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BVB-II-Trainer: Meine Aufgabe ist noch nicht beendet

rnSiewert blickt zurück auf schwierige Saison

Die Zweitvertretung des BVB hat eine schwierige Saison hinter sich. U23-Trainer Jan Siewert spricht im großen Interview über Jugendspieler, Neuzugänge und ein Angebot aus England.

Dortmund

, 21.05.2018 / Lesedauer: 7 min

Jan Siewert, am Anfang der Saison gab es einen neuen Trainer, die Mannschaft legte los wie die Feuerwehr, am Ende holte sie 55 Punkte bei 15 Siegen, zehn Unentschieden und neun Niederlagen und rutschte am letzten Spieltag noch auf Platz 4. Wie beurteilen Sie die Saison der Profis?

(lacht) Ich bin froh, dass es die Profis in die Champions League geschafft haben, hatte aber sonst vor allem mein Ziel vor Augen, vielleicht schon in dieser Saison einen Spieler zu den Profis zu bekommen. Das ist leider in diesem Jahr nicht gelungen.


Es gab bei den Profis wenig Kontinuität auf der Trainerposition. Die würde bei ihrem Ziel helfen, oder?

Ja, ich glaube schon. Jeder Trainer handhabt die Zusammenarbeit mit einer U23 unterschiedlich. Ich bin gespannt, wer der neue Trainer wird und freue mich auf die Zusammenarbeit. Jeder engere Kontakt zu den Profis ermöglicht es uns, unserem Ziel näher zu kommen.


Wie fällt das Fazit der U23-Saison aus?

Positiv. Sehr positiv wäre sie gewesen, wenn wir es geschafft hätten, einen Spieler bei den Profis zu etablieren. Das bleibt das Ziel. Äußerst positiv wäre sie gewesen, wenn wir noch länger an Uerdingen und Viktoria Köln hätten dranbleiben können. Aber wir haben die U23 vor der Saison neu aufgestellt. Die Ausbildung von Talenten steht im Vordergrund, wir wollen aber auch gute Ergebnisse erzielen. Das ist uns gut gelungen. Mit dem Tabellenplatz bin ich zufrieden, weil wir vor der Saison gar nicht wussten, wo wir stehen. Es ging darum, die neu zusammengestellte Mannschaft schnell in der Liga zu etablieren.


Das haben Sie geschafft. Was hat für ganz oben gefehlt?

Wir hatten die Torquote nicht, wie die Teams ganz oben. Deshalb ist der Anschluss dann irgendwann abgerissen.


Welcher Ihrer Spieler hat den größten Fortschritt gemacht?

Gute Frage. Da könnte ich einige nennen. Patrick Mainka und Michael Eberwein haben einen großen Schritt gemacht, aber den größten? Vielleicht David Sauerland. Der war bisher immer Mittelfeldspieler und hat fast alle Spiele als Außenverteidiger mit Bravour absolviert. Ich habe noch ein bisschen Hoffnung, dass er bei uns bleibt.

BVB-II-Trainer: Meine Aufgabe ist noch nicht beendet

BVB-II-Trainer Jan Siewert blickt zufrieden auf die Saison 17/18 zurück. © Groeger


Mainka war eine wichtige Stütze und geht nach Heidenheim. Eberwein wechselt zu Fortuna Köln. Weitere Spieler verlassen den Klub. Das sieht alles ein bisschen nach dem nächsten Umbruch aus, oder?

Ja, wir stehen vor einer großen Herausforderung. Mainka, Eberwein und Massimo Ornatelli - das war unsere Achse. Um Ornatelli herum müssen wir jetzt eine neue finden. Ich habe die Hoffnung, dass wir das relativ schnell schaffen, denn ein paar Zusagen haben wir ja schon. Mit Blick auf die U19-Spieler, die sich noch nicht klar geäußert haben, könnte es aber auch ein bisschen länger dauern.


Man hört bei U23-Teams häufig: „Das ist eine junge Truppe, die muss noch viel lernen.“ Das ist bei einer U23 ja ein latentes Problem, oder? Wie lehrt man Erfahrung?

