Wegen Hopp-Anfeindungen: BVB muss drei Jahre ohne Fans nach Hoffenheim

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Der BVB muss nach Informationen dieser Redaktion in den nächsten drei Jahren ohne die Unterstützung seiner Fans bei der TSG Hoffenheim antreten. Die Hintergründe.

Dortmund

, 20.02.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Herbst 2018 stand der BVB nach einem Urteil des DFB-Sportgerichts wegen des Fehlverhaltens seiner Fans unter Bewährung. Gegen die Auflagen - keine neuen einschlägigen Vorfälle aus dem Dortmunder Block in Richtung TSG-Mäzen Dietmar Hopp - verstießen Dortmunder Anhänger beim letzten Bundesliga-Spiel vor der Winterpause am 20. Dezember.

Dreijährige Blocksperre für den BVB und 60.000 Euro Geldstrafe

Als Konsequenz muss der BVB eine Blocksperre für drei Jahre hinnehmen und 60.000 Euro Geldstrafe zahlen. Mit dem rechtskräftigen Urteil durch den Deutschen Fußballbund ist in den nächsten Tagen zu rechnen.

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Auf Plakaten, die im Dezember im BVB-Block hochgehalten wurden, hieß es konkret: „Hopp, wir scheißen auf dich“, „auf dein Geld“, „auf deine Anzeigen“, „und auf die nächsten Jahre“. Wohl unstrittig geschmacklos: Auf einem Transparent wurde dem 79-Jährigen SAP-Gründer und Milliardär das letzte Weihnachten gewünscht. Außerdem wurde er wie vielmals zuvor als „Hurensohn“ beleidigt.

BVB-Fans stimmen „Nie wieder Hoffenheim“ an

Borussia Dortmund hatte seine Fans in den Tagen zuvor ins Gebet genommen: „Verbale und nonverbale Beleidigungen im Gästebereich, die mit den Beleidigungen bei dem Spiel in der Vorsaison vergleichbar sind, würden zu einer Aufhebung der Bewährung führen. Der Gästebereich wäre dann bei den nächsten drei Spielen des BVB in Hoffenheim gesperrt.“ Doch zu einer Beruhigung der Atmosphäre trug auch diese Aufforderung nicht bei. In Hoffenheim stimmten Fans höhnisch den Gesang „Nie wieder Hoffenheim“ an.

Inzwischen hat sich der Kontrollausschuss, die Anklageinstanz beim DFB, mit dem Fall befasst. Der Entschluss, wegen des offensichtlichen Verstoßes gegen die Auflagen die Bewährung zu widerrufen und die Auswärts-Blocksperre für drei Jahre in Kraft zu setzen, wird in DFB-Kreisen als „nur konsequent“ angesehen.

Einspruch des BVB ist aussichtslos, die Beweislage erdrückend

Borussia Dortmund hat den Strafantrag inklusive Frist zur Rückmeldung in diesen Tagen auf dem Tisch liegen. Nach Informationen dieser Redaktion wird der Verein keinen Einspruch einlegen. Das sei aussichtslos, die Beweislage erdrückend. Damit wäre die Sanktion so gut wie rechtskräftig, eine mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht entfiele.

Die (sport-)juristischen und atmosphärischen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Dortmunder Fanszene und der TSG Hoffenheim mit ihrem Mäzen Dietmar Hopp haben sich in den vergangenen zwei Jahren wieder hochgeschaukelt.

Die (sport-)juristischen und atmosphärischen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Dortmunder Fanszene und der TSG Hoffenheim mit ihrem Mäzen Dietmar Hopp haben sich in den vergangenen zwei Jahren wieder hochgeschaukelt. © imago / Jan Huebner

Die (sport-)juristischen und atmosphärischen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Dortmunder Fanszene und der TSG Hoffenheim mit ihrem Mäzen Dietmar Hopp hatten sich in den vergangenen zwei Jahren nach langer Zeit der Entspannung in einer Spirale aus Aktion und Reaktion wieder hochgeschaukelt.

