Tuchel: "Jedes Tor muss sofort überprüft werden"

Plädoyer für Videobeweis

Drei strittige Szenen, alle zugunsten von Borussia Dortmund entschieden: Selbst Thomas Tuchel gab nach dem 2:0 des BVB gegen den FC Ingolstadt zu, „dass sich das sehr bescheiden anfühlen muss für die Ingolstädter“. Er plädierte nach dem Spiel vehement dafür, „erzielte Tore sofort auf ihre Korrektheit zu überprüfen.“

DORTMUND

, 30.01.2016, 19:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ralph Hasenhüttl nahm in der Pressekonferenz nach dem Spiel kein Blatt vor den Mund. Er bat die anwesenden Journalisten, „vielleicht könnt ihr mir sagen, was ich meinen Spielern sagen soll.“ Die, erläuterte der Ingolstädter Trainer, hätten in der Kabine gesessen und ihm Fragen gestellt: „Wie kann es sein, dass ein Tor zurückgenommen wird, erst nachdem sich der Dortmunder Spieler beschwert? Wie kann es sein, dass ein Spieler, der unseren Spieler vor dem Tor niedergerissen hat, nicht mit Rot vom Platz gestellt wird?“

Er habe keine Antworten darauf gehabt, meinte Hasenhüttl, und er sprach dann von einem sehr mutigen Auftritt seiner Mannschaft, der wohl belohnt worden wäre, „wenn wir einen Spielleiter gehabt hätten, der ebenso so mutig gewesen wäre“.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel äußerte Verständnis. „Das Abseits beim 1:0 ist unstrittig und entscheidet das Spiel. Bei den anderen Szenen hatten wir Glück. Ich finde aber, dass es keine Fehlentscheidungen waren, da kann man so oder so entscheiden.“

Tuchel mit klarer Meinung

Und natürlich kam dann die Frage nach dem Videobeweis, und in seltener Klarheit bekannte sich Tuchel für den Einsatz elektronischer Hilfsmittel - zumindest bei der Frage, ob ein Treffer korrekt erzielt worden sei: „Man kann nicht jeden Konter überprüfen und dann sagen, okay, ihr spielt den Konter jetzt weiter. Aber ich bin unbedingt dafür, jedes Tor auf seine Korrektheit überprüfen zu lassen.“ Das, meinte der 42-Jährige, würde auch ohne Zeitverzögerung möglich sein.

Hasenhüttl gelang es nicht, seine große Enttäuschung zu verbergen. „Ich bin mir sicher, im umgekehrten Fall wäre nicht so gepfiffen worden“, sagte er. „Wir als kleiner Verein müssen schon aus diesem Grund für den Videobeweis sein.“ Mit einer Klasse-Taktik und großer Disziplin hatte seine Elf den klaren Favoriten in große Bedrängnis gebracht.

In der Diskussion war auch die Tatsache, dass Winkmann bei Aubameyangs Treffer zum 1:0 nicht die Bilder nutzte, die als Wiederholung über die Stadionleinwände flimmerten - und auf denen die Abseitsstellung erkennbar war.

Das jedoch hätte er nach bestehendem Regelwerk auch nicht gedurft. „Selbst wenn ich es gesehen hätte“, erklärte Winkmann nachher, „hätte ich es nicht zurücknehmen dürfen. Es war eine Tatsachenentscheidung.“

"Foul, Foul, Foul"

Bei der Szene in der 66. Minute, als Hummels den Ball ins eigene Tor geschossen hatte, habe sein Assistent sofort „Foul, Foul, Foul“ gerufen, erklärte der Referee, der die Einschätzung nach Ansicht der Videobilder in der Kabine teilte. „Man kann durchaus Foul pfeifen. Es ist aber natürlich eine ganz enge Entscheidung.“

Unstrittig sei dagegen Hummels‘ Einsatz gegen Lezcano nach einer halben Stunde gewesen. „Das ist für mich ein stabiler beziehungsweise harter Körperkontakt“, erläuterte Winkmann, „aber nichts, was für einen Elfmeter und eine Rote Karte reicht.“

Keine andere Auslegung

Interessanterweise wertete Hummels beide Szenen etwas anders. Bei der strittigen Strafraumszene „kann man zu mindestens 50 Prozent auf Elfmeter entscheiden“, sagte der BVB-Kapitän. Lezcanos Einsatz gegen ihn nach 66 Minuten sei dagegen „ein klares Foul“ gewesen. „Da gibt es aus meiner Sicht keine andere Auslegung.“

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