Nur durch Spiele im Seniorenbereich, die es einem noch ermöglichen, Fehler zu machen. Es sind ein paar Jungs, die jetzt vielleicht noch den Gedanken haben, direkt weiterzuziehen in Richtung zweite oder dritte Liga oder sogar höher, aber unseren Jugendspielern würde es gut tun, erstmal ein Männerjahr zu machen, um zu sehen, was da eigentlich auf sie zukommt. Hier bei der U23 hat man natürlich ein anderes Vertrauen vom Trainer als im Profibereich, wo sofort auf Leistung und nur aufs Ergebnis gezielt wird. Wenn ich da nicht funktioniere, bin ich draußen. Bei einer U23 kann man sich Fehler noch eher erlauben, weil unser Fokus ist, die Jungs weiterzuentwickeln - immer vor dem Hintergrund, dass sie auch lernen müssen, Ergebnisse einzufahren.


Ärgern Sie sich eigentlich, wenn ihnen Talente wie David Kopacz kurz vor dem Übergang zu Ihnen vor der Nase weggeschnappt werden?

Was heißt ärgern? Es gehört zum Geschäft dazu. Ich glaube halt, dass den Jungs die Erfahrung gut tun würde.


Was hat Sie dann in diesem Jahr am meisten geärgert?

Die Pause zwischen Wattenscheid und dem nächsten Spiel der Rückrunde. Wir hatten nur drei Punkte Rückstand, aber zwei Spiele weniger. Wir kommen in Wattenscheid bombastisch rein, dann bricht sich Eberwein den Fuß und wir haben plötzlich drei Wochen Pause, in denen die anderen Teams weitergezogen sind und wir nicht nachlegen konnten. Da wussten wir: Jetzt wird es schwierig, weil wir nur noch spielen, regenerieren, spielen und keine Inhalte mehr setzen konnten. Wenn wir nach Wattenscheid direkt hätten weiterspielen können, wäre es uns - glaube ich - gelungen, an den routinierten Teams noch länger dranzubleiben.


Positiv ist, dass die Spieler, die dieses letzte halbe Jahr dabei waren und bleiben, schonmal den Champions-League-Rhythmus gelernt haben…

Mehr sogar! In der Champions League hast du vor dem nächsten Spiel zwischendurch auch mal eine Woche Pause - und das gab es bei uns nicht. Das war schon eine extreme Herausforderung und da muss ich auch ein Lob an unsere medizinische Abteilung aussprechen: Wir hatten nicht einen einzigen Muskelfaserriss.


Und was hat Sie in dieser Saison am meisten gefreut?

Dass wir es geschafft haben, eine Mannschaft, die so spät zusammengestellt wurde, im oberen Tabellendrittel zu etablieren in einer Liga, die viele von außen unterschätzen.

Wird die Regionalliga West unterschätzt?

Ja, definitiv. Das merkt man immer, wenn man mit Spielern spricht, die schonmal höher gespielt haben. Vangelis Pavlidis zum Beispiel, der hat zwei Zweitligaspiele, sagt aber trotzdem: “Trainer, das ist ja eine richtige Aufgabe hier!” In Aachen zu spielen, in Essen, das sind Erfahrungen, die man erstmal machen muss. Es ist etwas gänzlich anderes im Seniorenfußball, das muss man erstmal verstehen und dann auch annehmen.


Einige Spieler wurden beim letzten Saisonspiel gegen Bonn verabschiedet, auch Jonas Arweiler und Paterson Chato. Warum hat’s für die beiden nicht gereicht? Chato war immerhin Stammspieler in der Rückrunde.

Das sind natürlich immer auch Entscheidungen von beiden Seiten. Bei Paterson war es so, dass er nur einen Ein-Jahres-Vertrag gehabt hat und Spieler aus unserer U19 zu uns stoßen, die auf seiner Position spielen können. Ich schätze ihn sportlich und menschlich sehr, aber es ist die bessere Entscheidung für ihn, dass er jetzt den nächsten Schritt macht, da waren wir uns einig.


Und Jonas Arweiler?

