58-Jähriger bestreitet Betrug – nun soll ihn seine Stimme überführen

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Ein 58-Jähriger soll mehr als 5000 Euro Provision zu Unrecht kassiert und zudem einen Ebay-Kunden betrogen haben. Weil er Letzteres bestreitet, soll ihn nun seine Stimme überführen.

Castrop-Rauxel

, 19.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe in meinem Leben schon viel Scheiße gebaut, aber ich habe immer dazu gestanden.“ Mit diesen markigen Worten beteuerte ein 58-Jähriger vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht, seine Fehltritte bekannt und Buße getan zu haben. In Form von Geld- und Haftstrafen.

Auch diesmal war er gerade erst aus der Haft entlassen, als ein Termin vor dem Strafrichter anstand. Betrug wurde ihm vorgeworfen. Ein Vermittler für Gas- und Stromverträge fordert gut 5.000 Euro zurück, ein geprellter Ebay-Kunde 400 Euro.

Der Verkauf von Gas- und Stromverträgen war einige Zeit wohl eine lukrative Einnahmequelle. Der Mann suchte potentielle Kunden auf, ging dazu von Tür zu Tür. Wurde man handelseinig, gab es für den abgeschlossenen Vertrag eine Provision. Doch nicht nur auf seinen Namen, unter dem er seit 2015 agierte, wurde er aktiv – sondern auch mit den Daten seiner damaligen Bekannten, bei der er auch wohnte.

Notleidende Verträge

Was der Angeklagte als abgesprochenes Tun erklärte, wurde von der Zeugin dementiert. „Das war ohne meine Zustimmung“, sagte die 50-Jährige. Sie sei erst auf die Aktion aufmerksam geworden, als die Firma, für die sie ohne ihr Wissen gearbeitet haben will, Geld zurückforderte. Dazu sogar ein Inkassounternehmen einsetzte.

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Der Anlass waren sogenannte notleidende Verträge. Verträge, die schlussendlich nicht zustande gekommen waren, für die aber bereits Provision geflossen war. Exakt 5.078,35 Euro. Die Storno-Quote war laut Vertriebsfirma ungewöhnlich hoch. Von 44 abgeschlossenen Verträgen seien 18 nicht zustande gekommen.

Die Provision war tatsächlich auf das Konto der Zeugin überwiesen worden. „Weil er mich gebeten hatte, es nutzen zu dürfen“, sagte sie zu insgesamt drei Gutschriften. Bei seinem eigenen Konto habe er Sorge gehabt, dass das Geld weggepfändet werden könne. Sie gab auch zu, das Geld gemeinsam ausgegeben zu haben, bestätigte damit die Aussage des Angeklagten.

Deal aus der Haft

Beim zweiten, angeklagten Fall waren Tür-zu-Tür-Geschäfte unmöglich. Zur fraglichen Zeit saß der 58-Jährige in Haft. Nachweisbar auch durch die Anschrift, die er bei einem Ebay-Geschäft nannte. Aus der Zelle heraus soll er ein hochwertiges Smartphone verkauft haben. 400 Euro zahlte der Käufer, erhielt aber nie ein Paket.

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„Das war ich nicht“, wehrte sich der Angeklagte gegen diese Vorhaltung. Er wolle es aber um des lieben Friedens willen zahlen, gab er sich großzügig. Ein Deal, den der Richter natürlich nicht akzeptierte. Stattdessen will er zum nächsten Verhandlungstag den geprellten Zeugen laden, der dafür eigens aus Fulda anreist. Der hat einige Male mit dem Verkäufer telefoniert und ist sich sicher, dessen Stimme wiedererkennen zu können.

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