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Borussia Dortmund beendet die Bundesliga-Saison auf Platz zwei, heute trifft sich Trainer Lucien Favre mit der BVB-Führungscrew um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc zur großen Analyse. Phase zwei des Kaderumbruchs sorgt für einen arbeitsreichen Sommer.

Dortmund

, 21.05.2019 / Lesedauer: 4 min

01.) Mentalität: Gegen Hoffenheim nur ein 3:3 nach 3:0-Führung, gegen Bremen nur 2:2 nach 2:0, noch krasser die Derby-Niederlage nach eigener Führung: Borussia Dortmund hat die Meisterschaft auch verspielt, weil der Mannschaft in engen Spielsituationen die Kontrolle über Partien entglitt, die man zuvor eigentlich soverän beherrscht hatte. Nicht zufällig rutschte der BVB zudem in seine einzige Krise der Saison, als Kapitän Marco Reus auf dem Feld verletzt fehlte.

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Spielte eine durchschnittliche Rückrunde: Axel Witsel. © dpa

Als Mentalitätsspieler hatte die Borussia Thomas Delaney verpflichtet, doch das Ruder konnte der Däne allein nicht herumreißen. Spieler wie Axel Witsel oder Manuel Akanji haben ebenfalls diesen Führungsanspruch, aus unterschiedlichen Gründen wurden sie diesem in der Rückrunde nicht mehr gerecht. Sich aufzubäumen, wenn der Gegner stärker wird - ein Feld, auf dem Borussia Dortmund zulegen muss.


02.) Zu viele Leihspieler: Gleich sieben Spieler kehren Anfang Juli wieder zu Borussia Dortmund zurück - eine Perspektive beim BVB besitzt nach einem erfolgreichen Halbjahr bei Willem II in den Niederlanden allenfalls Alexander Isak. Für Felix Passlack, Jeremy Toljan, Shinji Kagawa, Andre Schürrle und Dzenis Burnic muss die Borussia nach Abnehmern suchen. Kein einfaches Unterfangen, denn die Spieler sitzen entweder auf gut dotierten BVB-Verträgen oder konnten sich während ihrer Leihe nicht durchsetzen und demnach auch nicht für neue Klubs empfehlen. Sebastian Rode ist ein Sonderfall: Nach seiner schweren Knieverletzung wird der 28-Jährige noch einige Monate ausfallen, Eintracht Frankfurt strebt dennoch eine Lösung mit dem BVB an.


03.) Tiefe im Kader: Paco Alcacer hat der Borussia in seinem ersten Jahr bei Borussia Dortmund einen Rekord beschert. So viele Tore von der Bank hat vor ihm noch nie ein Spieler erzielt. Dennoch fehlten der Borussia gerade in der Endphase der Saison Impulse von der Ersatzbank. Der in einigen Spielen taumelnden Mannschaft durch Einwechslungen Stabilität oder neue Energie zu verschaffen, das gelang zu selten.

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Mahmoud Dahoud könnte den BVB im Sommer verlassen. © dpa

Mehr Tiefe im Kader ist daher das Ziel, Positionen zwei- oder gar dreifach mit gleichbleibender Qualität zu besetzen, darauf liegt ein Augenmerk von Kaderplaner Michael Zorc. Da einige Spieler mangels Perspektive den Verein verlassen könnten (Philipp, Dahoud), wird die Blutauffrischung ähnlich deutlich ausfallen wie im Sommer 2018.


04.) Neue Junioren-Struktur: Michael Skibbe und Otto Addo heißen zwei Hoffnungsträger. Die Rückkehrer sollen helfen, die neue Struktur im Juniorenbereich des BVB zum Erfolg zu führen. Skibbe, einst Cheftrainer der Dortmunder Profis, erhält ab dem 1. Juli als Cheftrainer des gesamten Dortmunder Nachwuchses großen Einfluss auf die Entwicklung junger Top-Spieler. Otto Addo, der sechs Jahre lang als Profi das BVB-Trikot trug, soll vor allem die Talente betreuen und lenken, die auf dem Sprung in den Seniorenbereich stehen. Das Ziel der Borussia: Jungs aus der Nachwuchsschmiede soll es künftig häufiger als bislang gelingen, sich im Profikader durchzusetzen. Dieses neue Konzept und die neue Hierarchie im Juniorenbereich gilt es nun in der täglichen Praxis zu verankern.


05.) Außenverteidiger gesucht: Rar gesät, heiß begehrt: Außenverteidiger mit dem Niveau internationaler Klasse. Für die linke Seite hat der BVB den Nachfolger für den als Platzhirsch abservierten Marcel Schmelzer gefunden: Nationalspieler Nico Schulz (26) dürfte in den nächsten Tagen einen langfristigen Vertrag bei Borussia unterschreiben. Mit ihm kommt Geschwindigkeit und Vorwärtsdrang auf die linke Flanke, über die 15 Gegentore fielen (Liga-Neunter).

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Nico Schulz soll die linke Außenbahn des BVB beleben. © dpa

Mit ihm und Achraf Hakimi sowie den Alternativen Abdou Diallo oder eben Schmelzer könnte der BVB sogar einen Abflug von Raphael Guerreiro ohne Magengrimmen verkraften. Auf der rechten Seite gibt es in Lukasz Piszczek, Hakimi, Außenverteidiger-Azubi Marius Wolf und Neuzugang-Talent Mateu Morey vier Optionen. Auch hier muss Dortmund noch nachlegen, weil Piszczek und Hakimi in ihr letztes Jahr gehen. Oberste Priorität hat diese Position aber noch nicht.


06.) Anfälligkeit bei Standards: Wehe, wenn der Ball ruht: Fünf Gegentore nach Standardsituationen in der Hinrunde, sogar neun in der Rückrunde, diese eklatante Schwäche kostete den BVB viele Gegentore und damit Punkte im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. „Man muss natürlich sagen, dass wir zu viele Gegentore bekommen haben. Vor allem bei Standards“, erklärte Marco Reus nach Toreschluss. Der BVB-Kapitän weiß: „Daran müssen wir in der Vorbereitung arbeiten.“

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Seine Standardschwäche muss der BVB in der kommenden Saison dringend abstellen. © dpa

Dann müssen sich Team und Trainer auf eine gemeinsame, effektive Strategie einigen. Ob Manndeckung oder Raumverteidigung, diese Anfälligkeit muss der BVB zwingend abstellen. Lucien Favre reklamierte, das benötige Zeit. Die hat er nun bis Mitte August. Was man nicht lernen kann: Körperlänge. Daran mangelt es im Kader. Die eigenen Standards wiederum waren stark (vier Tore nach Elfmetern, sieben nach Freistößen, fünf nach Ecken).

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