70 Jahre Ja zu Europa: Als halb Europa auf Castrop-Rauxel schaute

Europastadt

Anlässlich der Feier „70 Jahre ‚JA‘ zu Europa“ hat die Stadt Castrop-Rauxel einige Schätze aus ihrem Archiv geholt. Darunter sind Bilder von historischen Wahlplakaten und Stimmzettel von einst.

Castrop-Rauxel

, 04.07.2020, 08:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
So sah der Stimmzettel für die Europaabstimmung 1950 aus. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt stimmten mit einer Mehrheit von 96 Prozent bei 74-prozentiger Wahlbeteiligung für die Errichtung eines Vereinten Europas.

So sah der Stimmzettel für die Europaabstimmung 1950 aus. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt stimmten mit einer Mehrheit von 96 Prozent bei 74-prozentiger Wahlbeteiligung für die Errichtung eines Vereinten Europas. © Stadt Castrop-Rauxel

„Europa blickt auf Castrop-Rauxel“: So lautete der Titel des Plakats, das 1950 in der Stadt für ein „Ja“ zu Europa warb. Das war nicht übertrieben, und es hatte Erfolg: Am 16. Juli desselben Jahres stimmten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mit der Mehrheit von 96 Prozent bei 74-prozentiger Wahlbeteiligung für die Errichtung eines Vereinten Europas.

„Die kulturelle Dichte und Vielfältigkeit in Europa lässt mich immer wieder erstaunen“, sagt der Stadtarchivar Thomas Jasper heute, 70 Jahre später. „Mit Blick auf das politische Europa ist es für mich die ganz große Errungenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und der Nazibarbarei, dass Deutschland heute seinen Platz unter den Staaten Europas gefunden hat und von den Menschen respektiert wird.“

Die Städtepartnerschafts-Beauftragte der Stadt, Edith Delord, betont die Alltäglichkeit, mit der Europa in Castrop-Rauxel stattfindet: „Das Schönste an Europa in Castrop-Rauxel ist die Beständigkeit, mit der alte Freundschaften mit den Menschen in den Partnerstädten gepflegt werden.“

Am 16. Juli sollte es eine große Feier geben. Die muss wegen der Corona-Krise ausfallen. Es wird aber eine digitale Veranstaltung geben.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

"70 Jahre JA zu Europa“

Am 16. Juli 1950 stimmten die Castrop-Rauxeler Bürger mit einer großen Mehrheit für die Errichtung eines Vereinten Europas. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums hat die Stadt einige historische Bilder und Fotos aus den europäischen Partnerstädten veröffentlicht.
03.07.2020
/
„Europa blickt auf Castrop-Rauxel“ – so lautete der Titel des Plakats, das 1950 in der Stadt für ein „JA“ zu Europa warb.© Stadt Castrop-Rauxel
Als zweite Kommune in Deutschland erhielt Castrop-Rauxel außerdem am 26. Juni 1967 Schilder mit der Aufschrift „Gemeinde Europas“ und dem Europa-Sternenkreis. Eines davon befestigte der damalige Bürgermeister der niederländischen Partnerstadt Delft höchst selbst unter einem der Ortseingangsschilder. Nur ein Jahr später wurde der dänische Architekt Arne Jacobsen mit dem Bau des Forums am Stadtmittelpunkt beauftragt.© Stadt Castrop-Rauxel
Als Auszeichnung für ihr „beispielhaftes Engagement um die europäische Verständigung und ihre Bemühungen um Europa" wurde Castrop-Rauxel 1979 mit dem Theodor-Heuss-Preis geehrt. Die damalige Vorsitzende der gleichnamigen Stiftung, Dr. Hildegard Hamm-Brücher, überreichte den Preis einer interfraktionellen Delegation aus Castrop-Rauxel im Rahmen eines großen Festaktes in der Münchener Residenz.© Stadt Castrop-Rauxel
Der damalige Stadtdirektor August Bangel erreichte, dass Castrop-Rauxel – auf Initiative des Internationalen Exekutivkomitees der Europäischen Bewegung und als eine von nur drei Kommunen in Deutschland – ein Meinungsbarometer zu Europa erheben würde. Und dies fiel trotz starkem Gegenwind durch die Kommunistische Partei Deutschlands übermächtig für Europa aus.© Stadt Castrop-Rauxel
1949 hatte man die erste europäische Städtepartnerschaft mit Wakefield in England begründet. Weitere Städtepartnerschaften entwickelten die freundschaftlichen Verbindungen der Stadt innerhalb Europas und darüber hinaus intensiv weiter: 1950 (bis 2000) mit Delft in den Niederlanden, seit 1961 mit Vincennes in Frankreich, seit 1965 mit Kuopio in Finnland, seit 1990 mit Zehdenick in Brandenburg, seit 1991 mit Nowa Ruda in Polen und seit 2013 mit Trikala in Griechenland sowie Zonguldak in der Türkei.© Peggy Campulka
1950 begann in Castrop-Rauxel der freundschaftliche Austausch über die Ländergrenzen hinweg mit einem Jugendbesuch aus Wakefield und einem entsprechenden Gegenbesuch. Eine Unterbringung in Familien sorgte für einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der europäischen Nachbarn.
Hier zeigt erinnert sich Bürgermeister Kravanja mit seinen Begleitern an die ersten Schritte der Freundschaft zwischen den Städten. © Stadt Castrop-Rauxel
Zur polnischen Partnerstadt Nowa Ruda erzählt Städtepartnerschaftsbeauftragte Edith Delord: "Zu Nowa Ruda sind die Beziehungen hervorragend, und es kommt zu regelmäßigen Kontakten, sei es von Offiziellen, von Schülern oder auch gelegentlich Vertretern aus der Wirtschaft – aktuell gibt es eine gute Verbindung zwischen den Golfern."© Stadt Castrop-Rauxel

Am Donnerstag, 16. Juli 2020, ab ca. 17.45 Uhr sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, den Empfang zu „70 Jahre ‚JA‘ zu Europa“ live auf dem städtischen YouTube-Kanal mitzuverfolgen.
Lesen Sie jetzt