Wertvoll wie nie – BVB-Profi Raphael Guerreiro spielt in neuer Rolle groß auf

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Raphael Guerreiro spielt beim BVB in der Rückrunde groß auf. Im Hype um Erling Haaland, Emre Can und Jadon Sancho geht das fast ein bisschen unter – doch die Zahlen sprechen für sich.

Dortmund

, 25.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist noch keine zwei Jahre her, da waren bei Borussia Dortmund nicht wirklich viele Leute gut auf Raphael Guerreiro zu sprechen. Es mangele an Berufsauffassung und Einstellung beim Europameister, hieß es damals hinter vorgehaltener Hand immer wieder.

Guerreiro stand lange in der Kritik beim BVB

Die fußballerische Qualität stehe außer Frage, aber es sei nicht unbedingt nur Pech, dass Guerreiro mehr Verletzungen als Pflichtspieleinsätze vorzuweisen habe. Ein bisschen mehr Professionalität dürfe und müsse es schon sein für jemanden, der so talentiert sei.

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Insgesamt 218 Tage fehlte Guerreiro in der Saison 2017/2018 verletzt. Erst eine Knöcheloperation, die nach dem Confed Cup in Russland nötig wurde und beim BVB für Zähneknirschen sorgte, dann mehrere Muskelverletzungen. Es war ein Seuchenjahr. Für den BVB, aber eben auch für Guerreiro persönlich.

Guerreiro verlängerte beim BVB – doch die Zeichen standen auf Abschied

Immer wieder wurden Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel und dessen neuer Arbeitgeber Paris Saint-Germain in der Folge mit dem heute 26-jährigen Portugiesen in Verbindung gebracht, doch so richtig konkret wurde es weder 2018 noch 2019. Guerreiro ist immer noch beim BVB – und im vergangenen Herbst verlängerte er nach viel Hin und Her sogar bis 2023, obwohl es zuvor lange nach einem Abschied aus Dortmund ausgesehen hatte.

Guerreiros Vertragsverlängerung kristallisiert sich zunehmend als Jackpot für Borussia Dortmund heraus. Die Kritik aus der Vergangenheit ist längst verstummt. Der Linksfuß ist aktuell vielleicht so wertvoll wie noch nie im schwarzgelben Trikot.

Raphael Guerreiro spielt bei Borussia Dortmund eine herausragende Rückrunde

Guerreiro, 2016 für zwölf Millionen Euro vom FC Lorient zum BVB gekommen, spielt nach einer vernünftigen Hinrunde bislang eine herausragende Rückrunde. Auf der Position ganz links im Mittelfeld blüht der portugiesische Nationalspieler, der unter BVB-Trainer Lucien Favre eigentlich immer gesetzt war, zunehmend auf.

Wertvoll wie nie – BVB-Profi Raphael Guerreiro spielt in neuer Rolle groß auf

Seit der Winterpause stand er in sieben von acht Pflichtspielen über die kompletten 90 Minuten auf dem Feld, erzielte trotz seiner Defensivaufgaben drei Tore selbst und bereitete drei weitere Treffer vor. Nur beim Pokal-Aus in Bremen (2:3) wurde er geschont – und prompt schmerzlich vermisst. Sein RN-Notenschnitt in der Rückrunde liegt wettbewerbsübergreifend bei 2,5.

Guerreiro geht im Hype um Erling Haaland, Emre Can und Jadon Sancho fast unter

Das geht im Hype um Erling Haaland, Emre Can und auch Jadon Sancho fast ein bisschen unter. Guerreiro ist kein Spieler, der großartig polarisiert, der die Massen derart mitreißt, wie es ein Haaland, ein Can oder ein Sancho auf unterschiedliche Weise tun. Doch Guerreiro hat sich unter Favre sukzessive zum absoluten Leistungsträger bei Borussia Dortmund entwickelt, und auch er profitiert – wie viele andere beim BVB – von Favres Systemumstellung auf ein 3-4-2-1- beziehungsweise 3-4-1-2-System.

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„Ich finde das super, ich spiele sehr gerne so und mag es, nach vorne zu gehen und zu attackieren“, sagt Guerreiro, „das kommt auch meinen Stärken entgegen und ich habe den Rückhalt durch einen weiteren Abwehrspieler hinter mir.“ Diese Grundordnung gebe dem BVB die Möglichkeit, „noch stärker auf den Gegner einzugehen“.

Favre lobt Guerreiro, der vielseitig einsetzbar ist

Favre lobt ihn als „sehr guten und sehr cleveren Spieler“. Hinzu kommt Guerreiros Vielseitigkeit: Auf der linken Seite kann er von Linksverteidiger bis Flügelstürmer jede Position spielen und ist darüber hinaus auch im zentralen Mittelfeld sowie im rechten offensiven Mittelfeld einsetzbar.

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Und neben all seiner fußballerischen Qualität scheint nun eben auch die Einstellung zu 100 Prozent zu passen. Guerreiro hat seine Ernährung umgestellt, ist fokussierter auf seine Karriere. Nicht wenige Stimmen behaupten, dass es ihm nicht geschadet habe, dass Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembele, gute Kumpel von Guerreiro, den BVB inzwischen verlassen haben.

Guerreiro ist robuster und athletischer geworden

Ein Blick in Guerreiros Krankenakte liefert durchaus Argumente für diese These: In der Saison 2016/2017 fehlte er 60 Tage verletzt, in der bereits erwähnten Spielzeit 2017/2018 besagte 218 Tage. Seit Favre, der mit Guerreiro Französisch spricht, beim BVB an der Seitenlinie steht, fiel Guerreiro in über anderthalb Jahren nur noch 57 Tage aus. Der 1,70 Meter große Techniker ist robuster und athletischer geworden – und er ist ein wichtiges Puzzleteil beim BVB im Kampf um die Meisterschaft.

Guerreiro gibt die Richtung offensiv vor: „Wir glauben auf jeden Fall an den Titel. Ganz klar. Dafür arbeiten wir jeden Tag und werden im Training und in den Spielen unser Maximum geben.“ Mittlerweile klingt das aus Guerreiros Mund absolut glaubwürdig.

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