Bei ihm ist es so, dass er eine ganz schwierige Phase durch seine lange Ausfallzeit bei uns hatte. Weil sein Vertrag ausläuft, hat er natürlich auch selbst geguckt, wie es weitergeht. Für ihn ist ein Tapetenwechsel sicher ganz gut, damit er aus dem U23-Alter rauskommt und in den Männerfußball geht. Ich bin mir sicher, dass er sich da durchsetzen wird.


Viele Abgänge, hohe Fluktuation. Nervt das?

Was heißt nerven? Ich freue mich für jeden, der seinen Schritt macht. Wir haben im Winter drei Spieler in die zweite Liga abgegeben, obwohl wir in der Spitzengruppe vertreten waren. Das war ein deutliches Signal. Es überwiegt der Stolz, dass die Arbeit, die wir leisten, gesehen wird. Mein Wunsch ist es aber, dass ein Spieler aus unserer U23-Mannschaft es schafft, sich im Profikader zu etablieren.

Es ist also nicht nervig, es ist meine Aufgabe und die nehme ich an.


Sie hätten zur neuen Saison bei den Queens Park Rangers in der 2. englischen Liga anheuern können. Warum haben Sie das nicht gemacht?

Meine Aufgabe ist hier noch nicht beendet und ich erfahre hier eine große Wertschätzung. Wenn ein Verein wie Borussia Dortmund Vertrauen in meine Arbeit setzt, dann sollte man dafür dankbar und nicht auf schnelle Erfolge aus sein. Meine Familie und ich fühlen uns pudelwohl in Dortmund und beim Verein.


Können Sie das genauer erklären?

Die Menschen im Verein, meine Spieler, das Funktionsteam, Ingo Preuß, alle, mit denen ich täglich zusammenarbeiten darf, das macht mir unheimlich viel Spaß. Darauf hatte ich weiter Lust und ich bin froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe.


Ist England gar kein Ziel?

Ich bin jedenfalls nicht nach Dortmund gewechselt, weil ich gesagt hab, dass ich dann nächstes Jahr nach England gehe. Ich konzentriere mich aktuell voll und ganz auf meine Aufgabe, die Spieler weiterzuentwickeln, was mir äußerst viel Freude bereitet.

BVB-II-Trainer: Meine Aufgabe ist noch nicht beendet

Jan Siewert (M.) setzt auch in der kommenden Saison auf Massimo Ornatelli als Führungsspieler. © Groeger


Dann werfen wir einen Blick auf die kommende Saison. Offensiv haben Sie mit Leon Burggraf und Kempes Tekiela schon richtig zugeschlagen…

Tore haben uns ja ein bisschen gefehlt in dieser Saison, da wollen wir natürlich drauf reagieren und Leute holen, die von sich aus sagen: Für den BVB II reißen wir uns den Allerwertesten auf. Leon ist ein galliger Junge, der sich hier beweisen kann. Tekiela wohnt zwei Minuten vom Trainingsgelände entfernt und das finde ich schonmal großartig, weil ich finde, es gibt in einer Stadt wie Dortmund immer gute Fußballer.


Sie beobachten also auch den Dortmunder Amateurfußball?

Was ich sagen kann, ist, dass ich alles im Blick habe. Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen. (lacht)


Mit Rizzo, Bajner, Pavlidis, Burggraf, Tekiela und den vielleicht zurückkehrenden Serra und Amenyido gibt es ein Überangebot an Stürmern, oder? Sehen wir in der kommenden Saison 120 Tore?

Das wäre schön. Kann auch sein, dass ich dann mit acht Stürmern und zwei Verteidigern spielen lasse. (lacht) Nein, da wird sich noch einiges tun. Jeder Spieler aus dem diesjährigen Kader bewertet die Saison auch persönlich für sich. Da muss man dann gucken, ob ein Weg weitergeht oder ob sich ein neuer auftut.


Wann steht der Kader fest?

Ich hoffe am 18. Juni zum Trainingsauftakt.


Können Sie bei so viel Fluktuation eigentlich entspannt Urlaub machen?

Ich habe tatsächlich zehn Tage, da wird das Handy dann auch ausgemacht. Aber bis dahin bin ich dauerhaft im Einsatz.

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