Uli Hoeneß gibt Borussia Dortmund Profitipps: Neues von Papa Teresa

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Uli Hoeneß gibt kluge Ratschläge an unkluge Dortmunder. Wenigstens der „Nelson Mandela von der Säbener Straße“ scheint ein Interesse an Gleichberechtigung in der Bundesliga zu haben. Schön!

Dortmund

, 03.08.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Gepolter kommt ja nun nicht aus dem Nichts, ganz gewiss nicht. Ein Ulrich Hoeneß hat schließlich immer etwas zu sagen, und wenn er nicht sowieso nach seinem Senf gefragt wird, bimmelt er einfach im Doppelpass durch, der früher als „die Krombacher-Runde“ vermutlich am authentischsten vermarktet war, und berserkert seinen Standpunkt unaufgefordert durchs Dopafon in Richtung Münchner Flughafen. Echte Macher machen das so.

Uli Hoeneß als „Vater Teresa vom Tegernsee“

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„Der eine oder andere Journalist wird sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre, jetzt wo ich dann keine offizielle Funktion mehr habe“, sagte Hoeneß im vergangenen November kurz bevor seine Ära beim FC Bayern München zumindest offiziell zu Ende ging und er nicht mehr zur Präsidentschaftswahl antrat. Immer wenn er etwas Unsachliches höre und sehe, das war ihm noch ein besonderes Anliegen, werde er den Verein „wie eine Glucke“ bewachen.

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Nun lässt sich darüber streiten, ob Uli Hoeneß, den Karl-Heinz Rummenigge tatsächlich mal den „Vater Teresa vom Tegernsee“ und den „Nelson Mandela von der Säbener Straße“ nannte, eher eine wohlig brütende Henne oder ein lauthals krähender Hahn ist, aber dass dieses verrückte Huhn nicht Ruhe geben würde, hätte Hoeneß vermutlich nicht auch noch unbedingt ankündigen müssen. Und scheinbar galten seine Worte aus dem vergangenen Spätherbst nicht nur für Journalisten, sondern auch für Borussia Dortmunds Entscheider.

Wer lang hat, kann lang hängen lassen!

Am Wochenende jedenfalls hat Teresa Mandela aus Bayern mal wieder Gutes getan. Er, sie, (es?) hat den BVB-Verantwortlichen attackierend erklärt, wie das mit der richtigen Transferpolitik in Wahrheit funktioniert. „Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird“, sagte der 68-Jährige im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bei den Bayern gebe es so etwas nicht. „Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen. Unter dem Strich, so lässt sich Hoeneß kostenloser Expertenrat ganz gut zusammenfassen, sei die Dortmunder Transferstrategie, Spieler zu Stars zu formen und sie später teuer zu verkaufen, „unklug“.

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Nun verhält es sich (nicht nur in der Welt des Fußballs) bekanntlich so, dass derjenige kann, der hat. Oder, so sagen manche etwas anrüchig: Wer lang hat, kann lang hängen lassen! Vielleicht ist das sogar Uli Hoeneß‘ Humor. Er kennt sich ja aus in der Würstchen-Branche. Wer jedenfalls, wie der FC Bayern München, jährlich über 750 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und über 350 Millionen Euro für seine Fußballmannschaft ausgibt, weil er es freilich kann, der kann zweifelsfrei verdammt lang hängen lassen - und beispielsweise auch Mario Götze (Ausstiegsklausel, 2013) oder Robert Lewandowski (ablösefrei, 2014) von Borussia Dortmund abwerben.

Hoeneß: „In diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren“

Die Frage aufzuwerfen, ob es also „unklug“ vom BVB ist, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten seit nunmehr über zehn Jahren klug zu wirtschaften, ist nur eine weitere Schwarz-Weiß-Malerei des Uli Hoeneß, dessen Welt ganz offenkundig nur so viele Farben kennt wie ein Schachbrett. Der Reflex liegt da durchaus nahe, Papa Teresa ab und an daran zu erinnern, dass auch er nicht nur kluge Entscheidungen in seinem Leben getroffen hat.

Das ist zwar eigentlich eine andere Geschichte, die Uli der Große bereits 2017 ziemlich unklug eingeordnet hat, aber man ist sich so selten sicher, ob er das eigentlich noch weiß. „Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren“, sagte er damals. 28,5 Millionen zu 0, um das genaue Ergebnis nicht unerwähnt zu lassen. Und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass zwischen unklugen Worten und Dummschwätzerrei manchmal nur eine klitzekleine Steuerhinterziehung liegt. Was Mutter Teresa oder Nelson Mandela wohl dazu sagen würden?

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