Borussia Dortmund

Vater der BVB-Rettung 1986: Reinhard Saftig feiert 70. Geburtstag

Reinhard Saftig erlebt mit dem BVB einen der emotionalsten Momente der Vereinsgeschichte. In einer dramatischen Relegation gelingt gegen Fortuna Köln 1986 der Klassenerhalt. Heute feiert Saftig seinen 70. Geburtstag.
Vater des BVB-Klassenerhalts 1986: Reinhard Saftig. © Repro: Kolbe

In der BVB-Hostorie tauchen zahlreiche bejubelte Meistertrainer auf. Andere, denen die Titelehre verwehrt blieb, sind deshalb unvergessen, weil sie etwas Besonderes leisteten. Otto Rehhagel gehört dazu, mit dem Borussia Dortmund 1976 wieder in die Bundesliga aufstieg, aber auch der Coach der „Thriller-Trilogie“ von 1986: Reinhard Saftig. Am 23. Januar feiert der langjährige Bundesliga-Trainer einen 70. Geburtstag.

„Judas-Rufe“ gegen BVB-Stürmer Jürgen Wegmann

Rückblick: 1986 droht dem BVB erneut der Absturz aus der Bundesliga. Die Saison 1985/86 ist unerfreulich verlaufen. Die Schwarzgelben haben Trainer Pal Czernai geschasst und seinen „Co“ Reinhard Saftig zum Nachfolger gemacht. Die Borussia landet letztlich auf Platz 16. Um die Klasse zu halten, müssen Relegationsspiele gegen Fortuna Köln, den Dritten der 2. Bundesliga, siegreich bestritten werden.

BVB-Trainer Reinhard Saftig (l.) jubelt mit Frank Pagelsdorf und Michael Zorc. © imago / Frinke

47.000 Besucher erleben am 14. Mai 1986 in der ersten Partie im Müngersdorfer Stadion einen 2:0-Sieg der Fortunen. Bitter für den BVB und Trainer Reinhard Saftig und eine bescheidene Ausgangsposition für das Rückspiel am folgenden Pfingstmontag. An diesem Tag ist Dortmund ein wahrer Glutofen. Zudem ist durchgesickert, dass Jürgen Wegmann den BVB in Richtung Schalke verlassen will. Als ihn die 54.000 Zuschauer auch noch mit „Judas-Rufen“ bedenken, sinkt die Stimmung im Westfalenstadion auf den Gefrierpunkt.

Ausgerechnet Wegmann hält den BVB gegen Köln im Rennen

Fortuna geht mit 1:0 in Führung. Jetzt muss der BVB schon drei Tore erzielen, um zumindest ein weiteres Entscheidungsspiel zu erreichen. Fortuna agiert kombinationssicher, der BVB wirkt gehemmt. In der Pause versucht Reinhard Saftig, die seine Spieler aufzubauen. Neun Minuten nach dem Wiederanpfiff wird Ingo Anderbrügge im Strafraum umgestoßen – es gibt Elfmeter. Michael Zorc verwandelt zum 1:1. Eine knappe Viertelstunde später setzt Marcel Raducanu einen Kopfball unhaltbar zum 2:1 in die Maschen.

Als der Fernsehreporter unmittelbar vor dem Schlusspfiff bereits den Aufsteiger Fortuna Köln feiert, passiert es: Anderbrügge zieht ab, Fortuna-Torhüter Jarecki unterläuft ein Fehler, und der zu Beginn noch geschmähte Jürgen „Kobra“ Wegmann trifft per Abstauber zum erlösenden 3:1.

Bei BVB-Gegner Fortuna Köln brechen alle Dämme

Das dritte und entscheidende Spiel wird zwei Wochen später auf neutralem Bode im Düsseldorfer Rheinstadion ausgetragen. 13 Fortuna-Spieler sind erkrankt, Köln bittet um Spielverlegung – doch das lehnt der Verband ab. Zur Halbzeit führt der BVB mit 1:0. Danach bricht das von Krankheit gezeichnete Kölner Team zusammen und geht mit 0:8 unter. Reinhard Saftig und Präsident Dr. Reinhard Rauball liegen sich in den Armen. Der zweite Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte ist abgewendet.

Reinhard Saftig (M.) fungierte zunächst als Co-Trainer von Pal Csernai (l.). © imago sportfotodienst

Diese drei Spiele also haben Saftig, der 1984 zunächst als Co-Trainer von Timo Konietzka, Erich Ribbeck und Pal Czernai vom FC Bayern München zum BVB gekommen war und 1986 Cheftrainer wurde, zum anerkannten Retter der Schwarzgelben gemacht. In der Folge-Saison qualifizierte er sich mit dem BVB für den UEFA-Pokal und erreichte hier die dritte Runde. Saftig, der seit vielen Jahren in Dortmund lebt, spielt heute gerne Golf und genießt seinen Ruhestand.

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