30-jähriger Angeklagter stiehlt, um Drogen bezahlen zu können

rnBeschaffungskriminalität

Der 30-jährige Angeklagte braucht 30 Euro täglich, um seine Drogensucht zu finanzieren. Weil das Geld nicht reicht, stiehlt er immer wieder. Ist er überhaupt schuldfähig?

Castrop-Rauxel

, 09.05.2019 / Lesedauer: 2 min

Sechs Diebstähle wurden dem 30-Jährigen vorgeworfen. Allesamt begangen in einem relativ kurzen Zeitraum zwischen Anfang Dezember 2018 und Mitte Januar 2019. Tedi, Netto, Aldi, Lidl und ein Mediamarkt hatte der Angeklagte heimgesucht. Bei Tedi und Netto ging es um Waren im zweistelligen Eurowert, im Mediamarkt war es ein Nintendo für 379 Euro. Bei einem Discounter ließ der Angeklagte vier Akku-Bohrschrauber für 300 Euro mitgehen, beim Konkurrenten betrug die Beute rund 300 Euro.

„Ja, stimmt“, zeigte sich der 30-Jährige bei allen verlesenen Anklagepunkten geständig. Und seine Biografie machte deutlich, dass es sich um Beschaffungskriminalität handelt. Die Pflichtverteidigerin gab an, dass ihr Mandant polytoxikoman sei. Was heißt, dass er verschiedenste Drogen zugleich konsumiert.

Sucht kostet den Angeklagten 30 Euro am Tag

Auf Nachfrage sagte der Angeklagte, dass ihn die Sucht etwa 30 Euro täglich koste. Da er jedoch von 400 Euro im Monat leben muss, klafft eine große Finanzlücke. Doch das ist nicht das einzige Problem, der Mann leidet – seit einem schweren Unfall in der Jugend – an einer paranoiden Schizophrenie. Die notwendigen Medikamente nimmt er aber nicht. Eine Drogentherapie vor einigen Jahren war erfolglos, aus einer betreuten Wohngruppe ist er ausgezogen, hat aber einen gesetzlichen Betreuer.

Derzeit ist der Angeklagte ohne festen Wohnsitz, einen weiteren Therapieversuch lehnt er ab. Wegen seiner Schizophrenie war er jüngst in stationärer Behandlung. Die behandelnden Ärzte will er jedoch nicht von ihrer Schweigepflicht entbinden.

Gutachten soll über Schuldfähigkeit entscheiden

Ein ärztliches Gutachten hält der Strafrichter indes für wichtig, um über die Schuldfähigkeit des Angeklagten entscheiden zu können. So wurde per Gerichtsbeschluss ein neurologisches Gutachten angeordnet. Die Einschätzung des Nervenarztes soll zeigen, ob der Angeklagte schuldfähig, bedingt schuldfähig oder gar schuldunfähig ist. Denn im schlimmsten Fall erwartet den 30-jährigen Wiederholungstäter eine einjährige Haftstrafe ohne Bewährung.

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