54-jährigem Mann wird eine unfassbare Missbrauchsserie vorgeworfen

rnMissbrauchs-Prozess

Nach einer unfassbaren Missbrauchsserie muss sich ein Briefzusteller seit Mitte August vor Gericht verantworten. Auch ein Mädchen aus Castrop-Rauxel war in die Fänge des Dattelners geraten.

Bochum/Castrop-Rauxel

, 04.09.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Missbrauchs-Prozess gegen einen Briefzusteller (54) aus Datteln haben mit den Eltern eines elfjährigen Mädchens aus Castrop-Rauxel jetzt diejenigen Zeugen ausgesagt, die die Ermittlungen gegen den Angeklagten in Gang gesetzt haben.

Das Mädchen hatte kurz vor der Jahreswende 2018/2019 nicht zum ersten Mal im Haushalt des Briefzustellers übernachtet – tags darauf war die Elfjährige diesmal aber völlig neben der Spur bei ihren Eltern in Habinghorst aufgetaucht.

Extreme Stimmungsschwankungen

„Als sie wieder zu Hause war, ist meiner Frau und mir sofort aufgefallen, dass unsere Tochter extreme Stimmungsschwankungen hatte“, erinnerte sich der Vater (46) als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht. „Sie kam nach oben und hat mich sofort ganz mürrisch angeschaut“, ergänzte die Mutter. „Danach hat sie angefangen, rumzuschreien und nur noch geweint.“

Immer wieder habe die Elfjährige seltsam die Augen verdreht und gerufen: „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist.“ Bei einem anschließenden Einkaufsbummel in einem Geschäft sei die Elfjährige dann sogar getaumelt und „dreimal ins Regal gekippt“, so die Mutter.

Milchshake schmeckte „ganz bitter“

Für die Eltern herrschte danach sofort höchste Alarmstufe. Sie fuhren mit dem Mädchen in die Kinderklinik nach Datteln und bekamen kurz darauf schreckliche Gewissheit: Im Blut der Elfjährigen waren massiv erhöhte Werte eines starken Beruhigungsmittels entdeckt worden.

Später habe sich das Mädchen auch erinnert, dass es tags zuvor vom Angeklagten einen Milchshake bekommen habe, der „ganz bitter geschmeckt“ habe. Dass es nach einer unverzüglichen Strafanzeige anschließend trotzdem noch eineinhalb weitere Monate bis zur Festnahme des Angeklagten gedauert hat, nannte der Vater der Elfjährigen „schon sehr merkwürdig“.

Wäre es nach dem Vater gegangen, dann hätte es den letzten Übernachtungsbesuch seiner mit dem Sohn des Angeklagten über die Schule befreundeten Tochter in Datteln gar nicht mehr gegeben.

„Sie hatte mir schon beim letzten Mal erzählt, dass der Angeklagte ihr so komisch nahegekommen sei“, erinnerte sich der Vater. Für ihn habe danach eigentlich festgestanden, „da übernachtet sie nicht mehr“.

Dann habe die Tochter vor dem 29. Dezember 2018 aber zu Hause regelrecht gebettelt, wieder dort übernachten zu dürfen, weil der Angeklagte ihr angeblich ein Paar Schuhe versprochen hatte. Nur deshalb habe er den Besuch noch mal durchgehen lassen. Die Elfjährige selbst, so der Vater, wisse bis heute „Gott sei Dank von den ganzen Taten nichts“.

Anklage: Frauen und Kinder betäubt, missbraucht und gefilmt

Die Anklageschrift (sexueller Kindesmissbrauch in 62 Fällen) beruht auf zahlreichen beschlagnahmten Videos, die der Dattelner bei den Taten selbst angefertigt haben soll und die nach einer Hausdurchsuchung auf mehreren Speichermedien entdeckt worden waren.

Die insgesamt elf in der Anklage genannten Opfer sind überwiegend zehn bis zwölf Jahre alte Kinder von Frauen, die der 54-Jährige im Laufe der Jahre über das Internet kennengelernt hat.

Einmal soll der Briefzusteller, während er sich gerade an einem betäubten Kind verging, auf einem danebenstehenden Fernseher ein Video von einem zuvor schon von ihm sexuell erniedrigten Mädchen abgespielt haben.

„Als das Kind aus der Bewusstlosigkeit zu erwachen droht, injizierte der Angeklagte mit einer Spritze eine weitere Dosis des Betäubungsmittels in den Mund“, heißt es gleich an mehreren Stellen der Anklageschrift.

Der Angeklagte hat zuletzt in nicht-öffentlicher Verhandlung ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Geprüft wird im Prozess auch die Frage der Sicherungsverwahrung.

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