Zwei Malocher gehen - ein Techniker kommt

Transformation des BVB

Das Ruhrgebiet hat den Strukturwandel von einem Schwerindustrie-Standort hin zu einer Hightech-Metropole an vielen Stellen längst geschafft. Die klassische Arbeiterklasse wird immer kleiner im „Pott“ – und beim BVB. Denn am letzten Tag der Sommer-Transferperiode verließen zwei Malocher die Schwarzgelben, ein Techniker ist dagegen hinzugestoßen. BVB-Trainer Thomas Tuchel setzt bei seiner Kader-Zusammenstellung klare Schwerpunkte.

DORTMUND

, 01.09.2015, 05:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kevin Großkreutz unterlief im Spiel gegen Verl ein Eigentor.

Kevin Großkreutz unterlief im Spiel gegen Verl ein Eigentor.

Sie haben sich Zeit gelassen, saßen dann aber doch im Flugzeug: Kevin Großkreutz und Jakub Blaszczykowski, zwei langjährige Borussen, verließen am letzten Tag der Transferperiode den BVB, um ein neues Kapitel in ihrer Karriere aufzuschlagen.

Zwei Identifikationsfiguren

Großkreutz flog am letzten Tag der Sommer-Wechselperiode nach Istanbul, um bei Galatasaray den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren und finale Gespräche zu führen. „Kuba“ reiste nach Italien, um die gleiche Prozedur beim AC Florenz zu durchlaufen. Während Großkreutz ein Jahr vor seinem Vertragsende beim BVB für rund eine Million Euro fest in die Süper Lig wechselt, wird Blaszczykowski für ein Jahr ausgeliehen, die Leihgebühr beträgt ebenfalls eine Million Euro. Darüber hinaus sicherte sich Florenz eine Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro.

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Der BVB verliert damit zwei Identifikationsfiguren, die die erfolgreichen Jahre unter Jürgen Klopp geprägt haben. „Kuba“ stand bis zu seinem Kreuzbandriss im Januar 2014 für Einsatz, Kampfstärke, Dynamik und Torgefahr. Entsprechend wehmütig begleiteten viele Fans seinen Abgang aus Dortmund.

Aufschrei bleibt aus

Großkreutz war als Kind der Südtribüne, das es zum Profi geschafft hat, der „Dortmunder Junge“ schlechthin. Allerdings hatte er durch sein Verhalten in den vergangenen Monaten nicht nur innerhalb des Vereins Kredit verspielt, sondern auch bei Teilen der Anhängerschaft. Und so blieb der ganz große Aufschrei aus, als publik wurde, dass er den BVB wohl verlassen wird.

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Die freigewordene Planstelle im Kader besetzt künftig der Belgier Adnan Januzaj. Der 20-Jährige wird für ein Jahr von Manchester United ausgeliehen. Nach Informationen dieser Redaktion kann der BVB Januzaj im kommenden Sommer kaufen – sofern die Westfalen das wollen. Der Nationalspieler ist offensiv flexibel einsetzbar und technisch stark. Als Linksfuß passt er perfekt in Tuchels Anforderungsprofil. „Adnan komplettiert unsere Offensive“, erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Insgesamt fünf Abgänge

Lange hatte sich Tuchel Zeit gelassen, den von Jürgen Klopp übernommenen Kader zu analysieren. Am Ende fiel sein Urteil deutlich aus: Oliver Kirch, dessen Wechsel zum SC Paderborn am Montag auch vom BVB bestätigt wurde, Jakub Blaszczykowski, Kevin Großkreutz und Jeremy Dudziak (FC St. Pauli) hatten keine Perspektive mehr auf Einsätze – also zogen sie die Konsequenzen und suchten sich neue Klubs.

