Solche Lehrrohre verlegt Gelsen-Net überall im Stadtgebiet seit Anfang des Jahres. Später werden Glasfasern eingeblasen, die dann schnelles Internet bedeuten. © Tobias Weckenbrock
High-Speed-Geschenk

45 Castrop-Rauxeler Adressen wollten keinen kostenlosen Glasfaser-Anschluss

Der geförderte Breitband-Ausbau in Castrop-Rauxel ist abgeschlossen. Damit ist das Projekt Glasfaser lange nicht zu Ende. Doch es hat bisher schon reichlich sonderbare Facetten. Wie diese drei.

Das super-schnelle Internet soll einst in jeder Wohnung in Castrop-Rauxel verfügbar sein. Dafür braucht es Glasfaser an jeder Gießkanne. Die Firma Gelsennet hat den grundlegenden Netzausbau weitgehend abgeschlossen.

„Der Tiefbau ist fertig“, sagte Wirtschaftsförderer Thomas Ratte im Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung. Mehr als 72 Kilometer Leitungen oder zumindest Leerrohre seien das, in die die blitzschnellen Leitungen eingeblasen werden müssen. Aber es gibt Details, die überraschen: zwei Stellen, an denen es einfach nicht weiter geht und 45 Adressen, die keinen kostenfreien Anschluss wollen.

Zwei Problemstellen seien noch die Hebewerkstraße und ein Teilstück am Westring in Bladenhorst, so Ratte: Einmal ist das Problem die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal, einmal der Bahnübergang, „an dem auch Autos mal 20 Minuten stehen“, sagte der städtische Wirtschaftsförderer in seinem Bericht an die Politik. „Es geht hier um fehlende Gutachten für die Brücke und eine Nutzungsgenehmigung für die DB-Querung.“

Heißt: Da, wo Schienen liegen, ist es mit dem Bauen von Leitungen unterhalb der Erdoberfläche nicht so trivial. Und: Da, wo eine Brücke über den Kanal führt, gibt es besondere statische Auflagen, die erst zu beachten sind, ehe man zusätzliche Leitungen daran anbringt.

251 Anschlüsse sind in Betrieb genommen

Der Ausbaustand sei nun wie folgt: 251 Hausanschlüsse sind fertiggestellt und in Betrieb genommen. Das heiße: Die Übergabestation ist am Gebäude angebracht. Was innerhalb des Gebäudes ist, muss dann der Eigentümer selbst mit Gelsennet oder einem anderem Anbieter klären, der die von Gelsennet verlegten Leitungen für seine Dienstleistung nutzt.

Laut Ratte gibt es aber noch eine eher kurios anmutende Zahl: die 45 Orte mit dem Status „homes passed“: „Hier besteht offenbar kein Interesse, einen kostenlosen Glasfaseranschluss ins Haus gelegt zu bekommen“, so Ratte. Ob das „Digitalisierungsverweigerer“ seien, ließ er mit einem Schmunzeln über seine Lippen kommen?

Auf dieser Karte sind die Ausbaustrecken zu sehen, an denen Gelsennet Leerrohre verlegen ließ und Glasfasern eingeblasen hat. Auch Hausanschlüsse entstanden schon an diesen Strecken.
Auf dieser Karte sind die Ausbaustrecken zu sehen, an denen Gelsennet Leerrohre verlegen ließ und Glasfasern eingeblasen hat. Auch Hausanschlüsse entstanden schon an diesen Strecken. © Gelsennet © Gelsennet

Fest steht: Sie haben sich nicht zurückgemeldet auf etwaige Schreiben von Gelsennet, in denen das Angebot gemacht wurde. Ratte: „Es sind aber auch Adressen darunter, wo ich mich gefragt habe: Muss da ein Anschluss hin? Zum Beispiel die Windräder auf Schwerin.“ In der Tat: Auch die haben für Gelsennet eine Adresse, weil sie über einen Telefonanschluss verfügen, über den sie stetig Daten zum Betrieb und zu Leistung übermitteln. Dafür braucht es aber keine schnelle Datenleitung.

Wichtig für den geförderten Glasfaser-Ausbau waren zunächst Schulen und Gewerbegebiete. Wer davon als Bürger mit seinem Haus schon gestreift wurde und mitversorgt ist, hat Glück gehabt. Der Endausbau dauert noch.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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