Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

rnBVB-Analyse

Fünf Punkte hat der BVB in der Bundesliga bislang liegen gelassen. Danach wurde über Mentalität gesprochen, doch das ist nicht messbar. Laufdaten sind es schon und zeigen Besonderheiten.

Dortmund

, 26.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wort Mentalität ist in diesen Tagen in aller Munde, wenn es um Borussia Dortmund geht. BVB-Kapitän Marco Reus geht es, das weiß seit Sonntagabend ganz Deutschland, „so auf die Eier“.

Trainer Lucien Favre hält es, um es vorsichtig auszudrücken, für überschätzt. Der Schweizer sieht andere Gründe für die Tatsache, dass seine Mannschaft an den ersten fünf Bundesliga-Spieltagen beim 1:3 gegen Union Berlin und beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt schon zweimal Punkte liegen gelassen hat. Favre nennt die schwache Chancenverwertung als Ursache, schlechte „vorletzte und letzte Aktionen“, bemängelt immer wieder fehlende „Geduld“ und zu viel „Hektik“ im Spiel des BVB. Mit Mentalität jedenfalls habe es „nichts zu tun“.

Der BVB läuft in bisher in allen Spielen weniger als der Gegner

Über die Laufleistung seines Teams und der gegnerischen Mannschaften hat Favre erst ein einziges Mal gesprochen. Ganz kurz nur. In Berlin attestierte er Union, dass die Eisernen „sehr viel“ gelaufen seien, was zweifellos stimmte. Ansonsten ging dieses Thema im Zuge der Debatte um vermeintlich fehlende Mentalität und fehlende Emotionalität im schwarzgelben Lager ziemlich unter.

Dabei scheint eine hohe Laufbereitschaft eine der Grundvoraussetzungen zu sein, um auf dem Fußballplatz gegen Borussia Dortmund erfolgreich sein zu können. Beim Blick in die Laufdaten fällt auf, dass der BVB in allen Spielen dieser Bundesliga-Saison weniger Kilometer abspulte als der Gegner.

Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

Im teaminternen Vergleich schneidet Marco Reus bisher am besten ab. © deltatre

Die beiden Mannschaften, die am meisten rannten, um sich gegen die Schwarzgelben zur Wehr zu setzen, gingen am Ende mit Punkten vom Rasen. Zudem war der Unterschied zwischen der Laufleistung des BVB und der des Gegners ausgerechnet in diesen beiden Spielen am größten.

Union Berlin lief über sieben Kilometer mehr als der BVB

Eintracht Frankfurt lief am vergangenen Sonntag 115,4 Kilometer, 4,9 Kilometer mehr als Reus und seine Teamkollegen (110,5) – und wurde dafür mit einem Punkt belohnt. Union Berlin brachte am dritten Spieltag beeindruckende 126,4 Kilometer aufs Feld und damit sogar 7,2 Kilometer mehr als der BVB (119,2). Am Ende jubelte Union über den ersten Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte.

Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

Der BVB sprintete gegen Union Berlin zwar häufiger, spulte aber weniger Kilometer ab. © deltatre

In den drei Partien, in denen der BVB als Sieger vom Platz ging, liefen die Schwarzgelben zwar ebenfalls weniger als der Gegner, aber die Unterschiede in den Laufleistungen waren deutlich geringer. Beim 5:1 gegen den FC Augsburg waren es 2,5 Kilometer Unterschied (110,6 zu 113,1 Kilometer), beim 3:1 gegen den 1. FC Köln 0,7 Kilometer (114,4 zu 115,1) und beim 4:0 gegen Bayer Leverkusen 2,2 Kilometer (112,9 zu 115,1).

Die Bayern liegen in der Lauftabelle nur auf Rang zwölf

Nun ist die Laufleistung allein freilich nicht hauptverantwortlich dafür, ob ein Spiel gewonnen oder verloren wird. In der Lauftabelle der Bundesliga rangiert der SC Paderborn (582,8 Kilometer) beispielsweise auf Platz vier hinter Bayer Leverkusen (596,1), VfL Wolfsburg (592) und RB Leipzig (585,5) – und hat im echten Leben trotzdem gerade einmal einen Punkt gesammelt.

Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

Laufdistanz alleine ist nicht ausschlaggebend. © deltatre

Der BVB, mit zehn Punkten Dritter des Bundesliga-Tableaus, belegt mit 567,5 abgespulten Kilometern an den ersten fünf Spieltagen Rang neun in der Lauftabelle, der FC Bayern München (563,8) nur Platz zwölf, rangiert mit elf Punkten in der Liga aber auf Platz zwei hinter Tabellenführer Leipzig.

Was trotzdem auffällt, ist, dass gegen den BVB in der Bundesliga besonders viel läuferischer Einsatz gezeigt wird. Sowohl der 1. FC Köln als auch Union Berlin und Eintracht Frankfurt erreichten in ihren Partien gegen Borussia Dortmund ihre bisherigen Höchstwerte in puncto Laufpensum in dieser Spielzeit.

Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

Sprinter unter sich: Jadon Sancho und Filip Kostic duellierten sich häufig. © imago images/HJS

Das mag zum einen daran liegen, dass sie weniger und kürzere Ballbesitzphasen hatten, zum anderen aber vielleicht auch daran, dass es offensichtlich zusätzliche Kräfte freisetzte, gegen den hochgehandelten Meisterschaftsaspiranten zu spielen. In allen drei Spielen tat sich Borussia Dortmund schwer, ließ sich mitunter sogar den Schneid abkaufen.

Bei den Sprints ist der BVB oben dabei

Der BVB, der in der Liga bislang übrigens die fünftmeisten Sprints (1100) anzog und die elftmeisten intensiven Läufe (3097) absolvierte, wird sich also wohl darauf einstellen müssen, dass seine Gegner Fußball auch zukünftig vor allem als Laufsport betrachten werden.

Was bei den Punktverlusten des BVB in dieser Saison auffällt

Bei den Sprints liegt der BVB hinter Schalke, Wolfsburg, Leverkusen und Bayern auf Rang fünf. © deltatre

Die Frage, die Lucien Favres Spieler für sich beantworten müssen, lautet, wie viel Laufbereitschaft sie dann entgegenzusetzen haben – ganz unabhängig davon, ob das eine Frage der Mentalität oder der Kondition ist.

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