Mitchell Langerak hatte sich nach der Verpflichtung von Roman Bürki bereits vor dem ersten Trainingstag nach Stuttgart verabschiedet. Der als spielerisch zu „wild“ empfundene Kevin Kampl wurde, als sich die Chance ergab, in der vergangenen Woche lukrativ an Leverkusen verkauft. Einzig der ebenfalls weit von einem Platz im Spieltags-Kader entfernte Moritz Leitner entschied sich dazu, trotz mangelnder Einsatzchancen beim BVB zu bleiben.

Tuchels Hybrid-System

Eins wird deutlich bei der Durchsicht der Abgänge: Klassische Fußballer-Arbeiter – wie „Kuba“ oder Großkreutz – haben es schwer bei Tuchel. Er setzt vorwiegend auf technisch starke und variabel einsetzbare Profis, im Idealfall ausgestattet mit reichlich Entwicklungspotenzial.

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Die spektakulärsten Transfers des Bundesliga-Sommers

Kevin De Bruyne verließ die Bundesliga, Arturo Vidal ist dagegen ein Rückkehrer. Mit Douglas Costa konnte der FC Bayern München einen angehenden Weltstar verpflichten. Noch nie floss so viel Geld in der Transferperiode wie in diesem Jahr. Wir haben die spektakulärsten Wechsel dieses Bundesliga-Sommers auf einen Blick.
30.08.2015
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Manchesters Adnan Januzaj wird künftig für den BVB auflaufen. Die Borussia leiht den 20-jährigen Belgier von Manchester United aus.© Foto: dpa
Pierre-Emile Hojbjerg spielt künftig auf Schalke, zumindest auf Leihbasis für ein Jahr. Der zuletzt an Augsburg ausgeliehene Mittelfeldspieler kommt vom FC Bayern München nach Gelsenkirchen.© Foto: dpa
Antonio Rüdiger wechselte für eine Leihgebühr von 4 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum AS Rom.© Foto: dpa
Dante spielt künftig für den VfL Wolfsburg. Der FC Bayern München ließ ihn für 4,5 Millionen Euro ziehen.© Foto: dpa
Für den neuen Stürmer Franco Di Santo zahlte der FC Schalke 04 an Werder Bremen 6 Millionen Euro.© Foto: dpa
Eduardo Vargas kam für 6 Millionen Euro vom SSC Neapel und soll die Hoffenheimer Offensive stärken.© Foto: dpa
Kyriakos Papadopoulos bleibt bei Bayer Leverkusen. Der Champions-League-Qualifikant einigte sich mit dem Bundesligakonkurrenten Schalke 04 für 6,5 Millionen Euro auf einen endgültigen Wechsel des Griechen. Bislang war er nur ausgeliehen.© Foto: dpa
Turins Kingsley Coman wechselt in die Bundesliga. Der FC Bayern leiht den 19-Jährigen vorerst für zwei Jahre aus. Das lässt sich der deutsche Rekordmeister im ersten Jahr 5 und im zweiten Jahr 2 Millionen Euro kosten. Nach den zwei Jahren gibt es eine Kaufoption über 21 Millionen Euro.© Foto: dpa
Jefferson Farfan verließ für 7 Millionen Euro den FC Schalke 04 und spielt jetzt für Al Jazira Abu Dhabi.© Foto: dpa
Kölns Kevin Wimmer trägt in dieser Saison das Tottenham-Trikot. Dafür zahlte Tottenham Hotspur 7 Millionen Euro.© Foto: dpa
Jonathan Tah spielt jetzt für Bayer Leverkusen. Für den Hamburger SV bedeutete dieser Transfer eine Einnahme von 7,5 Millionen Euro.© Foto: dpa
Admir Mehmedi war einer der Torgaranten beim SC Freiburg. Jetzt soll er für Bayer Leverkusen Tore schießen. Dafür zahlte der Verein 8 Millionen Euro.© Foto: dpa
