Zwei Gesichter: Mainzer Verhältnisse auch in Dortmund

BVB-Trainer Tuchel

Es ist nicht so, als hätte Christian Heidel seinen Freund Hans-Joachim Watzke nicht gewarnt. Heidel, damals Manager des FSV Mainz 05, hatte schließlich so seine Erfahrungen mit Thomas Tuchel gemacht. Sportlich höchst erfolgreich, menschlich höchst fragwürdig. Ein Rückblick auf Tuchels Mainzer Zeit von Gastautor Dennis Rink.

MAINZ

von Dennis Rink

, 10.05.2017, 06:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Borussia Dortmund-trainer Thomas Tuchel: "Of ik volgend seizoen hier nog trainer ben? In Augsburg (komende zaterdag, red.) zeker wel." pic.twitter.com/VipgWrlESh

— FOX Sports (@FOXSportsnl)

Thomas Tuchel hat schon damals polarisiert. Und nicht wenige, auch innerhalb der Mainzer Geschäftsstelle, waren erleichtert, als Tuchel und sein Clan weg waren. Auch damals klafften Welten zwischen seinem Anspruch und seinem Handeln.

 

9. Dezember 2012:

Im Vorfeld der Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 kommen in den Medien Gerüchte auf, Thomas Tuchel habe mit dem FC Schalke 04 über ein Engagement verhandelt. Nach der 0:2-Niederlage der Mainzer wird Tuchel auf der Pressekonferenz auf jene Gerüchte angesprochen. Was folgt, ist ein etwa zweiminütiger Monolog. Eine Predigt über Ethik, Vertragstreue und Werte.

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"Bei Schalke 04 ist ein Trainer tätig, und ich finde es gegenüber Huub Stevens respektlos", sagt Tuchel damals. Mit seiner eloquenten Art nimmt der Fußballtrainer in einem durchaus vorwurfsvollen Ton Medien und Gesellschaft in die Pflicht. So sehr und so überzeugend, dass auch der damalige Gladbach-Trainer Lucien Favre in diesen Kanon einstimmt. Eine umfassende Medienschelte.

Nun kann man freilich darüber streiten, ob Medien sich tatsächlich oftmals zu sehr auf Gerüchte stürzen. Das tun sie mit Sicherheit. Der Haken in diesem Fall: Tuchel handelte kurz darauf tatsächlich völlig zuwider seiner eigenen Aussagen.

Er war sich mit seinem kompletten Trainerstab schon mit Schalke 04 einig – wurde letztlich von Mainz aber nicht freigestellt. Auch zum Zeitpunkt seiner Verhandlungen saß dort ein Trainer auf der Bank. Irgendwie respektlos - würde Tuchel seine in Gladbach artikulierten Maßstäbe an sich selbst anlegen.

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10. Mai 2014:

Rund um das Saisonfinale gegen den Hamburger SV wird bekannt, dass Thomas Tuchel den FSV Mainz 05, trotz seines bis Juni 2015 laufenden Vertrages, verlassen wird. Ein Abgang mit vielen Nebengeräuschen. Der 41-Jährige drängt aus seinem Arbeitsverhältnis. Mit aller Macht. Die 05er haben im Prinzip keine Wahl. Thomas Tuchel will einfach nicht mehr.

Interessant, wenn man sich seine Worte aus jener Pressekonferenz in Mönchengladbach in Erinnerung ruft - und damals waren Vertragsbrüche von Trainern noch nicht im Ansatz so alltäglich wie heute. Tuchels Verhalten sorgte 2014 bundesweit für Aufsehen.

Der überragende sportliche Erfolg kaschierte auch in Mainz die internen Risse. Der in der Kommunikation stets komplizierte Tuchel konnte seine Freunde in der Geschäftsstelle an einer Hand abzählen. Wenn überhaupt. Auch in der Mannschaft war er aufgrund seines Umgangs mit einzelnen Spielern umstritten. Tenor: Wen Tuchel nicht braucht, den lässt er ohne Rücksicht fallen - oder schließt ihn sogar ganz aus der Gruppe aus.

 

Der Fall Heinz Müller:

So warf der damals von ihm aussortierte Torwart Heinz Müller seinem Ex-Trainer in verschiedenen Medien „Mobbing“ vor und nannte Tuchel einen „Diktator“. Müller behauptete sogar, Tuchel habe seinen Spind ausräumen lassen. Der damalige Mainz-Manager Heidel wies diese Vorwürfe später vor Gericht zurück. Heinz Müller jedoch blieb bis heute bei seiner Darstellung.

Der Unterschied zwischen Mainz und Dortmund: Trotz aller Machtkämpfe trugen Tuchel und Heidel ihre Dispute nie öffentlich aus. Das allerdings lässt sich im kleinen Mainz natürlich auch besser moderieren als in Dortmund.

Gastautor Dennis Rink ist seit 2014 Sportchef der Allgemeinen Zeitung und berichtet seit 2012 über den FSV Mainz 05.

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