Wolfsburg vorantreiben, mit Weitsicht legte der BVB dagegen aber sein Veto ein.

Ginter avanciert zum Stammspieler

Nach Ginters Rückkehr von den Olympischen Spielen avancierte der 22-Jährige ab dem dritten Bundesliga-Spieltag zum absoluten Stammspieler. Ginter kann in einer Viererkette beide Innenverteidiger-Positionen und auch auf der rechten Seite spielen. Dort findet er sich auch in einer Dreierkette immer besser zurecht.

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