Wann spielt der BVB wieder Fußball? Ein mögliches Szenario

Borussia Dortmund

Wann spielt Borussia Dortmund wieder Fußball? Und wird überhaupt noch gespielt in dieser Bundesliga-Saison? Ein mögliches BVB-Szenario.

Dortmund

, 16.03.2020, 16:59 Uhr / Lesedauer: 4 min
Wann beim BVB in der Bundesliga wieder der Ball rollt, ist völlig offen.

Wann beim BVB in der Bundesliga wieder der Ball rollt, ist völlig offen. © dpa

Nun wurde also getagt. Wie geht es weiter im deutschen Profifußball? Die 36 Profivereine aus der ersten und zweiten Liga haben in Frankfurt auf der DFL-Mitgliederversammlung die Köpfe zusammengesteckt und beraten, wie diese Spielzeit in Zeiten des Coronavirus noch zu Ende gespielt, ob sie überhaupt irgendwie zu Ende gespielt werden kann. Es war eine Krisensitzung, nichts anderes, schließlich steckt der deutsche Fußball „in der größten Krise in der Geschichte des deutschen Fußballs“, wie es BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ausdrückt.

BVB-Boss Watzke: Größten Krise des deutschen Fußballs

Das große Problem der Vereine ist, dass es um sehr viel Geld geht. In der Summe drohen über 750 Millionen Euro aus TV-Erlösen, Sponsorengeldern und Ticket-Einnahmen wegzubrechen. Das ist freilich deutlich unwichtiger als die Gesundheit jedes Einzelnen in diesem Land, aber es ist zumindest so gravierend, dass gleich mehrere Klubs aus der ersten und zweiten Liga in Existenznöte geraten werden, wenn nicht weitergespielt wird. Daher ist es der sehnliche Wunsch der Verantwortlichen, die restlichen neun Spieltage irgendwie stattfinden zu lassen.

„Es steht mehr auf dem Spiel als nur ein paar Fußballspieler auf dem Platz“, sagt Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball Liga - und verweist auf die rund 56.000 direkt und indirekt Beschäftigten in der ersten und zweiten Liga. Es gehe, so Seiferts klare Botschaft am Montag, um die erste und zweite Liga, wie die Fans sie seit Jahren kennen würden. Und darum, ob diese beiden Ligen samt ihrer Klubs auch weiterhin so bestehen könnten.

Für die Bundesliga geht es um Finanzen und Existenzen

Doch wie kann ein mögliches Szenario aussehen, dass die Existenz der Klubs retten soll? Wann muss der Spielbetrieb, der aktuell erst einmal bis zum 2. April ruht, fortgesetzt werden, um die Saison vor dem Auslaufen vieler Spieler- und Trainerverträge am 30. Juni zu Ende gespielt zu bekommen?

Eines steht laut Watzke bereits fest: „Wenn wir in dieser Saison noch einmal spielen, dann werden es Geisterspiele sein, das ist völlig klar“, sagt der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung. Dieses gespenstische Szenario ist den Verantwortlichen der Klubs allerdings immer noch deutlich lieber als ein vorzeitiges Saisonende, denn, so erklärt es Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge: „Im Profi-Fußball geht es am Ende des Tages auch um Finanzen.“ Und mittlerweile wohl auch um Existenzen.

Der wirtschaftliche Druck auf die Bundesliga-Klubs ist immens

Dabei gilt es eigentlich längst als ausgemacht, dass es ab dem 3. April noch nicht weitergehen kann in der Bundesliga. Die Stadt Berlin, mit Hertha BSC und Union Berlin immerhin mit zwei Vereinen im deutschen Fußball-Oberhaus vertreten, hat bis zum 19. April jegliche Benutzung von Sportanlagen untersagt. Die Profi-Mannschaften dürfen lediglich dank einer Ausnahmeregelung trainieren. Auch in Nordrhein-Westfalen hat die Landesregierung am vergangenen Wochenende „nahezu alle Freizeit-, Sport-, Unterhaltungs- und Bildungsangebote im Land“ eingestellt. Dazu würden eigentlich auch Bundesliga-Spiele zählen. In der letzten März-Woche werden die DFL-Vereine erneut tagen und über eine mögliche Fortsetzung des Ligabetriebs beraten.

