Zwischen Stabilisator und Sicherheitsrisiko: BVB-Abwehrspieler Akanji gibt Rätsel auf

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Manuel Akanji hat beim BVB in dieser Saison noch keine einzige Minute verpasst. Doch obwohl er immer spielt, kämpft der BVB-Innenverteidiger mit seiner Form. Oder gerade deswegen?

Dortmund

, 16.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vielleicht, so hatte man bei Borussia Dortmund gedacht und gehofft, hilft die Reise zur Nationalmannschaft dem einen oder anderen Spieler ein bisschen, um auf andere Gedanken zu kommen. Das galt im Speziellen auch für Manuel Akanji, der sich mit einem frustrierenden und schwachen Auftritt in die Länderspielpause vom BVB verabschiedet hatte. Die 90 Minuten beim 2:2 in Freiburg waren Akanjis schlechteste Saisonleistung gewesen. Beim 1:1 hing der Schweizer mit drin, weil er gegen Luca Waldschmidt den Zweikampf verweigerte, beim erneuten Ausgleich kurz vor dem Schlusspfiff unterlief ihm ein unglückliches Eigentor.

Akanji läuft seiner Bestform beim BVB hinterher

Am Samstagabend nun folgte die nächste Enttäuschung für Akanji. In der EM-Qualifikation unterlagen die Eidgenossen unglücklich 0:1 in Dänemark, Yussuf Poulsen erzielte nach 85 Minuten den Siegtreffer für „Danish Dynamite“, Akanji hing dieses Mal nicht mit drin beim Gegentor, aber das Ergebnis war einmal mehr unbefriedigend.

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Dabei hatte Akanji auf der Pressekonferenz vor diesem Spiel einen Satz gesagt, den er eigentlich auch über sich selbst hätte sagen können. Es gehe darum, meinte der 24-Jährige, dass „wir einfach über 90 Minuten durchziehen müssen“. Die Schweiz schaffte es in Dänemark nicht, 90 Minuten durchzuziehen, genauso wie es der BVB auch zu selten schafft, über die volle Distanz eines Fußballspiels zu überzeugen. Akanji steht fast sinnbildlich dafür - und auch er musste sich nach dem 2:2 gegen Werder Bremen Ende September angesprochen fühlen, als BVB-Sportdirektor Michael Zorc bemängelte, dass zu viele Spieler ihrer Bestform hinterherlaufen würden.

Akanji: „Niemand ist enttäuschter als ich“

Denn der Innenverteidiger, der zweifelsohne jede Menge wertvolles Rüstzeug für einen Abwehrspieler mitbringt, leistet sich zu viele Unkonzentriertheiten und Ungenauigkeiten in seinem Spiel. Freiburg war ein gutes Beispiel dafür, aber es war beileibe nicht das einzige. So konstant Akanji in der Startelf des BVB auftaucht, so inkonstant ist er in seinen Leistungen. Beim 3:1 in Köln leistete er sich den einen oder anderen Wackler, beim 1:3 gegen Union Berlin nur eine Woche später patzte er vor dem 1:2 folgenschwer, beim 2:0 in Prag in der Champions League agierte er in Durchgang zwei ebenfalls nicht souverän, dann folgte der Betriebsausflug in den Breisgau, an dessen Ende Akanji bei Instagram postete: „Niemand ist enttäuschter als ich, Entschuldigung an die Fans.“

Die Suche nach den Gründen für Akanjis Form-Achterbahnfahrt in dieser Saison, vielleicht sogar im ganzen Jahr 2019, ist eine komplizierte. Wirklich erklärbar scheint das Auf und Ab nicht zu sein. An mangelnden Einsatzzeiten jedenfalls kann es nicht liegen, eher daran, dass Akanji vielleicht sogar zu viel spielt. Der Schweizer verpasste als einziger BVB-Profi in dieser Spielzeit noch keine einzige Sekunde in einem Pflichtspiel.

Akanjis Statistiken sind besser als die gezeigten Leistungen

Er zeigte dabei neben den schwächeren Auftritten auch richtig gute Leistungen, zum Beispiel im Supercup gegen den FC Bayern München (2:0), in der Liga gegen Bayer Leverkusen (4:0) oder in der Champions League gegen den FC Barcelona (0:0). Seine Statistiken sind besser, als der Eindruck, den er unter dem Strich hinterlässt: 93 Prozent Passquote, 69 Prozent Zweikampfquote, 642 Ballkontakte allein in der Bundesliga. Ordentliche Werte, aber trotzdem geht in entscheidenden Momenten zu oft etwas schief in Akanjis Spiel.

BVB-Trainer Lucien Favre sagt, es gehöre dazu, dass die Form eines Spielers schwanke. „Manchmal sind die Spieler ab August schon in Topform, andere erst im Oktober. Sie können nicht ein ganzes Jahr in Bestform sein. Das ist unmöglich.“ Das Problem bei Akanji ist, dass es bei ihm keine Frage von Monaten ist, sondern eine Frage von Spieltagen, manchmal von Halbzeiten. Der Schweizer ist ein bisschen zur Wundertüte geworden. Manchmal hui, manchmal pfui. Am Ende wird es wohl tatsächlich darum gehen, „einfach mal über 90 Minuten durchzuziehen“.

Das Spiel gegen Irland als Mutmacher

Das klappte zumindest am Dienstagabend mal wieder deutlich besser. Im wichtigen EM-Qualifikationsspiel gegen Irland lieferten Akanji und die Eidgenossen eine gute Vorstellung ab, standen defensiv sicher, gewannen schlussendlich 2:0 und hielten den Anschluss an das Spitzenduo Dänemark und Irland in Gruppe D. Akanji spielte, wie sollte es anders sein, auch in diesem Spiel über die volle Distanz. Eine Länderspielpause hat er nicht hinter sich, aber vielleicht ist er ja zumindest doch noch auf andere Gedanken gekommen.

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