Dicht an dich - so geht das nicht: Künftig werden wohl wieder weniger BVB-Fans die Heimspiele ihres Vereins im Signal Iduna Park verfolgen dürfen. © picture alliance/dpa
Meinung

Zieht endlich die Notbremse – auch im BVB-Stadion!

Steigende Inzidenzzahlen, extrem belastete Intensivstationen. Strengere Kontaktbeschränkungen werden in NRW kommen. Warum es richtig ist, auch die Kapazität in den Fußballstadien weiter zu begrenzen, das kommentieren Dirk Krampe und Sascha Klaverkamp.

Im Stadion des 1. FC Köln feierten am Wochenende 50.000 Menschen überschwänglich den Derbysieg über Borussia Mönchengladbach. Es waren verstörende Bilder. Jubelnde Fans, Menschen, dicht an dicht. Ohne Abstand, oft auch ohne Masken. Ein Narr, wer glaubt, es sei dort auch nur annähernd coronaconform zugegangen.

BVB-Duell gegen Bayern: 67.000 Zuschauer wären blanker Irrsinn

Die Vorkommnisse in Köln haben die Debatte über eine massive Zuschauer-Begrenzung im Profisport beschleunigt. Endlich, muss man sagen. Denn auch 67.000 Zuschauer beim Gipfeltreffen der Dortmunder Borussia mit dem FC Bayern am Samstag wären vor dem Hintergrund galoppierender Inzidenzen und der flehenden Appelle anerkannter Wissenschaftler zu weiteren massiven Kontaktreduzierungen blanker Irrsinn. Sie widersprächen auch der dramatischen Lage in den Krankenhäusern.

Während überall Weihnachtsfeiern oder Weihnachtsmärkte abgesagt werden, ist der Profisport bislang unbeirrt seinen Weg gegangen und hat die geltenden Richtlinien bis an die Grenzen ausgeschöpft. Schließlich hat die Corona-Pandemie so deutlich wie nie die Abhängigkeit der Klubs vom ungehinderten Geldfluss aufgezeigt.

DFL-Hygienekonzept hat im BVB-Stadion gegriffen

Zugegeben, Vereine wie Borussia Dortmund hatten sich maximal bewährt darin, möglichst sichere Spiele auszurichten. Im und am Signal Iduna Park griff das ausgefeilte Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga. Die Kontrollen und Maßnahmen sind deutlich engmaschiger und organisierter als auf Weihnachtsmärkten oder in Bus und Bahn. Womöglich könnte sich der BVB sogar die 2G+ -Regel auferlegen oder das Catering im Stadion streichen, um das Ansteckungsrisiko noch weiter zu minimieren.

Trotzdem werden sich mit 67.000 Besuchern Begegnungen, Berührungen oder Staus am Einlass oder auf der Anreise nicht gänzlich vermeiden lassen. Dadurch, dass ein Fußballspiel in Dortmund stattfindet, bringt die Borussia viele tausend Menschen ja erst in Bewegung und einander so automatisch näher.

Das Verständnis für die Sonderstellung des Profifußballs schwindet

Die Gesellschaft hat das lange mitgetragen, Fußball ist schließlich ein Kulturgut. Doch das Verständnis schwindet mittlerweile auf breiter Basis. Da zieht auch das Argument nicht mehr, bislang gebe es wenige bis gar keine Infektionen, die auf den Besuch von Fußballspielen zurückzuführen seien. Schließlich fänden die ja im Freien statt, wo die Ansteckungsgefahr ohnehin gering sei. Aber: Habe ich mich im Stadion infiziert, oder auf dem Weg dorthin in der Straßenbahn (die auch weiterhin proppenvoll ist)? Oder gar morgens beim Bäcker in der Warteschlange? Faktisch lässt sich dies nicht differenzieren.

Es ist traurig und unfair, dass durch eine deutliche Reduzierung der Zuschauerzahlen oder gar durch Geisterspiele, hauptsächlich verursacht durch eine Minderheit von unbelehrbaren Menschen, nun auch die in Mithaftung genommen würden, die sich haben impfen lassen und seit Monaten vorsichtig sind. Und erneut werden die Klubs die Leidtragenden sein und das Generalversagen der Politik ausbaden müssen.

BVB-Bosse rechnen mit reduzierter Zuschauerzahl gegen Bayern München

Hinter den Kulissen gehen Borussia Dortmunds Verantwortliche schon jetzt davon aus, am Samstag nicht vor 67.000 Zuschauern auflaufen zu dürfen, obwohl die überfälligen Beschlüsse der Politik noch immer nicht vorliegen – und eine logistische Planung für das Spiel aufgrund der Kurzfristigkeit immer schwieriger wird. Den Vorverkauf für das Champions-League-Spiel gegen Besiktas Istanbul hat der BVB am Montag vorsorglich schon mal gestoppt.

Bei allem Frust von Fans und allen Problemen für die betroffenen Vereine: Eine deutliche Deckelung der erlaubten Zuschauer-Kapazität, eine Notbremse jetzt, noch vor dem Schlager BVB gegen Bayern, ist das einzige vernünftige Handeln. Denn jeder Kontakt weniger kann immens wertvoll sein. Auch von den 29.364 Neu-Infizierten, die das Robert-Koch-Institut am Sonntag vermeldete, werden 0,8 Prozent diese Infektion nicht überleben. Das ist ein statistischer Fakt und lässt sich nicht mehr ändern: 237 Menschenleben, die nicht mehr zu retten sind.

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BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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