Das Evangelische Krankenhaus ist eine von zwei Kliniken in Castrop-Rauxel. Beide haben eine lange Geschichte. Das EvK wuchs über die Jahrzehnte stark. 10 Dinge, die Sie noch nicht wussten.

Castrop-Rauxel

, 20.01.2019, 16:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer das Luftbild vom Evangelischen Krankenhaus betrachtet, sieht gleich: Das EvK ist inzwischen mehr als nur ein Krankenhaus. Oder anders: Es ist viel hinzugekommen. In diesem Gebäudekomplex, der über die Jahre auf dem weiten Feld in der Nähe des Stadtmittelpunktes immer weiter gewachsen ist, ist eine Menge los. Wir haben Zahlen und Fakten zum EvK zusammengetragen:

FAKT 1

Rund 735 Mitarbeiter sind am EvK in Castrop-Rauxel beschäftigt. Damit ist die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel, wie die Dachorganisation eigentlich genau heißt, zweitgrößter Arbeitgeber in der Stadt - gleich nach der Stadtverwaltung. Von diesen Mitarbeitern sind etwa 440 in der Pflege beschäftigt. „Nimmt man das Rochus-Hospital noch dazu“, sagt Klinik-Chef und Diplom-Betriebswirt Wilfried Wiekmann, „sind wir zusammen sogar größer.“

FAKT 2

Zusammenzählen ist durchaus legitim - denn obwohl es zwei getrennte Trägergesellschaften gibt und das Rochus der Katholischen St.-Lukas-Gesellschaft mit ihren Standorten in Castrop, Kirchlinde und Hörde angehört, sind in den vergangenen Jahren die Kooperationsfelder deutlich ausgeweitet worden. Stand man sich vor einigen Jahren noch ein wenig wie Rivalen gegenüber, ist das heute anders: Beide Kliniken haben sich auf verschiedenen Feldern inzwischen spezialisiert. Während das EvK seinen Fokus in Richtung Geriatrie (Altersmedizin) und Psychiatrie gerichtet hat (unter anderem), hat es zum Beispiel die Entbindungsstation und die Kreißsäle vor ein paar Jahren geschlossen. Damit ist nun das Rochus-Hospital die einzige verbliebene Geburtsklinik der Stadt, hat zum Beispiel in seinem Umfeld den Hebammen-Standort „Die Wiege“ für die Beleghebammen des Rochus eröffnet und sich auf die Gynäkologie fokussiert, aber auch stark in die plastische Chirurgie investiert: In Castrop werden heute mit einer Expertise Operationen zur Wiederherstellung zum Beispiel von Händen vorgenommen, die es sonst in der Region nirgendwo anders gibt.

FAKT 3

Zurück zum EvK: 388 Betten stehen hier in den Fachabteilungen, rund 30 Betten mehr als in den vergangenen Jahren. An Spitzentagen, so der Klinik-Chef Wilfried Diekmann, verweilen sogar 440 bis 450 Patienten stationär in der Klinik - auf den 16 Stationen, die das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel hat.

FAKT 4

Das Krankenhausbudget im EvK liegt bei 50 Millionen Euro im Jahr. Davon liegen rund 17,5 Millionen im Bereich Sachkosten. Der Rest, also rund zwei Drittel, sind Personalkosten.

FAKT 5

Wie schon angedeutet: Die Abteilung Psychiatrie wächst zurzeit deutlich am Evangelischen Krankenhaus. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, um genauer zu sein. Hier werden Depressionen, Schizophrenien, psychische Störungen im Alter, Demenzen, Sucht- und Angsterkrankungen, Persönlichkeits- und psychosomatische Störungen behandelt.

FAKT 6

Der Schwerpunkt Altersmedizin schlägt sich zum Beispiel darin nieder, dass das EvK Teil des Geriatrie-Netzwerks ist. Dies ist ein Verbund von 28 Kliniken im Ruhrgebiet, dem auch die zehn Alten- und Pflegeheime der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft angehören. Man legt den Schwerpunkt auf diesen Bereich, „um der demografischen Entwicklung etwas entgegenzusetzen“, so Geschäftsführer Wilfried Diekmann. Interessantes Detail am anderen Ende der Demografie-Skala: Inzwischen gibt es auch Bestrebungen zu einer größeren Kindertagesstätte, die zurzeit erst in flexiblen Raum-Modulen direkt am Rathaus entsteht, ab Frühjahr in Betrieb gehen soll, später aber auf das EvK-Gelände fest umziehen wird. Das hat aber keine medizinischen Gründe, sondern liegt darin begründet, dass es in der Pflege einen Mangel an Fachpersonal gibt. So will man eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen: Krankenpflegerinnen mit kleinen Kindern verfügen so über die Möglichkeit, während der Arbeit ihr Kind in eine Betriebs-Kita zu geben.

FAKT 7

Das sind wir beim Stichwort Fachkräftemangel: Personal zu finden, ist in den vergangenen Jahren eine der schwierigsten Aufgaben für Träger-Gesellschaften von Krankenhäusern. In den Jahren 2011 und 2012 gab es einen Ärztenotstand. „Da mussten wir mit Leihärzten arbeiten“, erinnert sich Wilfried Diekmann. So kam es auch dazu, dass viele Ärzte aus dem Ausland in die Gesellschaft kamen. „Das ist zum Glück heute weitgehend behoben“, so Diekmann - aber es gibt ein neues Problem: „Nun haben wir einen Pflegenotstand: Im Ruhrgebiet, also einem Ballungsraum mit mehreren Millionen Einwohnern, geht es uns noch ganz gut, aber das wird bald auch bei uns zu einem Problem werden.“ Gerade in Fachdisziplinen seien die Probleme am größten. Damit meint Diekmann den OP-Bereich und die Intensivstationen. Warum gerade dort? Für die Unterhaltung zweier Intensivbetten braucht eine Klinik 5,5 Stellen in der Pflege, erklärt der Betriebswirt. Der „Betreuungsschlüssel“ ist immens. „Es wird noch eng werden“, so Diekmann.

FAKT 8

Das EvK tut aber selbst etwas dagegen. Nicht nur mit der Erweiterung der bisher nur 20 Plätze umfassenden Betriebs-Kita, sondern auch mit der intensiven Ausbildung eigener Leute. An der Krankenpflegeschule auf dem EvK-Gelände werden rund 150 Auszubildende betreut und fit gemacht für die Arbeit im Krankenhaus. So wird das Personal bisher auch Jahr für Jahr aufgestockt: 20 bis 30 Mitarbeiter pro Jahr wurden in den vergangenen Jahren zusätzlich eingestellt.

FAKT 9

Zurück zu den Zahlen: Vierbettzimmer gibt es im EvK schon lange nicht mehr. So formuliert es Wilfried Diekmann, der Geschäftsführer. In der Geriatrie setzt man sogar auf Zweibettzimmer.

FAKT 10

Bei all den Zahlen und Fakten bleibt noch eine zentrale Frage offen: Wie viele Patienten gehen eigentlich Jahr für Jahr ins Evangelische Krankenhaus? 14.500 Patienten hat das Krankenhaus zurzeit im Jahr. Das sind nicht nur Castrop-Rauxeler, sondern auch Patienten aus umliegenden Städten und Gemeinden, aber wenn man es auf die Einwohnerzahl (75.000) umrechnet, dann ist jeder fünfte Castrop-Rauxeler pro Jahr einmal im EvK. Diese Zahl hat sich übrigens auch verändert: Mehr Personal geht nur mit mehr Patienten. Vor einigen Jahren kratzte das EvK Castrop noch an der 10.000er-Marke.

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