Fünf Spieler hat der BVB für die neue Saison bereits verpflichtet. Ein Stürmer war nicht dabei. Der BVB hält weiter Ausschau nach einer passenden Lösung für die Position ganz vorne – doch es ist kompliziert.

Dortmund

, 25.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Gerüst für den Angriff auf den FC Bayern München steht. Borussia Dortmund hat in Mats Hummels, Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz viermal Soforthilfe verpflichtet, Mateu Morey soll perspektivisch hinten rechts in der Abwehr helfen. Fortan liegt der Fokus beim BVB auf der Kader-Verkleinerung, aber auch auf der Zugangsseite sind die Planungen noch nicht gänzlich abgeschlossen.

Im Sturm würde der BVB gerne noch nachbessern, weil in Paco Alcacer aktuell nur ein gelernter Mittelstürmer im Kader steht. Mario Götze, nach eigenem Dafürhalten lieber Mittelfeldspieler, ist aktuell die einzige Alternative zum Spanier, der in seinem ersten Jahr beim BVB vor allem als Joker knipste wie am laufenden Band.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Wir halten die Augen weiter offen“

BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagt zur Stürmersuche: „Wir halten die Augen weiter offen, aber Priorität hat jetzt erst einmal die Abgabeseite.“ Und Hans-Joachim Watzke erklärte jüngst: „Wir haben noch Ideen, aber die sind nicht immer leicht umzusetzen.“

„Wir haben noch Ideen, aber die sind nicht immer leicht umzusetzen.“
Hans-Joachim Watzke

Nun sind komplizierte Stürmersuchen für Zorc freilich kein Neuland – und der BVB-Kaderplaner ist durchaus für Überraschungen gut. Im vergangenen Jahr verpflichtete er Alcacer erst kurz vor Toreschluss auf dem Transfermarkt, Mut und Geduld zahlten sich aus. Die Leihgabe vom FC Barcelona, mittlerweile fest verpflichtet, lieferte auf Anhieb und traf in der Hinrunde in einer Frequenz, wie kein anderer Neuzugang es jemals vor ihm getan hatte.

Kein klassischer Mittelstürmer im BVB-Kader

Doch trotz aller Alcacer-Tore und Götzes ansteigender Formkurve gibt es nicht wenige Stimmen beim BVB, die der Überzeugung sind, dass noch ein richtiger Stürmer zur Vollendung des vielversprechenden Kaders fehlt. Ein Stürmer, den man mal ins Spiel reinwerfen kann, wenn halt irgendwie ein Tor her muss.

BVB-Trainer Lucien Favre gehört gewiss nicht zu den Wortführern in diesem Punkt. Der Schweizer, kein erklärter Fan der „echten Neun“, wie es heute gerne heißt, bevorzugt mitspielende Stürmer, keine Brecher. Auch deshalb fiel die Wahl im vergangenen Sommer auf Alcacer, der allerdings, das gehört auch zur Wahrheit, ziemlich wenig mitspielte für einen mitspielenden Stürmer. Entweder Alcacer traf – oder er tauchte regelmäßig ab. Zwölf Tore in der Hinrunde waren ein überragender Wert, sechs in der Rückrunde waren in Ordnung, aber eben auch nicht mehr.

Das Anforderungsprofil des neuen BVB-Stürmers - zwei Szenarien denkbar

Favres Haltung in puncto Mittelstürmer macht Zorcs Suche nach einem neuen Torjäger auf einem ohnehin schon schwierigen Markt noch komplizierter. Ein Stürmer, der sich nicht sicher sein kann, ob der Trainer ihn wirklich möchte, muss erst einmal das Tor treffen.

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Und fast zwangsläufig stellt sich die Frage, welches Anforderungsprofil ein möglicher neuer BVB-Stürmer erfüllen muss. Und damit einher geht die Frage: Was für eine Lösung sucht Borussia Dortmund eigentlich – und wie viel Geld darf sie kosten?

Szenario eins: Die Joker-Lösung

Mehrere Szenarien sind denkbar. Am wahrscheinlichsten erscheint aktuell, dass der BVB sich um eine Joker-Lösung bemühen wird. In diesem Fall wäre ein Neuzugang in der Offensive erst einmal die Nummer drei hinter Götze und Alcacer und müsste sich mit dem Gedanken anfreunden, eher selten, aber dafür vielleicht in besonderen Momenten gebraucht zu werden. Der Name Mario Mandzukic, mittlerweile 33 Jahre alt und bei Juventus Turin angeblich nicht mehr gewollt, taucht Sommer für Sommer in der BVB-Gerüchteküche auf.

Typ Werner oder Mandzukic - Darum ist die Stürmersuche so schwierig für den BVB

Mario Mandzukic spielt in den Planungen des neuen Trainers Maurizio Sarri wohl keine Rolle mehr. © imago

Der Haken: Der Kroate wäre, selbst wenn die Ablösesumme nicht allzu hoch sein dürfte, allein wegen seiner Gehaltsvorstellungen ein teurer Luxus – und ob er sich mit der Joker-Rolle anfreunden könnte, muss zumindest bezweifelt werden. Zumindest der Stürmertyp aber, den Mandzukic verkörpert, könnte einer BVB-Wunschlösung sehr nahe kommen: international erfahren, abgezockt und immer für ein wichtiges Tor gut.

Szenario zwei: Die kostspielige Lösung mit Knalleffekt

Ein weiteres, aktuell unwahrscheinlicheres Szenario wäre eine große, namhafte und kostspielige Lösung mit Knalleffekt. Mit Mats Hummels für die Innenverteidigung hat niemand gerechnet, mit einem teuren Stürmer, der den Kader nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze verstärkt, rechnet aktuell auch niemand. Leipzigs Timo Werner wäre so ein Spieler mit Knalleffekt.

Typ Werner oder Mandzukic - Darum ist die Stürmersuche so schwierig für den BVB

Eiertanz in Leipzig: Seit Monaten bemüht sich RB um eine Vertragsverlängerung mit Timo Werner. Doch dieser wird ebensolange schon mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. © imago

Ein vermeintliches Interesse am Nationalspieler bügelte BVB-Boss Watzke im Januar, angesprochen auf die Namen Thorgan Hazard und Timo Werner, vehement ab: „Ich habe den Eindruck, dass einer der beiden Spieler seine Zukunft schon geregelt hat. Und das nicht mit uns.“ Gemeint war Werner, Hazard ist ja mittlerweile schon da.

Ein halbes Jahr später allerdings ist Werners Zukunft zumindest offiziell noch immer nicht geklärt. Sein Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus, eine Verlängerung lehnt der Nationalspieler bislang strikt ab – und die Bayern, lange in der Favoritenrolle im Buhlen um Werner, zögern mit einer Verpflichtung. Nicht komplett ausgeschlossen, dass die Tür, die eigentlich schon zu war, vielleicht noch einmal einen Spalt breit aufgeht.

Bis Ende August ist noch viel Zeit für den BVB

So oder so dürfte einiges davon abhängen, wie erfolgreich der BVB die Spieler verkauft, die keine Zukunft in Dortmund besitzen. Noch ist diesbezüglich „alles ruhig“, wie Zorc erklärt. Und das Transferfenster hat in den meisten Ligen bis Ende August geöffnet. Viel Zeit zum Verkaufen, viel Zeit, um Stürmer angeboten zu bekommen. Es könnte ein langer Sommer werden.

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