Abfallbetrieb aus Castrop-Rauxel behandelt Raffinerie-Rückstände von Shell

rnIndustriemüll

Ein Abfallbetrieb aus Castrop-Rauxel behandelt Industriemüll aus der Shell-Rheinland-Raffinerie. Verbrannt wurde er in Castrop-Rauxel wohl zu keinem Zeitpunkt.

Castrop-Rauxel

, 11.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Nordrhein-Westfalen sind jahrelang Raffinerie-Rückstände aus der Produktion des Mineralölkonzerns Shell in Kraftwerken, Industrieanlagen und Betrieben verwendet und teils als vermeintliches „Petrolkoks“ verbrannt worden.

Seit 2017, sagt die Bezirksregierung Münster auf Anfrage unserer Redaktion, würden auch „Shell-Rückstände in einem Abfallbetrieb im Kreis Recklinghausen gemeinsam mit anderen Abfällen aufbereitet“. Diese würden dann als „gefährlicher Abfall“ entsprechend der Deponieverordnung auf der Zentraldeponie Emscherbruch in Gelsenkirchen gelagert.

Castrop-Rauxeler Betrieb stellt Deponiebaustoffe her

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei dem Abfallbetrieb um eine Firma aus Castrop-Rauxel (Name und Standort sind der Redaktion bekannt). Auf Anfrage wollte sich die Geschäftsführung nicht zu dem Thema äußern: Die Behandlung von Raffinerie-Rückständen wurde weder bestätigt noch verneint.

Auf seiner Homepage gibt der Betrieb bekannt, dass er Abfälle physikalisch-chemisch behandelt. Sie werden zu Deponiebaustoffen weiterverarbeitet, heißt es dort. Verbrannt werden sie – anders als das etwa im ehemaligen Steag-Kraftwerk in Lünen der Fall war – nicht. Das Castrop-Rauxeler Unternehmen hat keine Verbrennungsanlage.

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Stadt Castrop-Rauxel im Bericht des Umweltministeriums

Öffentlich wurde das Thema jetzt nach einer Kleinen Anfrage der SPD im Landtag. Aus der Antwort des Umweltministeriums war hervorgegangen, dass in Anlagen in insgesamt 20 nordrhein-westfälischen Städten vermeintliches „Petrolkoks“ zum Einsatz gekommen sei – darunter auch in einer Anlage in Castrop-Rauxel.


Ein weiterer Bericht des NRW-Umweltministeriums
gibt explizit Aufschluss darüber, um welche Betriebe es sich dabei handelt. So ist etwa das Energie-Unternehmen Steag aus Essen mit aufgeführt, das mittlerweile bestätigt hat, im Lüner Kraftwerk mehrere tausend Tonnen dieser wohl gefährlichen Raffinerie-Rückstände verfeuert zu haben.

Das sei von 1999 bis 2016 der Fall gewesen – wohl unwissentlich, weil die Rückstände zum damaligen Zeitpunkt als unbedenkliches Petrolkoks eingestuft worden waren. Mittlerweile spricht das Umweltministerium von „gefährlichem Abfall“.

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Einen einzigen Betrieb auf dieser öffentlich einsehbaren Liste hatte das Umweltministerium im Vorfeld geschwärzt: den Betrieb aus Castrop-Rauxel, wie unsere Redaktion aus gesicherten Quellen erfuhr.

Warum sich der Betrieb schwärzen ließ, während alle anderen einer Veröffentlichung zugestimmt haben, ist unklar. Nach Informationen unserer Redaktion läuft aktuell ein Eilverfahren am Verwaltungsgericht, das darüber entscheiden soll, ob der Widerspruch des Unternehmems gerechtfertigt ist oder nicht.

Nicht alle Vorgehensweisen mit Shell-Material gefährlich

Letztlich ist entscheidend, dass in der Vergangenheit in Castrop-Rauxel wohl keine „gefährlichen Abfälle“ aus der Shell-Rheinland-Raffinerie verbrannt worden sind. Sie werden lediglich zu Deponiestoffen verarbeitet und gehen nach der entsprechenden Aufbereitung an die Deponie Emscherbruch in Gelsenkirchen.

„Man kann diesen Abfall schließlich nicht einfach so auf eine Deponie werfen“, sagt ein Sprecher der Bezirksregierung Münster. Wenn solch ein Betrieb das Material verwende, tue er das in aller Regel legal.

Aus der Antwort des NRW-Umweltministeriums nun grundsätzlich zu schließen, dass es sich bei dem Einsatz von Raffinerie-Rückständen in allen Städten um gefährliche Vorgehensweisen gehandelt haben muss, sei falsch. Das Ministerium habe den Gedanken verfolgt, einmal minutiös zusammenzutragen, wo das Material aus der Shell-Raffinerie denn überhaupt hingelangt.

Abfall muss Vorgaben der Deponie-Verordnung erfüllen

Die – ehemals als Petrolkoks deklarierten – Rückstände werden laut Umweltministerium seit der Wiederinbetriebnahme der Anlage Ende Juli 2019 nun ausschließlich wie gefährlicher Abfall entsorgt.

Die Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH (AGR) als Betreiber der Deponie Emscherbruch, an die auch der Abfallbetrieb aus Castrop-Rauxel liefert, hatte im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) mitgeteilt: „Für uns ist einzig entscheidend, ob der Abfall die Vorgaben der Deponie-Verordnung erfüllt. Dann ist er nicht illegal und wir nehmen ihn zur Ablagerung an.“

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