Castrop-Rauxeler Bürger retteten vor 25 Jahren das Parkbad Süd vor dem Abrissbagger

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Vor 95 Jahren wurde das Grundstück gekauft, vor 75 Jahren wurde es fast zerstört. Und vor 25 Jahren begann seine Rettung vor dem Abriss: Das Parkbad Süd hat eine bewegte Geschichte erlebt.

Castrop

, 17.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für 65 Jahre war das Freibad im Stadtgarten in jedem Sommer Anziehungspunkt für kleine und große Schwimmer. 1925, also vor 95 Jahren, wurden die Schlingermannschen Wiesen angekauft, am 1. September 1926 wurde das Freibad eingeweiht, das 145.000 Reichsmark gekostet hatte.

1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde das Bad bei Bombenangriffen schwer beschädigt, am 1. Juni 1946 aber wieder eröffnet. 1959 wurde ein Besucherrekord aufgestellt: 1198.789 Gäste konnte das Bad, das nun Parkbad Süd hieß (weil 1952 in Ickern auch das Parkbad Nord eröffnet worden war), in diesem Sommer verzeichnen.

Das Parkbad Süd im Jahr 1928, zwei Jahre nach seiner Eröffnung. Der Andrang war im Sommer groß.

Das Parkbad Süd im Jahr 1928, zwei Jahre nach seiner Eröffnung. Der Andrang war im Sommer groß. © Stadtarchiv

Das endgültige Aus kam im Jahr 1992

Im Jahr 1992 aber kam das endgültige Aus für das Parkbad Süd: Der Stadtrat beschloss die dauerhafte Schließung am 2. März. Aus Kostengründen.

Zwar hatte eine spontan ins Leben gerufene Bürgerinitiative „Rettet das Parkbad Süd“ noch 5551 Unterschriften von Bürgern gesammelt, auch dieser Protest aber konnte die Entscheidung des Rates nicht mehr rückgängig machen.

Zum Jahreswechsel 1994/95 dann verdichteten sich Pläne, das Gelände des Parkbades als Baugelände auszuweisen und zu verkaufen. Vielen Menschen war sofort klar, dass dies nicht nur das Ende der Badeanstalt, sondern auch des Stadtgartens bedeuten würde. Philipp Walkenhorst, Vorsitzender des Parkbad-Vereins: „Es stand zu befürchten, dass man dieses Filetstück nach und nach vollständig als hochpreisiges Bauland veräußern würde.“

Verein beim Amtsgericht eingetragen

Nach einigen Vorläufen als formlose Bürgerinitiative gründeten dann einige Menschen den Verein „Hände weg vom Stadtgarten Castrop!“, um nun auch in einer rechtlich anerkannten Form diesen Verkauf des Stadtgartens zu verhindern.

Im Februar 1995, also vor genau 25 Jahren, wurde der Verein beim Amtsgericht ins Vereinsregister eingetragen.

Erste Maßnahme im Kampf um die Erhaltung des Bades war ein Antrag bei der Landesdenkmalpflege in Münster und der Landesregierung in Düsseldorf, den Stadtgarten unter Denkmalschutz zu stellen. Ende 1995 kam dann der erlösende Bescheid: Stadtgarten und Schwimmbad sind ein Denkmal.Castrop-Rauxeler Bürger retteten vor 25 Jahren das Parkbad Süd vor dem Abrissbagger

Bei den Parkbad-Festen, bei der Extraschicht oder bei „Bühne raus“ drängten und drängen sich die Menschen heute im und um das alte Schwimmbecken.

Bei den Parkbad-Festen, bei der Extraschicht oder bei „Bühne raus“ drängten und drängen sich die Menschen heute im und um das alte Schwimmbecken. © Dahlhoff

Nach der Anerkennung entwickelte der Verein ein Nutzungskonzept „Kultur-und Freizeitzentrum Parkbad Süd“. Mit diesem Konzept wurde der Verein von der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark 1997 in ihr Projekt „Initiative ergreifen“ aufgenommen. Für 1,5 Millionen Mark, davon 1,35 Millionen Mark IBA-Gelder und 150.000 Mark Eigenleistung des Vereins, wurde das Parkbad Süd in denn nächsten Jahren restauriert.

Freizeit- und Kulturzentrum seit 2001

Jährliche Stadtgartenfeste in der „Baustelle Parkbad“ mit tausenden Besuchern bestätigten den Verein in der Richtigkeit des beschrittenen Weges. Nach vielen tausend Stunden Eigenleistung auf der Baustelle, unterstützt von Sponsoren und Firmen, konnte das Parkbad dann am 9. Juni 2001 als Freizeit- und Kulturzentrum eröffnet werden.

Philipp Walkenhorst, Vorsitzender des Vereins "Hände weg vom Stadtgarten" (r.) mit Rainer Schorer, dem ehemaligen Gastronom im Parkbad Süd, und dessen Nachfolgerin Marlen Kempf.

Philipp Walkenhorst, Vorsitzender des Vereins "Hände weg vom Stadtgarten" (r.) mit Rainer Schorer, dem ehemaligen Gastronom im Parkbad Süd, und dessen Nachfolgerin Marlen Kempf. © Marcel Witte

Seit 2001 blickt der Verein auf immerhin 19 Extra-Schichten, drei Film-Schau-Plätze NRW, die jährlichen „Bühne-raus“-Programme des WLT sowie viele Einzelveranstaltungen zurück. Dazu kommen die regelmäßige Teilnahme am Tag des offenen Denkmals und Veranstaltungen in der Parkbad-Gastronomie. Walkenhorst: „Große Unterstützung der Vereinsarbeit ist die Zusammenarbeit mit der Gastronomie, die für entsprechende Mieteinnahmen zur Deckung der laufenden Kosten sorgt.“

Insgesamt 60 Mitglieder, davon 10 regelmäßig aktive, kümmern sich weiterhin darum, dass das Parkbad das bleibt, was es laut Philipp Walkenhorst nach dem Wunsch seiner Retter immer sein sollte: „ein freundlicher Veranstaltungsort“.

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Im Parkbad Süd steht kommenden Montag eine aufblasbare Leinwand. Dort können Besucher kostenlos den Kinofilm „La La Land“ sehen. Die Veranstalter wollen damit auch Erinnerungen wecken. Von Tobias Wurzel

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