Wie Fälscher Bundesliga-Trikots für 15 Euro anbieten

Reportage "Falsche Fans"

Nächste Woche geht der Trikot-Wahnsinn wieder los. Der BVB stellt sein Bundesliga-Trikot für die Saison 2015/16 vor. Auch an anderen Orten der Welt wird das neue Design mit Spannung erwartet - um es zu fälschen und für einen Bruchteil des Originalpreises zu verkaufen. Ein BVB-Trikot für 15 Euro?

Dortmund

, 26.06.2015, 06:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie Fälscher Bundesliga-Trikots für 15 Euro anbieten

Ein echtes und ein unechtes Trikot. Die Unterschiede sind - äußerlich - minimal.

Auf dem großen Basar in Istanbul - ein Stück hinter den Gewürz- und Tee-Ständen, hinter den bunten Lampen und den noch bunteren Teppichen: Trikots. Fußball-Trikots. Unfassbar viele Fußball-Trikots. Real Madrid und Bayern München. Manchester United, Barcelona, Galatasaray, Fenerbahce, Schalke und Borussia Dortmund.

Sind die Trikots echt? Wohl kaum. Dazu lässt sich der Händler zu leicht auf 15 Euro herunterfeilschen. Zuhause im Fan-Shop kosten die Trikots der Bundesligisten 75 Euro. Mindestens. Warum kann es der Händler hier so billig anbieten?

Ein Fälscher spart sich mehrere Dinge. Er hat

  • keine Entwicklungskosten
  • keine Lizenzkosten
  • niedrige Materialkosten.

Was steckt in den gefälschten Trikots? Eine Frage, die selbst Experten nicht ohne Weiteres beantworten können. PFC, NPE, DMF und Phthalate - das sind keine Abkürzungen berühmter Fußballklubs, sondern gesundheitsgefährdende Chemikalien. Es handelt sich um Weichmacher und andere Stoffe, die sich laut Greenpeace "in der Umwelt und im menschlichen Körper anreichern, Hormonstörungen verursachen, die Fortpflanzung schädigen oder das Tumorwachstum fördern können".

Umweltschützer zweifeln an großen Marken

All diese Stoffe können in Sportbekleidung stecken - nicht nur in gefälschter. Kurz vor der WM 2014 fand Greenpeace diese Stoffe in einigen Trikots, Hosen, Schuhen und Torwarthandschuhen von Adidas, Nike und Puma. Zwar haben sich die großen Marken offiziell dazu verpflichtet, die gefährlichen Stoffe bis 2020 aus der Produktion zu verbannen. Doch die Umweltschützer bezweifeln, dass alle Unternehmen dieses Ziel konsequent verfolgen.

Bei Puma folge man mittlerweile dem Beispiel großer Modeketten wie H&M oder Mango und habe einen "glaubwürdigen Aktionsplan" zur Verbannung der Chemikalien. Bei Adidas und Nike jedoch gehe es bisher über Lippenbekenntnisse nicht hinaus, so das Urteil der Experten von Greenpeace.

Keine Untersuchungen über Plagiats-Trikots

Und die gefälschte Ware? Dessen Herstellung lasse sich überhaupt nicht kontrollieren, warnen Verbraucherschützer. Es gebe zwar keine konkreten Untersuchungen über Plagiats-Trikots, erklärt Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW. Doch es gibt die eindeutige Vermutung: "Wer Produkte fälscht, ist sicher so an Gewinnmaximierung interessiert, dass ein kostenaufwendiges Schadstoffmanagement keine Rolle spielt." Soll heißen: Wo es keine Kontrollen gibt, will die Herstellerfirma die Kosten senken - um jeden Preis. Auch um den der Gesundheit der Arbeiter und der Kunden.

Gesundheitliche Gefahren sind das eine - rechtliche das andere. Wenn ich merke, dass ich einem Fälscher aufgesessen bin, kann ich mich beschweren und rechtlich vorgehen?

Die Fachleute vom Zollamt in Gelsenkirchen geben uns die Antwort.

Die meisten Trikots gelangen über den Online-Handel nach Europa. Aber was ist mit denen vom großen Basar in Istanbul, vom Strandhändler aus Italien, vom günstigen Lädchen an der spanischen Promenade? Viele Touristen bezahlen die 10, 15, 20 Euro, kaufen die - eindeutig falschen - Trikots und bringen sie nach den Ferien mit nach Deutschland über die Grenze.

Ist das eigentlich erlaubt? Oder mache ich mich strafbar, wenn ich ein gefälschtes Trikot kaufe? Und falls ja: Drohen mir dann Konsequenzen?

 

 

Ein Trikot im Gepäck? Das stört also den Zoll nicht. Und die Marken-Hersteller und Vereine schauen aus Kulanz weg. Obwohl ihre Rechte auch in diesem Fall verletzt werden. Adidas, Puma und Nike, Bayern, BVB und Schalke gehen nicht gegen den kleinen Fan vor, sondern eher gegen die großen Fälscher. Denn dort entsteht der wirklich große Schaden.

Dieser Text ist Teil unserer Multimedia-Reportage "Falsche Fans - das Geschäft mit gefälschten Fußball-Trikots". Die komplette Reportage lesen Sie hier:

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