Warum Raphael Guerreiro als Linksverteidiger so wertvoll ist für den BVB

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Für die Partien gegen Leverkusen und Barcelona holte Lucien Favre den Linksverteidiger Raphael Guerreiro aus der Mottenkiste. Der BVB schöpft daraus einen entscheidenden Vorteil.

Dortmund

, 19.09.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die offizielle Bestätigung der Unterschrift unter ein neues Arbeitspapier fehlt zwar immer noch, doch wenn sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc so weit aus dem Fenster lehnt wie er es am Donnerstag vor dem wichtigen Dortmunder Heimspiel gegen Bayer Leverkusen tat, wird der Deal nicht mehr scheitern. Zorc verkündete die Einigung mit Raphael Guerreiro über eine Ausdehnung der Zusammenarbeit bis 2023 nicht ohne Stolz.

Monatelanges Tauziehen um Guerreiro findet ein Ende

Dem „generellen Agreement“, wie Zorc es nannte, war ein monatelanges Tauziehen um die Zukunft des 23-Jährigen vorausgegangen, bei dem die Borussia lange wie der Verlierer aussah.

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Es war der Personalnot geschuldet, dass Lucien Favre in den Heimspielen gegen die Werkself und den spanischen Meister Guerreiro wieder als Linksverteidiger aufbot. Nico Schulz fehlte verletzt, Achraf Hakimi, sein nomineller Backup, wurde rechts gebraucht, weil auch Lukasz Piszczek nicht zur Verfügung stand. Marcel Schmelzer stand trotz des Engpasses gegen Barcelona nicht einmal im Kader – der 31-Jährige, eine andere Deutung lässt die Personalie kaum zu, genießt offenbar nicht mehr das Vertrauen des Schweizers.

Guerreiro spielte beim BVB nur 19 Mal hinten links

Favre erinnerte sich stattdessen an Guerreiro. In gut drei Jahren BVB hat er nicht allzu oft auf der Position gespielt, auf der er beim FC Lorient zu Hause war und auf der er auch in der portugiesischen Nationalmannschaft konstant spielt. 19 Partien bestritt Guerreiro im BVB-Trikot als Linksverteidiger, nur, muss man sagen.

Warum Raphael Guerreiro als Linksverteidiger so wertvoll ist für den BVB

Raphael Guerreiro und die BVB-Defensive hielt auch Lionel Messi in Schach. © imago

Thomas Tuchel lernte schon früh Guerreiros Qualitäten im Offensivbereich zu schätzen. Der Portugiese kann beide Außenbahnen und in einem 4-3-3 sogar als Linksaußen spielen. Favre setzte ihn in der vergangenen Spielzeit in den letzten drei Partien hinten links ein – auch damals machte er damit aus der Not eine Tugend.

Lob von Hummels: „Bestimmt zehn Pressing-Situationen aufgelöst“

Guerreiros Auftritte gegen Leverkusen und Barcelona aber bringen ihn nun auch wieder als Dauer-Lösung hinten links ins Gespräch. Nach auskurierter kleinerer Verletzung und beendetem Transferpoker spielte Guerreiro frei und groß auf. Mats Hummels, der als linker Manndecker direkt neben ihm verteidigt, lobte den 23-Jährigen nach den zwei sehr ordentlichen Partien über den grünen Klee. „Rapha“, meinte Hummels nach dem 0:0 am Dienstag, „hat für uns heute bestimmt zehn Pressing-Situationen aufgelöst. Das hilft uns als Mannschaft sehr.“

Guerreiros technische Fähigkeiten, gepaart mit einer großen Ruhe am Ball, die er auch in Drucksituationen nicht verliert, und sein gutes Auge gestatteten der Borussia gegen Barcelona, viele Situationen von hinten heraus spielerisch zu lösen. Lange Bälle als Aufbau- oder Befreiungsschlag sieht man von ihm selten. Sein Gespür für freie Räume und Mitspieler macht ihn zu einem Ausnahmespieler, dessen Qualität nicht allzu oft im Kader zu finden ist.

Lucien Favre hat Guerreiro wieder in die Spur bekommen

Guerreiros langes Zögern vor der erlösenden Entscheidung, seine nähere Zukunft nun doch in einem schwarzgelben Fußball-Outfit zu verbringen, hinterlässt trotz der skurrilen Umstände keinen faden Beigeschmack. Guerreiro kommt zugute, dass er mit offenen Karten gespielt hat, dass er die Gespräche mit dem BVB beendet hat, als er die Chance sah, zurück nach Frankreich (Paris) oder nach Spanien (FC Barcelona) zu gehen. Dass sich die Pläne doch nicht konkretisierten, hing nicht mit einem gesunkenen Interesse zusammen.

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Seine Vielseitigkeit macht Raphael Guerreiro zu einem besonderen Spieler. Favre ist einer der größten Befürworter der Vertragsverlängerung, er hat den 23-Jährigen wieder in die Spur bekommen, nachdem sein zweites BVB-Jahr mit einer Knöcheloperation begann und von vielen muskulären Problemen während der Saison geprägt war.

Darum sind die Muskelbeschwerden des Portugiesen weniger geworden

Seit auch Sebastian Kehl in seiner neuen Position als Lizenzspieler-Leiter den kleinen Dribbler daran erinnerte, dass zu einer professionellen Berufsauffassung auch eine entsprechende Ernährung gehört, sind die Muskelverletzungen weniger geworden. Guerreiro wirkt fitter. Und immer, wenn er fit war, war er sofort wieder wichtig für Borussia Dortmund.

Für Nico Schulz hat sich die Fußverletzung, an der er weiter laboriert, als nicht förderlich für sein Standing erwiesen. Der Sommer-Neuzugang von der TSG 1899 Hoffenheim hat plötzlich in Raphael Guerreiro einen Positionskonkurrenten mehr im Team.

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