Tuchel: "Können viel aus diesem Spiel lernen"

Das BVB-Interview

BVB-Trainer Thomas Tuchel schwankte nach dem 2:2 gegen Real Madrid am Dienstagabend zwischen Freude über den späten Ausgleich und dem enttäuschenden Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre für seine Elf. Nach der Partie sprach der 42-Jährige über die Partie, seinen Joker Andre Schürrle und sein erstes Heimspiel in der Champions League. Hier gibt's das Video.

DORTMUND

, 27.09.2016, 23:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Tuchel, wie bewerten Sie dieses Remis? Ich denke, dass es ein faires Ergebnis ist. Wir haben eine sehr gute, dominante erste Hälfte gespielt, in der wir allerdings die Präzision und Aggressivität im letzten Drittel haben vermissen lassen. Dadurch haben wir es verpasst, in Führung zu gehen. Nach dem 0:1 wurde es für uns natürlich schwerer, aber wir haben eine gute Reaktion gezeigt und auch verdient ausgeglichen.

In Hälfte zwei gab es dann trotzdem den nächsten Rückstand... Ja, wir hatten zwar in den ersten fünf Minuten nach dem Seitenwechsel zwei Chancen auf die Führung, aber dann haben wir etwas Vertrauen in uns verloren. Wir haben leichte Fehler gemacht, Real ist dadurch stärker und stärker geworden. Wir mussten leiden in dieser Phase und haben da auch das zweite Tor kassiert. Doch auch danach stimmte die Reaktion. Der Ausgleich am Ende war verdient. Der Spielverlauf hilft uns sehr für unser Selbstvertrauen und unser Gefühl. Wir können viel lernen aus diesem Spiel. Es gibt einiges, was wir gut gemacht haben, aber auch einiges, was wir verbessern können.

Zählt zu diesem Lerneffekt auch, dass die Mannschaft gesehen hat, dass sie auch gegen die europäische Spitze mit ihrer Art Fußball mithalten kann? Wir wollten die Gelegenheit bewusst nutzen, uns auf diesem Niveau auszuprobieren. Finden wir die gleichen Räume? Erreichen wir die gleich hohe Schlagzahl und das gleich hohe Tempo wie in der Bundesliga und in Warschau? Das ist uns phasenweise gelungen. Ich bin froh, dass meine Mannschaft diesen Mut gezeigt hat. Wir hatten am Ende 20 Torschüsse, damit haben wir unser Ziel erreicht. Wir haben selbst agiert. Die erste Hälfte war exemplarisch.

Sie haben Andre Schürrle nach seiner Verletzungspause eingewechselt, er hat sich mit dem Treffer zum 2:2 bedankt. Warum funktioniert er beim BVB so gut? Andre ist ein Spieler, der eine enge Bindung zum Trainer benötigt, um der Beste sein zu können, der er sein kann. Das heißt nicht, dass ich ihn jeden Tag in den Arm nehmen oder ihm ständig sagen muss, wie gut er ist. Das kann auch Kritik oder Strenge beinhalten. Wir freuen uns sehr, wie er sich bei uns einbringt. Es war ein Risiko, ihn so früh zu bringen. Er hatte wenige Trainingseinheiten in den Beinen seit seiner Pause. Aber es war ein perfektes Ende für ihn.

Für Sie war es das erste Heimspiel in der Champions League, gleich ging es gegen Real Madrid. Wir haben Sie das Spiel erlebt? Wir haben uns im Trainerteam nach dem Freiburg-Spiel gesagt, dass wir das genießen wollen. Von so einem Spiel traust du dich ja als Jugendtrainer, der gerade zu seiner Passion gefunden hat, nicht einmal zu träumen. Wenn es dann in Erfüllung geht, ist das ein großes Geschenk, das man genießen muss. Aber natürlich bleibt trotzdem nicht aus, dass man sich ärgert und generell normal coacht. Wir wollten das Beste in diesem Spiel erreichen. Das Beste wäre ein Sieg gewesen. Aber ich möchte nicht unverschämt oder pedantisch klingen. Das Ergebnis ist okay.

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