Witsels Unfall ist ein Schock für den BVB - und eine Aufgabe für Trainer Lucien Favre

Champions League

Im letzten Gruppenspiel der Champions League benötigt der BVB heute gegen Prag einen Sieg - und dazu Schützenhilfe des FC Barcelona. Die große Frage lautet: Wer ersetzt Axel Witsel?

Dortmund

, 10.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Witsels Unfall ist ein Schock für den BVB - und eine Aufgabe für Trainer Lucien Favre

Axel Witsel (l.) fehlt dem BVB mindestens bis zur Winterpause. © Kirchner-Media/Christopher Neundorf

Fast wäre das ja untergegangen, daher griff Lucien Favre das Thema offensiv selbst auf: Dieses Spiel gegen Slavia Prag, meinte Borussia Dortmunds Trainer gut 30 Stunden vor dem Anpfiff heute Abend (21 Uhr, Signal Iduna Park/DAZN) mit Nachdruck in der Stimme, sei nun keinesfalls ein Selbstläufer. Wer eine Begründung für diese These brauchte, bekam auch die: „Sie haben in Barcelona einen Punkt geholt, und sie haben auch einen in Mailand geholt. Da hatten sie vier glasklare Torchancen!“ Favre wirkte froh, dass er das noch rechtzeitig angebracht hatte.

BVB-Mittelfeldspieler Witsel erleidet schwere Gesichtsverletzung

Denn in der Pressekonferenz vor der letzten Gruppenpartie dieser Champions-League-Saison hatte es wichtigere Themen gegeben. Zuallererst: die Gesichtsverletzung von Axel Witsel, der dem BVB bis zur Winterpause nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Kurz vor Beginn der Ausführungen Favres hatte Witsels Klub den Ausfall des Belgiers offiziell mitgeteilt. Witsel habe sich im eigenen Haus „bei einem unglücklichen Sturz eine Gesichtsverletzung zugezogen.“ Der 30-Jährige musste sich in der Nacht zu Sonntag in der Mund- und Gesichts-Chirurgie des Klinikzentrums Nord einer Operation unterziehen, diese sei erfolgreich verlaufen.

„Witsel befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung und konnte das Krankenhaus verlassen“, teilte die Borussia mit. Ob Witsel in der kurzen Wintervorbereitung wieder voll belastbar sein wird, ist angesichts der Schwere der multiplen Gesichtsverletzungen allerdings fraglich.

Ändert BVB-Trainer Lucien Favre sein System?

Witsels Ausfall mindestens für die restlichen vier Partien dieses Jahres warf Fragen auf. Vor allem die, wie Trainer Lucien Favre darauf taktisch reagieren wird. Traut Favre Julian Weigl zu, in einem 3-4-3 die Rolle des Belgiers ebenso stabil auszufüllen? Oder zieht das Fehlen von Favres wichtigstem Spieler im defensiven Mittelfeldzentrum automatisch eine veränderte Gesamtausrichtung nach sich?

Witsels Unfall ist ein Schock für den BVB - und eine Aufgabe für Trainer Lucien Favre

Julian Weigl könnte Axel Witsel im Mittelfeld ersetzen. © Kirchner-Media/Christopher Neundorf

Beantworten mochte der Schweizer diese Frage natürlich nicht. „Mehrere Möglichkeiten“ gebe es. Favre redete stattdessen über Slavias Stärken, die der Borussia schon im 2:0-Hinspiel zugesetzt hätten. „Sie laufen unglaublich viel“, meinte er, „132 Kilometer im Hinspiel, das ist fast Weltrekord. Sie pressen sehr hoch und aggressiv.“

Für den BVB dürfte es kein Vorteil sein, dass Slavia schon vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase abgeschlagen auf Platz vier steht. Für die Rot-Weißen geht es um weitaus mehr als nur ums Prestige - vor allem geht es ums liebe Geld. Mit den zwei erkämpften Punkten hat Prag das Startgeld für die Königsklasse (15,25 Millionen Euro) nur um 1,8 Millionen Euro aufstocken können. In der Rückrunde, gibt Trainer Jindrich Trpisovsky zu, werde der Klub den Gürtel enger schnallen müssen. Winter-Verkäufe drohen.

Der BVB hat das Weiterkommen nicht in der eigenen Hand

Für einige Prager ist es die letzte Chance, sich auf großer Bühne zu präsentieren. So soll Torhüter Ondrej Kolar auf dem Wunschzettel von OGC Nizza stehen, Lucien Favres Ex-Klub. Auch der Star des Teams, Tomas Soucek, wird mit einem Abschied im Winter in Verbindung gebracht.

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So lief das BVB-Training vor dem Spiel gegen Slavia Prag
© BVB-TV

Auch beim BVB wird es im Winter die ein oder andere Veränderung geben, bis dahin aber will die Mannschaft den Aufwärtstrend der vergangenen beiden Spiele fortsetzen. Die Kombination aus einem kämpferischen Auftritt beim Sieg in Berlin und der deutlichen spielerischen Steigerung gegen Düsseldorf war ganz nach dem Geschmack von Favre – und auch nach dem Geschmack von Torhüter Roman Bürki, dessen Vorderleute ihm zuletzt viel Arbeit wegnahmen. „Das“, meinte Bürki, „war sehr gut. Jeder hat gemacht, was er musste.“

BVB-Trainer Favre: „Noch ist alles möglich“

Was der BVB heute machen muss, ist allen bewusst. Die Tatsache, das Glück nicht in der eigenen Hand zu haben, gibt der Vorfreude einen leicht faden Beigeschmack. „Noch ist alles möglich“, meine Favre beschwörend. „Wir wissen, was wir tun müssen, wir müssen uns voll auf unser Spiel konzentrieren.“

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