Wie der Zoll den illegalen Handel bekämpft

Gefälschte Trikots

In der Nacht zu Mittwoch geht der Trikot-Wahnsinn wieder los. Der BVB stellt sein Bundesliga-Trikot für die Saison 2015/16 vor. Auch an anderen Orten der Welt wird das Design mit Spannung erwartet - um es zu fälschen und für einen Bruchteil des Originalpreises zu verkaufen. Doch der Zoll geht gegen den illegalen Handel vor.

Dortmund/Gelsenkirchen

, 28.06.2015, 08:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im ersten Teil unserer Reportage ging es um gefälschte Trikots und woraus sie bestehen. Im zweiten Teil beschäftigten wir uns mit den Schäden für die Vereine. Im dritten Teil beschäftigen wir uns nun mit dem Kampf des Zolls gegen die illegalen Händler.

Wir fahren zum Hauptzollamt in Gelsenkirchen. Mit einem BVB-Trikot wären wir hier in der falschen Stadt. Mit unseren Fragen sind wir hier aber an der richtigen Adresse. Die verantwortlichen Beamten präsentieren uns ihre Ausbeute aus zehn Monaten. Eine ansehnliche Sammlung von Fälschungen, vor allem Turnschuhe, aber auch Elektronik, Kleidung, Taschen und Sonnenbrillen. Puma, Nike, Gucci, Diesel - alles falsch. In der Luft liegt ein übler, chemischer Geruch.

Stichprobenartige Kontrollen

All das hier sind verbotene Gegenstände aus dem Internethandel, die Zollamtsleiter Peter Wegner und seine Kollegen durch stichprobenartige Kontrollen auf dem Postweg abgefangen haben, bevor sie beim Besteller ankamen. Um die richtig großen Fische, die gefälschte Waren in großem Stil zu importieren versuchen, kümmern sich ihre Kollegen an den Häfen und Flughäfen.

So wird gefälschte Fracht abgefangen:

Den Überblick über alles, was in Deutschland ankommt, hat der Zoll in München. Dort sitzt die "Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz" - und die hat in den vergangenen Jahren immer mehr zu tun bekommen.

Wenn der Zoll aktiv wird, funktioniert das so: Ein Markenhersteller - beispielsweise Adidas - befürchtet, dass seine Produkte - in diesem Fall ein Fußballtrikot - gefälscht und nach Deutschland gebracht werden. Adidas hinterlegt dann Merkmale in einer digitalen Datenbank, auf die alle Zoll-Stellen zugreifen können.

Das können sein:

  • die Anordnung der drei Streifen
  • die Beschaffenheit des Materials
  • der Platz der Logos und Sterne
  • des Sponsor-Schriftszugs
  • und des Echtheits-Siegels.

In einer Zoll-Stelle - nehmen wir mal den Flughafen München - tauchen verdächtige Pakete auf. Die Beamten öffnen sie und vergleichen die Details mit denen, die in der digitalen Datenbank stehen. Der Zoll aus München kontaktiert Adidas. Der Markenhersteller kann nun rechtliche Schritte gegen Fälscher und Importeure einleiten.

Wenn der Fall eindeutig ist, wird das gefälschte Trikot vernichtet.

Wie aber finden die Zollbeamten die Pakete, in denen gefälschte Waren stecken? "Der häufigste Anhaltspunkt ist natürlich der Preis", erklärt Yvonne Dörfler von der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz. Ein Trikot für 15 oder 35 Euro könne eben kein Original sein. Verdächtig sei auch, wenn wichtige Angaben auf dem Paket oder in der Rechnung fehlten. Ein weiterer Hinweis: die Herkunft der Pakete. Denn fast alle Fälschungen kommen aus derselben Region der Welt.

Der Zoll kann nicht alles öffnen

Darüber hinaus gibt es Stichprobenkontrollen - bei Paketen ebenso wie bei den Frachtsendungen. Die Kontrolle von Containern, etwa auf Schiffen, begrenzt sich aber meistens auf die Kontrolle der Dokumente. Mehr sei personell nicht leistbar in einer vertretbaren Zeit, deutet Yvonne Dörfler an: "Wenn wir alles öffnen würden, würden wir ja den kompletten Warenverkehr lahmlegen." 

Wer alle Pakete öffnet, müsste eigentlich auch sofort ein Fenster öffnen, um dem chemischen Gestank in der Luft entgegenzuwirken. Das hat uns unser knapp zweistündiger Besuch im Raum der Fälscherwaren beim Zoll Gelsenkirchen gezeigt. Als wir zurück in der Redaktion sind, bemerken wir leichten Schwindel, Kopfschmerzen und Halskratzen. Nicht auszumalen, wie es Arbeitern gehen muss, die jeden Tag Kontakt mit diesen Chemikalien haben.

Dieser Text ist Teil unserer Multimedia-Reportage "Falsche Fans - das Geschäft mit gefälschten Fußball-Trikots". Die komplette Reportage lesen Sie hier:

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