Hannover 96 nahm beim Verkauf von Mittelstürmer Joselu 8 Millionen Euro ein. Joselu soll jetzt für Stoke City in Großbritannien Tore schießen.© Foto: dpa
Davie Selke, der aus Bremen zu RB Leipzig kam, kostete Leipzig rund 8 Millionen Euro.© Foto: dpa
Josip Drmic geht in der neuen Saison für Borussia Mönchengladbach auf Torejagd. Dafür zahlte Gladbach an Bayer Leverkusen 10 Millionen Euro.© Foto: dpa
Joshua Kimmich wechselte vom VfB Stuttgart zu Bayern München. Dafür zahlte Bayern 8,5 Millionen Euro. Anekdote am Rande: Der junge Spieler bestätigte bei seiner Vorstelung den Schweinsteiger-Weggang vor Bayern-Boss Rummenigge.© Foto: dpa
Eintracht Frankfurt hat Kevin Trapp für 9,5 Millionen Euro an Paris Saint Germain abgegeben.© Foto: dpa
Shinji Okazaki wechselte für 11 Millionen Euro vom 1. FSV Mainz 05 zu Leicester City.© Foto: dpa
Gonzalo Castro ist jetzt Dortmunder Borusse. Er kam für 11 Millionen Euro von Bayer Leverkusen.© Foto: dpa
Statt in Dortmund spielt Kevin Kampl künftig bei seinem Ex-Trainer aus Salzburg, Roger Schmidt. Hier zeigt Kampl sein neues Trikot mit Sportdirektor Rudi Völler, der sich den Slowenen rund 11 Millionen Euro kosten ließ.© Foto: dpa
Javier Hernandez wechselt zu Bayer Leverkusen. Der 27-jährige Mexikaner kommt für schätzungsweise 12 Millionen Euro von Manchester United.© Foto: dpa
Johannes Geis kam für 12 Millionen Euro vom 1. FSV Mainz 05 nach Gelsenkirchen und spielt jetzt im Schalker Trikot.© Foto: dpa
Max Kruse wechselte von Borussia Mönchengladbach nach Wolfsburg. Dafür erhielt Gladbach 12 Millionen Euro.© Foto: dpa
Bayer Leverkusen zahlte für Charles Aránguiz dem brasilianischen Verein SC Internacional Porto Alegre 13 Millionen Euro.© Foto: dpa
Der ehemalige Augsburger Abdul Rahman Baba spielt jetzt für den FC Chelsea. Dafür kassierte Augsburg 20 Millionen Euro.© Foto: dpa
Ivan Perisic läuft künftig für Inter Mailand auf. Der Kroate wechselte für rund 20 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg nach Italien.© Foto: dpa
30 Millionen Euro zahlte Bayern München für Douglas Costa, den Rechtsaußen von Shaktar Donezk,© Foto: dpa
Heung-Min Son verlässt Leverkusen und wechselt für rund 30 Millionen Euro zu Tottenham Hotspur nach London.© Foto: dpa
Schalkes Julian Draxler wechselt zum VfL Wolfsburg. Die Wölfe lassen sich den 21-Jährigen 36 Millionen Euro kosten. Über Zusatzzahlungen könnten noch 5 bis 7 Millionen Euro dazukommen.© Foto: dpa
Arturo Vidal wechselte für 37 Millionen Euro von Juventus Turin zum FC Bayern.© Foto: dpa
Roberto Firmino wechselte für stolze 41 Millionen von Hoffenheim zum FC Liverpool.© Foto: dpa
Der Belgier Kevin De Bruyne wechselt für die Rekord-Ablöse von rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City.© Foto: dpa

Diese Spieler passen perfekt in sein komplexes Hybrid-System, das intensives Gegenpressing und Ballbesitzfußball vereint. Sie erfüllen seine Anforderungen – und sie bringt er zum Glänzen. Nicht umsonst spielten Ilkay Gündogan, Julian Weigl und Henrikh Mkhitaryan in der ersten Saisonphase groß auf, während Sven Bender als kampfstarker, aber technisch limitierter Abräumer bislang meist nur als Einwechselspieler zum Zuge kam. Die Transformation des BVB ist in vollem Gange.

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