Youri Mulder: Ajax giert nach Erfolg

Expertengespräch

Eigentlich will sich Youri Mulder nicht so gern einen Tipp entlocken lassen. "Borussia ist wohl schon einen Schritt weiter als Ajax", meint der Co-Trainer von Twente Enschede, der in seiner Jugend selbst bei Ajax spielte. Aber dann gibt sich der 43-Jährige ganz moderat: "Sagen wir einfach mal 1:1, das passt schon."

DORTMUND

von Von Gerd Strohmann

, 18.09.2012, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Youri Mulder glaubt, dass Ajax Amsterdam jederzeit für eine positive Überraschung gut sei.

Youri Mulder glaubt, dass Ajax Amsterdam jederzeit für eine positive Überraschung gut sei.

Diesen Vergleich zieht Youri Mulder gern, sehr gern sogar. „Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam, die Entwicklung der beiden Vereine ist ähnlich, auffällig ähnlich sogar“, meint der 43-Jährige. Beide Klubs mussten vor einigen Jahren mit sehr wenig Geld auskommen, der BVB war am Rande der Insolvenz, der niederländische Traditionsklub konnte auch nicht gerade mit vollen Kassen prahlen."Herrlich jungen Hunde" „Doch beide Vereine haben aus der Not eine Tugend gemacht“, betont Youri Mulder, wie Jürgen Klopp haben auch die Amsterdamer auf die Jugend gesetzt, „und nun sehe ich beim BVB und bei Ajax diese herrlich jungen Hunde, die hungrig sind auf Erfolge, auch auf Titel“.

Und so sei es auch keine Überraschung, dass sich die Wege der beiden Klubs ähneln. Beide konnten im Sommer das Double feiern, beide begeisterten die Zuschauer mit ihrem erfrischenden, schnellen Fußball. „Diese Teams strahlen einen herrlichen Enthusiasmus aus, es macht einfach Spaß, ihnen zuzusehen“.Früher hohe Hausnummer Ajax Amsterdam, so Youri Mulder, habe viel aus der Vergangenheit, das heutige Ajax aber sei wieder vergleichbar mit dem Ajax Mitte der 80er-Jahre, als Johan Cruyff Technischer Direktor gewesen sei. Damals konnten sich Spieler wie Frank Rijkaard, Marco van Basten und Dennis Bergkamp zu Weltklassespielern entwickeln, Ajax war im Weltfußball eine hohe Hausnummer. Dieses Selbst-Verständnis sei jetzt wieder erkennbar, man gebe weniger Geld für Transfers aus, man sei nicht bereit, bei den teilweise extrem hohen Gehältern mit anderen Klubs zu konkurrieren.  „Wir werfen nicht mit Geld um uns“, sagt deshalb auch Trainer Frank de Boer, „alles muss in einem realistischen Rahmen bleiben“. Ajax Amsterdam ist deshalb fast schon wieder ein Ausbildungsbetrieb geworden.Platz drei im Visier Mit Anita und Vertonghen verließen die Topspieler der Meistersaison den Klub, Ajax hätte liebend gern die Angreifer Luciano Narsingh und Oussama Assaidi verpflichtet, doch der PSV Eindhoven und Liverpool öffenen weit mehr die Geldbörse. So schnappten die Niederländer anderweitig zu, das dänische Supertalent Christian Eriksen fand den Weg nach Amsterdam, erneut wurde aus der Not eine Tugend gemacht.

Ob das reicht, um in der Champions League und in dieser schweren Gruppe D eine halbwegs standesgemäße Rolle zu spielen? Youri Mulder glaubt, es gehe in erster Linie darum, vielleicht Platz drei zu erreichen, um im nächsten Jahr vielleicht in der Europa League eine gute Rolle zu spielen. Auch Frank de Boer gibt sich ein wenig skeptisch. Der Klub würde eine Champions-League-Jacke tragen, hätte „aber eigentlich derzeit noch Europa-League-Körpergröße“. Der Kader, da sind sich alle einig, ist eigentlich zu schmal, um in allen Wettbewerben eine erstklassige Rolle zu spielen.Positive Überraschung möglich Youri Mulder sieht das ähnlich, gibt sich aber deutlich optimistischer. „Diese Mannschaft kann so gut kicken, sie ist jederzeit für eine positive Überraschung gut.“ Und braucht dann auch eine ganze Hand, um die Stärken an den Fingern abzuzählen. „Kurzpassspiel, Passsicherheit, Spielfreude, Kombinationen, schnelles Umschalten, die Mannschaft ist schon da, wenn sie gefordert wird“. Aber all`diese Stärken seien eben nicht immer abrufbar, vor allem körperlich sieht der 43-Jährige die Elf längst noch nicht auf höchstem Niveau. Und noch etwas macht Youri Mulder Sorge. „Noch schwanken die Leistungen, die Elf ist natürlich noch nicht stabil genug.“ Und dann denkt er laut nach. „Ob Ajax defensiv stark genug ist, einen Marco Reus und die starken Polen zu stoppen... Es klingt, als würde er die Frage selbst mit Nein beantworten.

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