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XXL-Abwehr des BVB stellt Favre vor großes Rätsel - wie würden Sie aufstellen?

rnBorussia Dortmund

Die BVB-Abwehr platzt nicht erst seit Mats Hummels‘ Rückkehr und der Verpflichtung Mateu Moreys aus allen Nähten. Lucien Favre hat die Qual der Wahl, auf Michael Zorc wartet viel Arbeit. Eine Analyse.

Dortmund

, 24.06.2019 / Lesedauer: 5 min

Zu behaupten, Lucien Favre habe in der Defensive die Qual der Wahl, ist eigentlich schamlos untertrieben. Wenn man kleinlich rechnet, steht unter dem Strich eine 16. Es ist die Anzahl an Spielern, die in der kommenden Saison zumindest theoretisch um einen Startelf-Platz in Borussia Dortmunds Abwehr streiten. Das Defensiv-Angebot des BVB reicht für vier Viererketten, obwohl nur eine benötigt wird.

„Uns ist bewusst, dass wir ein Überangebot an Abwehrspielern haben“, erklärt Michael Zorc im Gespräch mit dieser Redaktion. Noch sei auf der Abgabeseite, auf der fortan der Fokus dieser Transferperiode liegen wird, „alles ruhig“, sagt der BVB-Sportdirektor. Das wird sich zwangsläufig noch ändern, bis das Transferfenster Ende August schließt. Noch ist viel Zeit, doch zur Wahrheit gehört auch, dass es für den einen oder anderen Spieler, den der BVB durchaus gerne verkaufen würde, derzeit keinen wirklichen Markt gibt.

Rechtsverteidiger -
Lukasz Piszczek, Achraf Hakimi, Marius Wolf, Mateu Morey, Felix Passlack, Jeremy Toljan

Aktuell ist jede Position in der BVB-Defensive mindestens dreifach besetzt. Hinten rechts konkurrieren Platzhirsch Lukasz Piszczek, Real-Madrid-Leihgabe Achraf Hakimi und Rechtsverteidiger-Lehrling Marius Wolf um den Platz in der Startelf. Hinzu kommt Mateu Morey, dessen ablösefreier Wechsel aus der U19 des FC Barcelona zum BVB bereits perfekt, aber noch nicht offiziell bestätigt ist. Der Spanier wird intern als so verheißungsvolles Talent eingestuft, dass er perspektivisch das Zeug zum Stammspieler hinten rechts hat.

Passlack und Toljan außen vor

Und dann gibt es ja auch noch Felix Passlack, der nach zwei unzufriedenen Leihgeschäften mit der TSG Hoffenheim und Norwich City nach neuem Schwung in seiner stockenden Karriere sucht, sowie Jeremy Toljan, der nach seiner Leihe zu Celtic Glasgow zwar weiterhin keine Perspektive beim BVB besitzt, aber auch noch keinen neuen Verein gefunden hat.

XXL-Abwehr des BVB stellt Favre vor großes Rätsel - wie würden Sie aufstellen?

In Schottland holte Jeremy Toljan mit Celtic Glasgow das Double. © imago

Der U21-Europameister von 2017, der während seiner Zeit bei Celtic immerhin schottischer Double-Sieger wurde und auf der Insel zu 14 Pflichtspiel-Einsätzen kam, ist vertraglich noch bis 2022 an den BVB gebunden – und wird erst einmal einen Verein finden müssen, der ihm ein ähnlich attraktives Gehalt zahlt. Eine weitere Leihe könnte weiteren Aufschub gewähren.

Innenverteidiger -
Mats Hummels, Manuel Akanji, Abdou Diallo, Dan-Axel Zagadou, Ömer Toprak, Leonardo Balerdi, Julian Weigl

In der Innenverteidigung konkurrieren in Mats Hummels, Manuel Akanji, Abdou Diallo, Dan-Axel Zagadou, Ömer Toprak, Leonardo Balerdi und Julian Weigl sieben Spieler um zwei freie Plätze. Hummels, das ist keine allzu tollkühne These, wird die BVB-Abwehr künftig anführen. Die besten Chancen auf den Platz neben dem neuen alten BVB-Abwehrchef hat Manuel Akanji, der in der vergangenen Saison trotz einiger schwächerer Spiele von allen Innenverteidigern den stabilsten Eindruck hinterließ.

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Hinzu kommt der Pluspunkt, dass er als rechter Innenverteidiger am besten mit Hummels, der bevorzugt auf der Position des linken Innenverteidigers spielt, harmonieren dürfte. Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo, beide Linksfuß, werden sich wohl jeweils mit der Rolle des Herausforderers begnügen müssen.

