Zwei Gesichter: Borussia Dortmund und die Standards

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Borussia Dortmund zeigt in puncto Standardsituationen zwei Gesichter. Vielleicht kann der BVB die Bundesliga-Unterbrechung dafür nutzen, um diese Schwachstelle zu beheben.

Dortmund

, 22.03.2020, 23:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit zwei Gesichtern kennen sie sich bei Borussia Dortmund ja ganz gut aus, sie bekommen sie nur nicht so richtig kontrolliert. Es gibt zum Beispiel das Heimspiel-Gesicht, es gibt zum Beispiel aber auch das Auswärtsspiel-Gesicht. Das Achtelfinale in der Champions League hat das jüngst einmal mehr eindrucksvoll unterstrichen. 2:1 und toller Fußball zu Hause, 0:2 und ängstlicher Fußball in der Fremde - au revoir, Königsklasse. Auch in der Bundesliga gibt es dieses Problem: Im Signal Iduna Park liegt der BVB als heimstärkstes Team der Liga klar auf Meisterschafts-Kurs, auswärts reicht es auf Platz vier gerade noch so für die Qualifikation für die Champions League.

BVB kassiert nur vier Gegentore nach ruhenden Bällen

Ein Blick in die Statistik aber beweist, dass der BVB in der Bundesliga nicht nur bei Heim- und Auswärtsspielen zwei Gesichter zeigt, er zeigt sie auch bei Standardsituationen. Nach den jüngsten Eindrücken aus Paris und Neymars zu einfachem Kopfballtor nach einer Ecke zum 1:0 für PSG liefern die Daten durchaus überraschende Erkenntnisse, denn: Borussia Dortmund verteidigt gegnerische Standardsituationen so erfolgreich wie keine andere Mannschaft in der Liga.

Das Team von Lucien Favre kassierte an den bisherigen 25 Spieltagen erst vier Gegentore nach ruhenden Bällen, also nur zwölf Prozent seiner insgesamt 33 Gegentore. Das ist Ligabestwert. Darüber hinaus ließ nur der FC Bayern München weniger gegnerische Torschüsse nach Standardsituationen zu (49) als der BVB (55). Kein Gegentor nach Elfmeter, kein Gegentor durch einen Freistoß, vier Gegentore nach Ecken: Das ist alles, was die Dortmunder Defensive bislang hinnehmen musste. Obendrein ließ Borussia Dortmund so wenige Ecken zu wie kein anderes Team der Bundesliga (77).

BVB schießt nach ruhenden Bällen nur 66 Mal aufs Tor

Doch so sicher Favres Mannschaft bei gegnerischen Standards steht, so harmlos ist sie selbst nach ruhenden Bällen. Der BVB stellt die zweitbeste Offensive der Liga, traf insgesamt 68 Mal. Nur die Bayern brachten den Ball öfter im Tor des Gegners unter (73 Mal). Sechs Treffer erzielte der BVB nach Standardsituationen, das bedeutet Platz 14 in der Liga. Drei Tore nach Ecken, zwei Elfmeter-Tore, ein Tor nach einem Freistoß und noch kein direkt verwandelter Freistoß: Unter dem Strich fielen nur neun Prozent der Dortmunder Tore nach einem ruhenden Ball - das bedeutet Platz 18 in der Bundesliga.

Zwei Gesichter: Borussia Dortmund und die Standards

© Deltatre

Zum Vergleich: Union Berlin erzielte 41 Prozent seiner Tore nach Standardsituationen. Vielleicht noch wichtiger aber: Im Vergleich zu Dortmunds sechs Treffern in der Folge von ruhenden Bällen traf RB Leipzig, direkter Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft, schon 16 Mal nach Standardsituationen - und damit so oft wie keine andere Mannschaft in der Bundesliga. Eine weitere negative Statistik für den BVB: Borussia Dortmund schoss nach ruhenden Bällen nur 66 Mal aufs Tor, lediglich Schalke 04 (63 Torschüsse nach Standards) weist einen noch schlechteren Wert auf.

Der BVB lässt bei ruhenden Bällen zu viel liegen

Wenn man bedenkt, dass Standardsituationen der vermeintlich leichteste Weg zum Torerfolg sind, lässt der BVB bei ruhenden Bällen zu viel liegen. Dabei mangelt es nicht an Standardsituationen. Allein 155 Ecken holte Borussia Dortmund in dieser Saison bislang heraus, aber nur jede 52. führt zum Torerfolg. Nur vier Teams agierten harmloser nach Eckbällen. Und auch hier nochmal der Vergleich zu Union Berlin: Bei den Eisernen führte an den ersten 25 Spieltagen jede 13. Ecke zum Tor.

Vielleicht kann der BVB die unerwartete Unterbrechung der Bundesliga dazu nutzen, sich ein paar Gedanken über die Offensiv-Standards zu machen. Die eine oder andere gute Idee bei ruhenden Bällen dürfte nicht schaden, um für noch mehr Torgefahr zu sorgen - und im Kampf gegen die unerwünschten zwei Gesichter einen Schritt voranzukommen.

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