Abendführungen durchs Schiffhebewerk: Das Beste zum Schluss

HENRICHENBURG Freitagabend, 19 Uhr: Das alte Schiffshebewerk ruht. Die letzten Besucher sind gegangen. Wer jetzt noch kommt, ist für die Abendführung angemeldet und muss den Pförtner auf sich aufmerksam machen, um eingelassen zu werden.

von Von Daniel Sczekalla

, 29.06.2008, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Der eigentliche Hebevorgang dauerte im alten Hebewerk nur zweieinhalb Minuten. Das neue Hebewerk ist lediglich 15 Sekunden schneller", sagt Gerd Hinze, bereits mitten in seiner Erzählung. Zehn Frauen und Männer sowie ein Kind umringen den Museumsführer in der Maschinenhalle.

Gerd Hinze hat keinen Grund zur Eile. Eine Abendführung lebt nun einmal von der späten Stunde. In warmes Sonnenlicht getaucht, verwandelt sich das Hebewerk in eine malerische Kulisse. Eine Stunde dauert die Führung, anschließend geht es gemeinsam ins benachbarte griechische Restaurant. Erst Kultur, dann das Essen, so lautet die Devise.

Steigende Spannung

Gerd Hinze hat das Wort und seine Hörer fest im Griff. Sein Geheimnis liegt in der steigenden Spannung - das Beste kommt zum Schluss. Die Führung beginnt in der Maschinenhalle. Der Museumsführer kommt selbst aus der Binnenschifffahrt - ein Grund wahrscheinlich, warum er mit so viel Leidenschaft bei der Sache ist.

Zu einer Erläuterung des Hebewerks gehört für ihn auch, die Entstehung des Kanals zu erklären und wie es schließlich zum Bau des Hebewerk kam.

Manches ist dem Publikum bekannt, und doch schafft er es mit kleinen, zusätzlichen Informationen und Geschichten zu begeistern. "Die Badewanne des Ruhrgebiets" nennt er den Kanal und erklärt nebenbei, was denn genau beim Schwimmen im selbigen verboten und erlaubt ist. Fotos, technische Zeichnungen und Modelle nutzt der Museumsführers und veranschaulicht Technik und Funktionsweise des Hebewerks.

Dann endlich geht es nach draußen. Die Blicke gehen hinunter in die über 30 Meter tiefen Schwimmerschächte und hinauf zu dem scheinbar schwebenden, riesigen Trog, in dem vor 35 Jahren noch Hunderte von Tonnen schweren Schiffen samt Wasser emporgehoben wurden.

Hebewerk beeindruckt Publikum

Das zuvor noch im kleinen Modell gesehene Hebewerk beeindruckt das Publikum und sorgt für viele Fotos auf den Speicherkarten der Kameras. Gerd Hinze ist sichtlich stolz und verdeutlicht noch einmal das Prinzip am Original. Zum Zierwerk der Türme bemerkt er: "Das Hebewerk sollte nicht nur funktionieren, es sollte auch gut aussehen."

Die großen Kugeln wurden bei der Restaurierung zum Museum neu hinzugefügt, die ursprünglichen fielen im zweiten Weltkrieg der Rüstungsindustrie zum Opfer. "Eine Funktion hatten sie trotzdem nicht", schmunzelt er. Anmerkungen wie diese sind es, die seinen Vortrag lebendig machen.

Auch Fragen der Besucher beantwortet er gerne. Welche Vorteile ein Hebewerk gegenüber einer Schleuse zum Beispiel habe. Hinze ist sofort bei der Sache und erklärt die Wassereinsparung und den geringeren Energieverbrauch. "Natürlich, die Baukosten sind um einiges höher", gesteht er ein.

Dann geht es zur Turmbesteigung. 132 Stufen und weitere 55. Eine Frau gibt auf, verpasst den Höhepunkt der Führung: den erhöhten Blick auf den Kanal. Ein Highlight um diese Uhrzeit. "Ich erkläre am liebsten unten, damit die Besucher hier oben die Aussicht genießen können", lächelt der alte Museumsführer. Er hat es wieder einmal geschafft, zu begeistern.

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