Der glückliche 2:1-Sieg des BVB gegen Mainz zeigt: Statt voller Dynamik gefestigt in den Endspurt um den Meistertitel zu gehen, entpuppt sich das Team als fragiles Gebilde. Sascha Klaverkamp kommentiert.

Dortmund

, 13.04.2019, 23:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lucien Favre wirkte gereizt nach dem Schlusspfiff. „Wir haben gewonnen“, sagte er schnell auf die Frage, ob das 2:1 gegen Mainz denn nun eine gute Reaktion auf das 0:5 von München gewesen sei. Gewonnen, nur das zähle, betonte der BVB-Trainer trotzig. Favres saure Miene dabei aber verriet, dass er mächtig angefressen war. Wenig verwunderlich, denn was der Coach in der letzten halben Stunde von seiner Mannschaft an diesem kalten Abend im Signal Iduna Park gesehen hatte, war unterirdisch.

Die schlechte Leistung war vor allem deswegen so schockierend, weil ihr eine starke erste Halbzeit vorausgegangen war. Nahezu nichts hatte zur Pause darauf hingedeutet, dass Mainz der Borussia an diesem Abend noch einmal gefährlich werden würde. Zu souverän, zu dominant hatte der BVB agiert, hatte den Gästen kaum Luft zum Atmen gelassen. Und er hatte hoch verdient mit 2:0 in Führung gelegen. Sie war wieder da, die Leichtfüßigkeit der Hinrunde. Keiner sprach mehr vom Bayern-Desaster. Die BVB-Fans genossen den Moment.

„Wir waren am Limit“

Doch dann kippte alles. Der Borussia rann die Spielkontrolle durch die Finger, nach vorn ging fast nichts mehr. Irgendwie erinnerte dieser Abend an die bittere Nacht in Wembley gegen Tottenham. Auch dort, Mitte Februar, hatte der BVB stark begonnen, seine Qualität beherzt auf den Rasen gebracht. Und war dann nach der Pause jäh eingebrochen. Tottenham hatte Dortmunds Systemabsturz damals zu drei Treffern genutzt.

Am Samstag kam der BVB glimpflich davon. Weil es Mainz an Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mangelte. Weil die Borussia diesmal kräftig Glück hatte. Und weil Roman Bürki Glanztaten in Serie lieferte. „Wir waren am Limit“, gestand Lucien Favre. Mainz hätte es allein dank einer couragierten zweiten Halbzeit beinahe geschafft, einen Punkt zu entführen. Es wäre nicht einmal unverdient gewesen.

Steiniger Weg zur Meisterschaft

Es war eine Bilanz, die das Problem der Schwarzgelben einmal mehr aufdeckte: Statt voller Dynamik gefestigt in den Endspurt um den Meistertitel zu gehen, entpuppte sich das Team als fragiles Gebilde. Das einerseits Mühe hat, eine konzentrierte Leistung über die volle Spielzeit abzurufen. Das andererseits von einem Gegentor derart aus der Bahn geschleudert wird, dass man sich Sorgen machen muss.

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BVB-Pressekonferenz mit Lucien Favre und Sandro Schwarz

So wie die Borussia am Ende wackelte, wie sie sich quälte, wie sie im eigenen Stadion aus der blanken Not heraus mauern musste, wie sie Mainz auch physisch nicht mehr genug entgegen setzen konnte - so dürfte der Weg zur Schale womöglich zu steinig sein. Denn da warten bald noch ganz andere Kaliber im Endspurt. Wer reißt die Borussen aus ihrem Tal? Es war ein Sieg gegen Mainz, ja. Aber er fühlte sich nicht wirklich wie einer an.

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