Marius Wolf will seine zweite Chance beim BVB nutzen. © imago / Laci Perenyi
Borussia Dortmund

Vom Abseits in die BVB-Startelf: Warum Marius Wolf plötzlich wichtig ist

Marius Wolf war bei Borussia Dortmund lange Zeit umstritten und immer wieder Verkaufskandidat. Nun rückt der 26-Jährige in den Mittelpunkt. Weil er eine wichtige Fähigkeit vorweist.

Stellt man sich Borussia Dortmund als Waffenkammer vor, würden einem einige Kaliber sicher gleich ins Auge fallen. Im Mittelpunkt stünde zuvorderst eine Kanone mit der Bezeichnung „Erling Haaland“. Es ist das mit Abstand gefährlichste Geschoss, für dessen Gebrauch in jedem Fall ein Waffenschein nötig ist. Darüber hinaus hätte der BVB auch noch ein paar weitere feinere Klingen in seinem Arsenal. Die Modelle „Marco Reus“, „Giovanni Reyna“ oder „Youssoufa Moukoko“ sind nicht ganz so wuchtig und zielsicher wie das Kaliber „Haaland“, versprechen dafür jedoch Wirkungstreffer beim Gegner durch gezielte Nadelstiche.

BVB-Allrounder Marius Wolf ist wichtiger denn je für Marco Rose

Kramt man bei den Schwarzgelben etwas weiter hinten im Bestand, fällt einem aber noch ein weiteres Werkzeug in die Hände, das auf den ersten Blick unscheinbar, aber ungemein wertvoll ist. Es ist die Allzweckwaffe und die trägt bei Borussia Dortmund die Bezeichnung „Marius Wolf“. Ersetzt man nun die Waffenkammer durch das Personal auf dem Rasen ist jener Marius Wolf genau das – die (neue) Allzweckwaffe des BVB.

Beim 3:1-Sieg bei Arminia Bielefeld stand der 26-Jährige zum zweiten Mal in der Startelf und spielte erstmals 90 Minuten durch. Wolf ist für Trainer Marco Rose nach den neuerlichen Ausfällen von Nico Schulz und Thomas Meunier wichtiger denn je. Zum einen, weil er fit ist – zum anderen, weil er ein vielseitiger Rollenspieler ist, der auf verschiedensten Positionen kompatibel ist, eine echte Allzweckwaffe eben.

BVB-Trainer Marco Rose liebt taktisch flexible Spieler

Für Marco Rose ist einer wie Marius Wolf ein Glücksfall. Schon Mitte August rühmte der BVB-Coach Spieler, die taktisch flexibel einsetzbar sind. „Viele Spieler sehen das immer ein bisschen kritisch für sich, weil sie das Gefühl haben, sie werden von Position zu Position geschoben. Aber jeder Trainer liebt solche Spieler, weil sie dir eine Menge Flexibilität geben und du während des Spiels reagieren kannst, ohne wechseln zu müssen“, sagte Rose damals an die Adresse von Emre Can gerichtet.

Das Lob der Variabilität gilt gleichermaßen für Marius Wolf. Zu Saisonbeginn gegen Eintracht Frankfurt und SC Freiburg nicht berücksichtigt, wird der Allrounder nun zunehmend bedeutender im Gefüge der Schwarzgelben. Bislang hat er bei seinen nunmehr sieben Bundesliga-Einsätzen bereits vier verschiedene Positionen bekleidet. Gegen die TSG Hoffenheim, Union Berlin und Mainz spielte er in der Raute auf der rechten, gegen den FC Augsburg auf der linken Halbposition. In Mönchengladbach wurde er als Rechtsverteidiger benötigt und nun bei Arminia Bielefeld spielte auf der rechten Mittelfeldseite.

BVB-Sportdirektor Zorc lobt: „Diese Chancen hat er sich verdient“

„Ich habe es schon mehrfach betont, dass sich Marius diese Chancen auch verdient hat. Er haut sich immer rein, die Position auf dem Flügel vor einer Dreierkette kam ihm am Samstag entgegen. Er hat es auch in Bielefeld wieder sehr ordentlich gemacht“, fand Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten lobende Worte für Wolf. Auch bei seinen drei Teil-Einsätzen in der Champions League gegen Istanbul, Lissabon und Amsterdam bekleidete 26-Jährige jeweils unterschiedliche Positionen.

„Innenverteidiger habe ich noch nicht gespielt – das ist aber auch nicht meine Stärke“, flachste Wolf unlängst im „BVB-Podcast“ angesprochen auf seine Vielseitigkeit. „Das ist einerseits positiv, vor allem für den Trainer, wenn man überall spielen kann. Andererseits wünscht man sich manchmal, eine feste Position zu haben“, sagte Wolf.

BVB-Fans schätzen Kampfgeist und Einsatzbereitschaft von Wolf

Seine Wandelbarkeit aber ist aktuell sein größter Trumpf. Zumal Wolf seinen Job in der Regel mindestens solide erledigt. An Willen, Einsatzbereitschaft und Beißerqualität mangelt es bei ihm nie. Attribute, die Trainer Rose und die BVB-Fans gleichermaßen schätzen. Gegen Bielefeld schaltete sich Wolf auch immer wieder in die Offensivaktionen ein, leitete einige Angriffe mit ein – und kam in der 34. Minute selbst zu einer guten Gelegenheit, bei der er jedoch an Bielefelds Torwart Ortega scheiterte. Unmittelbar vor der Pause bereitete er zudem eine Chance von Julian Brandt vor, nach Wiederanpfiff war er der Ausgangspunkt einer Möglichkeit von Marco Reus.

Wolfs Stellenwert ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen – seine Qualitäten dürften angesichts seiner guten Leistungen und der anhaltend langen Ausfallliste auch weiterhin gefragt sein. Nach einer unglücklichen ersten Phase bei der Borussia, die in zwei Ausleih-Geschäften zu Hertha BSC Berlin und zum 1. FC Köln mündeten, scheint Wolf nun angekommen zu sein in Dortmund.

Marius Wolf startet seinen zweiten Anfang bei Borussia Dortmund

„Das ist jetzt ein zweiter Anfang. Jedem wird hier das Vertrauen entgegengebracht und das Gefühl, gebraucht zu werden – das war nicht immer so“, unterstrich Wolf im „BVB-Podcast“. Fest steht: Er will sich neu beweisen. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen von Marco Rose zahlt er nun zurück. Macht er so weiter, ist die Allzweckwaffe aus dem Arsenal der Schwarzgelben nicht mehr wegzudenken.

Über den Autor
Redakteur
Cedric Gebhardt, Jahrgang 1985, hat Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Lebt aber lieber nach dem Motto: „Probieren geht über Studieren.“ Interessiert sich für Sport – und insbesondere die Menschen, die ihn betreiben. Liebt Wortspiele über alles und kann mit Worten definitiv besser jonglieren als mit dem Ball. Schickt deshalb gerne humorige Steilpässe in die Spitze.
Zur Autorenseite
Cedric Gebhardt