Weigl könnte noch wechseln - Toprak will sich durchbeißen

Ob Julian Weigl, der in der Rückrunde als Aushilfs-Innenverteidiger überzeugte, ebenfalls als Herausforderer in Erscheinung treten wird, darf und muss spätestens seit dem Hummels-Transfer bezweifelt werden. Die Chancen des 23-Jährigen, der bereits im Winter mit einem Wechsel liebäugelte, auf viel Einsatzzeit sind weder auf seiner Stammposition im Mittelfeld noch in der Abwehrzentrale die besten – und gleichzeitig verspricht ein Verkauf Weigls, auch wenn Favre ihn am liebsten behalten würde, dem BVB Einnahmen jenseits der 20-Millionen-Euro-Marke. Noch liegt dem BVB allerdings kein offizielles Angebot für Weigl vor.

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Keine wirklich glänzenden Perspektiven beim BVB: Julian Weigl und Ömer Toprak. © imago

Deutlich weniger Geld winkt dem BVB bei einem Verkauf Ömer Topraks. Der 29-Jährige, bis 2021 an die Borussia gebunden und intern als Typ sehr geschätzt, darf den Verein verlassen. Das Problem: Toprak verdient beim BVB über fünf Millionen Euro im Jahr – und müsste woanders vermutlich auf Geld verzichten. Bislang hegt Toprak keinen Wechselwunsch.

Toprak: „Ich will um meine Chance kämpfen“

„Mats Hummels ist ein Weltklassespieler, aber ich will um meine Chance kämpfen“, sagte er jüngst dem „Kicker“. Dass er kämpfen könne, „habe ich in den vergangenen zehn Jahren oft genug bewiesen“. Seine Erfahrung auf nationaler und internationaler Bühne spricht aber zumindest dafür, dass er auch zu einem späteren Zeitpunkt der Transferperiode noch interessant für andere Klubs werden könnte, die kurzfristig in der Defensive nachbessern wollen oder müssen.

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Bei Leonardo Balerdi, der vergangenen Winter als Perspektivspieler für über 15 Millionen Euro von den Boca Juniors aus Argentinien zum BVB gewechselt ist, verhält es sich anders. Dem 20-Jährigen, bislang nur bei der BVB-Reserve in der Regionalliga West im Einsatz, fehlt es gänzlich an Bundesliga-Erfahrung. Gut möglich, dass sich daran so schnell nichts ändert.

Bei Balerdi macht ein Leihgeschäft Sinn

Balerdis Hoffnungen, nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit in Dortmund ein Kandidat für den Spieltagskader oder gar die erste Elf zu werden, haben durch die Hummels-Verpflichtung einen herben Dämpfer erlitten. Auch hier könnte ein Leihgeschäft für mehr Spielzeit sorgen, allerdings wohl erst, nachdem Balerdi in der Vorbereitung bei Lucien Favre vorgespielt hat.



Linksverteidiger -
Nico Schulz, Abdou Diallo, Achraf Hakimi, Raphael Guerreiro, Marcel Schmelzer

Bliebe noch die Position des Linksverteidigers. Nationalspieler Nico Schulz, für über 25 Millionen Euro aus Hoffenheim gekommen, soll eine der größten Problemstellen der vergangenen Spielzeit neu und dauerhaft besetzen. Erste Alternativen zu Schulz wären Abdou Diallo, der in der Vorsaison häufig hinten links aushalf, und Achraf Hakimi, der derzeit beim Afrika-Cup für sein Heimatland Marokko als Linksverteidiger unterwegs ist.

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Raphael Guerreiro nutzte die Spiele in der Nationas League als große Bühne. Ein Vereinswechsel im Sommer ist wahrscheinlich. © imago

Auch Raphael Guerreiro kann die Position spielen, agierte unter Favre aber deutlich öfter auf der offensiven Außenbahn. Der Vertrag des Portugiesen beim BVB läuft noch bis 2020, er ist einer der Spieler, mit denen Zorc gerne eine hohe Ablösesumme generieren würde.

Schmelzer spielt sportlich keine Rolle mehr

Marcel Schmelzer, der schon in der Rückrunde so gut wie nicht mehr zum Zuge kam, wird Stand jetzt trotz geringer Chancen auf Spielzeit bei Borussia Dortmund bleiben. In der Kabine ist der ehemalige Kapitän noch immer wichtig für den BVB, auf dem Rasen ist das offenkundig immer seltener der Fall.

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