Zeitspiel: Der BVB, Stuttgart und das spannendste Titelrennen aller Zeiten

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BVB-Mittelfeldspieler Michael Rummenigge (l.) im Duell mit Stuttgarts Ludwig Kögl. © imago / Pressefoto Baumann
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Die Saison 1991/1992 war gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere. Zum einen war es die erste Bundesliga-Saison nach der Wiedervereinigung, weshalb 20 Vereine an 38 Spieltagen in der Bundesliga vertreten waren. Zum anderen lieferten sich Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart bis zum Schluss einen Dreikampf um die Meisterschaft.

Ottmar Hitzeld bleibt der perfekte Einstand beim BVB verwehrt

Über weite Strecken der Saison standen entweder die Frankfurter oder die Dortmunder an der Tabellenspitze. Ein für den Titel entscheidendes Spiel gab es am 34. Spieltag. Die Ausgangslage an der Tabellenspitze damals: Eintracht Frankfurt lag mit 45 Zählern vor den punktgleichen Verfolgern aus Stuttgart und Dortmund – nur die Tordifferenz trennte das Trio.

Kapitäne unter sich: Michael Zorc (r.) und Guido Buchwald. © imago / Werek

An jenem 34. Spieltag, dem 25. April 1992, empfing der VfB Stuttgart im ausverkauften Neckarstadion vor knapp 70.000 Zuschauern den BVB. Für die Schwaben standen damals unter anderem Matthias Sammer, Fritz Walter, und Maurizio Gaudino in der Startelf – Trainer war Christoph Daum. Für die Dortmunder liefern Michael Zorc, Stephane Chapuisat und Thomas Helmer auf – am Seitenrand dirigierte Ottmar Hitzfeld, der nach drei Trainerstationen in der Schweiz in der Saison 91/92 erstmals einen Bundesligisten coachte.

Flemming Povlsen bringt den BVB in Stuttgart in Führung

Die Borussen kamen besser ins Spiel und gingen nach 15 Minuten durch ein Tor von Flemming Povlsen in Führung. Doch der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten. Auf einen VfB-Eckstoß durch Maurizio Gaudino folgte ein Kopfball-Eigentor von Thomas Helmer. Kurz vor der Halbzeit erhöhte Fritz Walter nach Vorlage von Guido Buchwald auf 2:1 für den VfB. Nach der Pause schraubte Walter das Ergebnis auf 3:1. Er führte zum damaligen Zeitpunkt die Torschützenliste mit 18 Treffern vor Chapuisat an.

Thomas Franck (l.) im Duell mit Matthias Sammer. © imago / Pressefoto Baumann

In der 84. Minute machte Thomas Helmer sein Eigentor aus der ersten Halbzeit wieder wett. Nach einem Freistoß köpfte er den Ball zum Anschlusstreffer in die Maschen. Doch wenige Minuten später setzte es für den BVB einen weiteren Nackenschlag: Gaudino setzte zum Solo an und erzielte in der 90. Minute das 4:2 – die endgültige Entscheidung.

Showdown zwischen Dortmund, Stuttgart und Frankfurt

Dieses Spiel dürfte für den VfB Stuttgart eines der wichtigsten in der Saison gewesen sein. Durch den Sieg blieben die Schwaben punktgleich mit der Eintracht an der Tabellenspitze und konnten Dortmund distanzieren. Das enge Meisterrennen blieb aber bis zum letzten Spieltag offen und wurde dort auch erst in den Schlussminuten entschieden. In der 86. Minute köpfte Guido Buchwald in Leverkusen den 2:1-Siegtreffer der Schwaben, während die Frankfurter in Rostock in der 89. Minute das 1:2 kassierten und verloren. Dortmund siegte parallel in Duisburg mit 1:0.

Der BVB verpasste die Deutsche Meisterschaft 1992 hauchdünn. © imago / Werek

Stuttgart wurde schließlich mit 52 Punkten Meister. Der BVB landete punktgleich (aber mit dem schlechteren Torverhältnis) auf Platz zwei, Frankfurt mit 50 Punkten auf Rang drei. Der DFB schreibt zu dieser besonderen Bundesliga-Saison auf seiner Internetseite: „Das Meisterrennen war das spannendste aller Zeiten.“

Für den BVB ist die aktuelle Saison so gut wie gelaufen

Wenn der BVB heute Abend (20.30 Uhr, live auf DAZN) in Stuttgart zu Gast ist, ist die Ausgangslage beider Klubs gewiss eine andere als noch vor 30 Jahren. Der VfB kämpft gegen den Abstieg, liegt auf dem 15. Platz, kann jeden Punkt gebrauchen. Und die Dortmunder? Da ist die Luft raus, neun Punkte fehlen zu den Bayern an der Tabellenspitze.