Die zentrale Frage wird bleiben: Wann kann es weitergehen? Oder besser: Wann muss es spätestens weitergehen? Die DFL sucht mehr oder weniger verzweifelt nach einem Tag X, an dem - ohne Zuschauer, aber dafür vor Fernsehkameras - wieder gespielt werden kann. Dieser Tag X soll in so naher Zukunft liegen, „dass ihn alle Vereine noch erreichen“, sagt Seifert. Der wirtschaftliche Druck, das ist spätestens seit Montag offensichtlich, ist immens, auch wenn die „Priorität A, B und C darauf liegt, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen“, wie Seifert erklärt.

Der „Kicker“ berichtet in seiner Montagsausgabe davon, dass das erste Mai-Wochenende der späteste mögliche Zeitpunkt für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wäre, um bis zum 30. Juni alle Wettbewerbe (1. und 2. Liga inklusive der Relegationsspiele, DFB-Pokal, Champions League, Europa League) beenden zu können, vorausgesetzt natürlich, die Europameisterschaft wird am Dienstag wie erwartet in den kommenden Winter oder in den Sommer 2021 verschoben.

BVB würde die Saison mit dem Derby gegen Schalke fortsetzen

Für den BVB würde dieses Szenario, dass zum jetzigen Zeitpunkt selbstverständlich nur spekulativ sein kann, bedeuten, dass er den Spielbetrieb am 2. Mai mit dem Derby gegen den FC Schalke 04 wieder aufnehmen - und die Saison am 20. Juni mit dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 34. Spieltag beschließen würde. Da die Mannschaft von Trainer Lucien Favre aus DFB-Pokal und Champions League bereits ausgeschieden ist, stünde nur eine Englische Woche auf dem Spielplan: Am 5. oder 6. Mai ginge es unter der Woche nach Wolfsburg, die restlichen Spielen würden am Wochenende stattfinden.


So sähe ein möglicher BVB-Spielplan aus:

  • 02./03. Mai, 26. Spieltag: Borussia Dortmund - FC Schalke 04
  • 05./06. Mai, 27. Spieltag: VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund
  • 09./10. Mai, 28. Spieltag: Borussia Dortmund - Bayern München
  • 16./17. Mai, 29. Spieltag: SC Paderborn - Borussia Dortmund
  • 23./24. Mai, 30. Spieltag: Borussia Dortmund - Hertha BSC
  • 30./31. Mai, 31. Spieltag: Fortuna Düsseldorf - Borussia Dortmund
  • 06./07. Juni, 32. Spieltag: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05
  • 13. Juni, 33. Spieltag: RB Leipzig - Borussia Dortmund
  • 20. Juni, 34. Spieltag: Borussia Dortmund - TSG 1899 Hoffenheim


Ob es wirklich so kommt, werden die kommenden Wochen zeigen. Die Frage nach der Halbwertszeit der Entscheidungen, die auf der DFL-Mitgliederversammlung am Montag getroffen worden sind, stellt sich unweigerlich. Allein ein Blick in die vergangene Woche zeigt, wie schnell Entscheidungen in Zeiten des Coronavirus hinfällig werden können.

Reguläres Saisonende brächte sportlich aussagekräftige Ergebnisse

Ein „reguläres Ende“ der Saison mit zeitlichem Versatz aber hätte nicht nur finanzielle Vorteile für die DFL und ihre Klubs. Es gäbe vor allem auch sportlich aussagekräftige Ergebnisse, die über Meisterschaft, Europapokal-Startplätze, Abstieg und Aufstieg entscheiden würden. Bei Abbruch oder Annullierung der laufenden Spielzeit wären all diese Fragen derzeit völlig ungeklärt. Es würde auch dabei um sehr viel Geld gehen - und einmal mehr um Existenzen.

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