„Abzocke“ durch unseriöse Notdienste: Verbraucherzentrale gibt Tipps

rnWeltverbrauchertag

Am Telefon 120 Euro vereinbart, nach erbrachter Leistung 360 Euro gezahlt. Ein Verbraucher aus Castrop-Rauxel hat eigentlich alles richtig gemacht und hat am Ende trotzdem zu viel bezahlt.

von Marian von Hatzfeld

Castrop-Rauxel

, 14.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein verstopfter Abfluss in der Dusche außerhalb der Öffnungszeiten von Handwerksbetrieben – ein Szenario, das jedem passieren kann. Ein junger Mann aus Castrop-Rauxel ist tatsächlich in diese „Notsituation“ geraten und zahlte trotz telefonischer Vereinbarung das Dreifache des vereinbarten Preises.

Solche und ähnliche Erfahrungen schildern Betroffene häufiger der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. So suchte eine junge Frau an einem Wochenende im Internet einen Notdienst, der das aus ihrem Spülkasten kommende Wasser stoppt. Sie erhielt ein 600 Euro teures provisorisch angeklebtes Kunststoffteil.

Selbst vor einer jungen Mutter mit einem kleinen Säugling machten die unseriösen Notdienste keinen Halt. Bei der Frau fiel im Winter spätnachmittags die Fußbodenheizung aus. Laut Notdienst hätte ein 400 Euro teures Ersatzteil eingebaut werden müssen, obwohl nur eine Sicherung kaputt war.

Verbraucherzentrale warnt vor Panik

Anlässlich des Weltverbrauchertags am 15. März (Sonntag) und den geschilderten Erfahrungen warnt die Verbraucherzentrale vor unseriösen Notdiensten und gibt Tipps, wie man sich schützen kann. Gefragt sei dabei „planvolles Vorgehen statt Panik“.

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Um nicht in eine der genannten Situationen zu kommen, empfiehlt Elisabeth Wigger-Düsing von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Castrop-Rauxel „vorzubeugen, weil es nach Bezahlung des Notdienstes rechtlich schwer sei, Unberechtigtes wiederzuholen“.

Zuerst das Umfeld kontaktieren

Betroffene sollten zuerst „Bekannte aus dem Umfeld kontaktieren“ um Panik zu reduzieren und „um aus der Notsituation zu geraten“, sagt Elisabeth Wigger-Düsing. Es sei wichtig, „Zeit zu gewinnen“, indem Betroffene zum Beispiel überlegen, ob „ein Notdiensteinsatz auch bis zum nächsten Werktag warten könne“.

Weiterhin solle der Bekanntenkreis im Falle benötigter Soforthilfe die erste Auskunftsstelle sein, um einen seriösen Helfer zu finden. Bei einem Anruf könne zudem besprochen werden, ob bei Bekannten übernachtet werden kann, um „erst einmal aus der hektischen Situation zu kommen“, sagt die Beraterin.

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„Ein empfohlener Betrieb, der schon gut gearbeitet hat“, und ein „ortsansässiges Unternehmen, um hohe Fahrtkosten zu vermeiden“, seien laut Wigger-Düsing bei der Auswahl zu empfehlen. Bei der Suche im Internet empfehle sich ein Blick ins Impressum, dort müssten Name, Adresse und E-Mail stehen.

„Übliche Preise von Schlüsseldiensten“

Wer im Notfall beim Dienst anruft, solle das Problem konkret schildern, nach Anfahrtskosten fragen und einen verbindlichen Festpreis vereinbaren. Schlüsseldienste dürften „bei einer lediglich zugefallenen Tür, an Werktagen circa 90 Euro, in der Nacht oder an Sonn- oder Feiertagen im Schnitt 140 Euro berechnen“.

Weiterhin sei es wichtig, auf „sachgerechte Leistungen“ zu achten. Die Beratungsstelle mahnt, dass eine „nur ins Schloss gefallene Tür weder aufgebrochen werden muss noch muss das Schloss ausgebaut werden“.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, „die Rechnung nur dann vollständig zu bezahlen, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind und das Problem gelöst wurde“. Bei einer ungewöhnlich hohen Rechnung solle am besten nur eine Anzahlung unter Vorbehalt geleistet werden und die Rechnung geprüft werden.

Bei Bedrohung Polizei rufen

Sollte es bei Verweigerung der Zahlung zu „Nötigungen oder Drohungen kommen, wie zum Beispiel bei Nichtzahlung die Tür wieder zufallen zu lassen, sollten sie nicht scheuen, die Polizei über den Notruf 110 anzurufen“, so Wigger-Düsing.

Vorfälle können bei der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale (Mühlengasse 4), gemeldet werden.

Weitere Informationen unter www.verbraucherzentrale.nrw/notdienste

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