Viele schwere Verletzungen im BVB-Nachwuchs

Ricken auf Ursachenforschung

Drei Wochen sind vergangenen, seitdem Hannes Wolf seinen Job als BVB-U19-Trainer aufgegeben hat, um beim VfB Stuttgart anzuheuern. Zufrieden ist man bei der Borussia damit, wie der abrupte – aber nicht unerwartete – Abgang des Erfolgstrainers gemanaget wurde. "Der Übergang ist sehr reibungslos verlaufen", bilanziert Lars Ricken im Gespräch mit dieser Redaktion. Eins aber beschäftigt den BVB-Jugendkoordinator: Die hohe Zahl der schweren Verletzungen.

DORTMUND

, 11.10.2016, 06:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele schwere Verletzungen im BVB-Nachwuchs

Patrick Fritsch (am Boden) erwischte es im Youth-League-Spiel gegen Madrid, in Warschau hatte sich Dario Scuderi schwer verletzt, bei der U19-EM im Sommer Janni-Luca Serra, am Samstag musste Julius Schell per Krankenwagen abtransportiert werden – die Häufung der schweren Verletzungen im U-Bereich alarmiert den BVB.

Der Wechsel von Wolf auf die Trainerbank des Zweitligisten hatte in der Dortmunder Jugendabteilung zu einigen personellen Rochaden geführt: Benjamin Hoffmann rückte von der U17 auf, sein dortiger „Co“ Sebastian Geppert übernahm an seiner Stelle die Leitung der U17. „Beide kannten die jeweiligen Teams bereits gut und benötigten daher keine lange Eingewöhnungszeit, das war uns sehr wichtig“, sagt Ricken.

Für die Spieler, die lange Jahre mit Wolf erfolgreich zusammengearbeitet und mehrere Meistertitel gewonnen hatten, war es dennoch eine Umstellung, plötzlich mit einem anderen Trainer zu arbeiten. „Doch wir haben ihnen gesagt, dass ihnen das im Profi-Geschäft noch häufiger passieren kann, dass der Trainer von heute auf morgen weg ist“, sagt Ricken und stellt seinen Talenten ein gutes Zeugnis für den Umgang damit aus: „Sie haben sich sehr professionell verhalten und sofort Vollgas gegeben – sowohl in den Trainings als auch in den Spielen.“

Dass die U17 am Wochenende eine 1:2-Derbyniederlage gegen den Revierrivalen Schalke einstecken musste, mag Ricken nicht auf den Trainerwechsel schieben. Vielmehr sieht er in der Häufung an schweren Verletzungen eine mögliche Ursache: „Julius Schell musste bereits nach 15 Minuten mit einer schweren Muskelverletzung ausgewechselt und mit dem Krankenwagen weggebracht werden, er wird in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr auf den Platz zurückkehren. Vor kurzem passierte Dario Scuderi und Patrick Fritsch aus der U19 dasselbe. So etwas geht nicht spurlos an den Spielern vorbei.“

Gemeinsam mit Pädagogen und Sportpsychologen arbeitet der Klub mit den Talenten daran, dass nichts hängenbleibt. Gespräche sind derzeit fast genauso wichtig wie Training, damit sich kein Trauma in den Köpfen festsetzt. Parallel dazu läuft die Ursachenforschung für die Verletzungen von Janni-Luca Serra, Fritsch (beide Kreuzbandriss) und Scuderi, in dessen Knie beim Youth-League-Spiel in Warschau kaputt gegangen war, was kaputtgehen konnte. Im Visier: Die hohe Belastung der drei Talente.

„Sie zählten zu den Spielern, die zuvor nie ausgefallen waren. Dementsprechend viele Spiele und Trainings haben sie in den Beinen“, sagt Ricken mit Blick auf die Einsätze in der Bundesliga, dem DFB-Pokal, der Youth League und den jeweiligen U-Nationalteams. „Zu sagen, die drei hätten nur Pech gehabt, wäre zu kurz gegriffen. Es ist extrem wichtig, genau auf die Belastungssteuerung der jungen Spieler zu achten, um solchen Verletzungen vorzubeugen.“ 

Dario Scuderi wird nach seiner Knie-OP vom BVB eng begleitet. „Es ist wichtig, dass er weiß, dass wir immer für ihn da sind und er von uns alle Zeit der Welt bekommt“, sagt BVB-Jugendkoordinator Lars Ricken. Auch Patrick Fritsch wurde inzwischen operiert. „Er ist total klar im Kopf und komplett handlungsorientiert“, sagt Ricken über den Verteidiger, dem zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen war. „Da gibt‘s kein Selbstmitleid – bemerkenswert.“

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