Warum die Beförderung von Lars Ricken beim BVB ein logischer Schritt ist

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Der BVB befördert Lars Ricken zum Direktor Nachwuchsleistungszentrum. Den Aufstieg hat sich das Urgestein von Borussia Dortmund verdient. Er hat einiges vorangebracht.

Dortmund

, 10.11.2020, 19:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lars Ricken ist bei Borussia Dortmund in den Rang des Direktors Nachwuchsleistungszentrum aufgestiegen. Es ist die Belohnung für die kontinuierliche Entwicklung und Professionalisierung der Nachwuchsarbeit unter seiner Führung. Ein Porträt.

Lars Ricken und sein wohl bestes BVB-Spiel: „Ricken, lupfen, jetzt!“

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Natürlich wird der Name Lars Ricken für viele fast ausschließlich mit diesem einen Spiel verbunden bleiben. Finale der Champions League am 28. Mai 1997, der BVB trifft in München auf Juventus Turin. 2:1 heißt es für den BVB, als Trainer Ottmar Hitzfeld Ricken zur Seitenlinie holt. 20 Jahre jung, Borussia Dortmunds größtes Talent in dieser Zeit, der schon mit 17 für die Borussia in der Bundesliga debütierte. Ricken ersetzt Stephane Chapuisat, und kaum 60 Sekunden später rennt er schon wieder vom Feld über die Seitenauslinie. Verfolgt von einem Schwarm aus Spielern in schwarzgelben Trikots und allen, die auf der Ersatzbank gesehen hatten, wie dieser 20-Jährige aus 35 Metern mit einem beherzten Lupfer über den gegnerischen Torhüter hinweg das Finale der Königsklasse entschied. Ein Treffer, der später von den Fans zum „BVB-Tor des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

„Ricken, lupfen, jetzt!“ Dieser Satz des Fußball-Kommentators Marcel Reif hat Berühmtheit erlangt wie 16 Jahre später das lang gezogene „Mach ihn, er macht ihn, Mario Gööötzzee“ von ARD-Mann Tom Bartels beim WM-Finale in Rio. Das Tor von München macht Lars Ricken zu einer schwarzgelben Legende, auch wenn es in seiner Karriere danach nicht nur bergauf ging – eine Parallele zu Götze übrigens. Aber das ist eine andere Geschichte.

Direktor Nachwuchsleistungszentrum: Borussia Dortmund hat Lars Ricken befördert

Am Dienstag hat Borussia Dortmund Ricken befördert. „Direktor Nachwuchsleistungszentrum“ wird nun auf seiner Visitenkarte stehen, zusätzlich zum Posten des Nachwuchskoordinators, den er behält. Sein Vertrag wurde bis zum 30. Juni 2025 verlängert. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nennt diesen Schritt „ein Zeichen unserer Wertschätzung. Gleichzeitig tragen wir der gestiegenen Entwicklung der Nachwuchsleistungszentren Rechnung.“ Ricken selbst sagt im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten: „Wir haben die Bezeichnung der Arbeitsrealität angepasst.“ Relativ nüchtern klingt das, aber natürlich, sagt der 44-Jährige, „freut mich dieser Schritt. Nicht nur für mich, sondern er ist auch eine Belohnung für die ganze Abteilung, in der alle Mitarbeiter mit großer Leidenschaft und Identifikation für Borussia Dortmund arbeiten.“

Diese Abteilung ist mittlerweile die größte im ganzen Verein. Stetig gewachsen über die zwölf Jahre, in denen Ricken nun als Nachwuchskoordinator wirkt und die Verantwortung hat für einen Bereich, in dem Talente entdeckt, gefördert, entwickelt und im Idealfall dann an die Profis übergeben werden. Das ist ein Prozess, der akribische Arbeit, ein gutes Gespür, Glück und Geduld erfordert. Angefangen hat er 2008, da war Lars Ricken noch Stand-by-Profi bei Jürgen Klopp, spielte in der U23 und absolvierte ein Trainee-Programm auf der Geschäftsstelle. Als Edwin Boekamp als Co-Trainer von Michael Skibbe zu Galatasaray Istanbul wechselt, wird der Posten des Jugend-Koordinators frei. Ricken springt ins kalte Wasser.

Ricken hat das BVB-Nachwuchsleistungszentrum vorangebracht

Der gestiegenen Bedeutung der Nachwuchsleistungszentren (NLZ), die alle deutschen Profiklubs seit 2001 verpflichtend unterhalten müssen, hat der BVB unter der Führung Rickens mit einer stetigen Professionalisierung Rechnung getragen. Physiotherapeuten, Video-Analysten, Reha-Spezialisten, ein ausgeweiteter Trainerstab – die Zahl der Mitarbeiter rund um die U-Teams des Vereins ist stetig gewachsen. 22 Plätze bietet heute das Jugendhaus, in dem die Talente wohnen. Als er anfing, waren es zwölf.

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Ricken versteht seine Abteilung und seine Arbeit als „wichtigen Teil der Gesamtstrategie des Klubs.“ Im Idealfall schicken die U19-Trainer ihre besten Talente dann zu den Dortmunder Profis, doch auch wer den Weg dorthin nicht schaffe, sei keinesfalls gescheitert. Etliche landen über Umwege in der Bundesliga, viele weitere in der 2. Liga. „Und bestimmt 15 bis 20 ehemalige NLZ-Mitarbeiter arbeiten heute im Profibereich.“ Sechs Meistertitel hat der BVB-Nachwuchs unter dem Nachwuchskoordinator Lars Ricken errungen. Das ist der messbare Teil der Arbeit, ebenso wie die Spieler, die es im BVB zu den Profis geschafft haben. Christian Pulisic, Jacob Bruun Larsen, Gio Reyna, bald auch Youssouffa Moukoko, das wohl größte Talent seit Mario Götze. „Wir haben Werte geschaffen“, sagt Ricken nicht ohne Stolz. „Das bleibt unser Anspruch.“

Borussia Dortmund verlängert den Vertrag mit Lars Ricken

Mindestens für fünf weitere Jahre wird die Arbeit mit Ricken an der Spitze weitergehen. Die Bedeutung der Leistungszentren werde in den kommenden Jahren weiter zunehmen, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Daher freue es ihn besonders, an der Spitze jemanden zu haben, „der über eine hohe Identifikation mit dem BVB verfügt und diese vorlebt.“

„Jungen Menschen zu helfen“ sei eine stetige Motivation für den Job, sagt Ricken, einen Großteil seiner Arbeitskraft nehmen heute die Gespräche mit Spielern, deren Eltern und Beratern ein. Dort vermittelt er den vielleicht künftigen Profis, dass Borussia Dortmund mehr leisten möchte, als „die Spieler zu den bestmöglichen Fußballern auszubilden, die sie sein können“, sagt Ricken. „Es geht auch um Persönlichkeitsentwicklung. Wir wollen die Rahmenbedingungen schaffen, dass aus ihnen eigenständig handelnde Menschen werden.“

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