Hopp stellte Dutzende Strafanzeigen gegen Privatpersonen

Hopp reagierte auf Beleidigungen zunehmend empfindlich und stellte Dutzende Strafanzeigen gegen Privatpersonen aus dem schwarzgelben Lager. Die Mehrzahl der Verfahren wurde umgehend oder gegen eine gemeinnützige Spende eingestellt, bei einigen Prozessen warten die Beteiligten auf einen Berufungstermin. Für das Spiel im Dezember hatte die TSG gegen 14 BVB-Fans ein Hausbetretungsverbot erteilt.

Der Ultra-Szene diente die vergiftete Atmosphäre als Anlass, die Schmähungen und Beleidigungen gegen Hopp sogar noch zu intensivieren. Hoffenheim steht für viele von ihnen sinnbildlich für die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball, seit die TSG dank der Finanzspritzen von Hopp aus dem Amateurfußball in die erweiterte Spitze der Bundesliga emporgestiegen ist.

BVB-Bewährung lief seit November 2018

Zwischenzeitlich entschuldigte sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für die Entgleisungen der Fans. Doch spätestens seit dem aus Hoffenheim vorgeschlagenen Punktabzug für Dortmund und weiteren komplizierteren Auseinandersetzungen ist das Arbeitsverhältnis zwischen 1899 und 1909 stark beschädigt.

Am 2. November 2018 hatte das DFB-Sportgericht Borussia Dortmund zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verdonnert und die besagte Sperre des Gästeblocks für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem musste der BVB ein Sicherheitskonzept erstellen, zusätzliche Ordner vorhalten. Größere Fahnen, Plakate und Banner sollten verboten sein.

Fans aus dem BVB-Block verstoßen massiv gegen die Auflagen

Hans E. Lorenz als Vorsitzender Richter erklärte: „Ziel des Urteils ist die Vermeidung von Wiederholungsfällen gegen die Person Dietmar Hopp. Es ist die Aufgabe von DFB und DFL, verdiente Persönlichkeiten des deutschen Fußballs vor derartigen Diskriminierungen zu schützen. Dazu sind auch die Vereine in die Pflicht zu nehmen.“

In zahlreichen Szenen beim Spiel in Hoffenheim verstießen dann einzelne Personen aus dem BVB-Block massiv gegen die Auflagen. Offenbar in Kenntnis der Umstände und billigend in Kauf nehmend, dass die Sportgerichtsbarkeit diesmal keine Hintertür mehr offen lassen würde.

Kollektivstrafe trifft den BVB in mehrerlei Hinsicht

Noch hält sich Borussia Dortmund offen, ob einzelne Täter identifiziert und haftbar gemacht werden sollen. In ähnlich gelagerten Fällen, etwa nach Geldstrafen wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, haben Bundesliga-Klubs die Rechnung an ihre eigenen Fans weitergereicht, das lässt die Rechtslage zu.

Der BVB muss der TSG Hoffenheim die ausgefallenen Einnahmen ersetzen.

Der BVB muss der TSG Hoffenheim die ausgefallenen Einnahmen ersetzen. © imago / Thomas Bielefeld

Die Kollektivstrafe, mit der die Borussen nun belegt werden, trifft den Klub in mehrerlei Hinsicht. Zum einen muss er der TSG Hoffenheim die ausgefallenen Einnahmen ersetzen, also mindestens die Summe aus dem entfallenden Kartenverkauf. Zum anderen erhält das Image der Dortmunder Fanszene und damit der Verein einen weiteren Kratzer.

Sperrung der Südtribüne im Februar 2017

Bereits im Februar 2017 musste der BVB die Sperrung der Südtribüne hinnehmen, nachdem es zuvor bei einem Spiel gegen RB Leipzig zu Übergriffen auf Gäste-Fans und Beleidigungen auf Plakaten gekommen war. Nun wird in den nächsten drei Jahren bei Auswärtsspielen des BVB in Sinsheim der Gästeblock frei bleiben. Zum nächsten Aufeinandertreffen der Klubs kommt es am letzten Spieltag dieser Saison am 16. Mai in Dortmund.

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