Aggressionsproblem führt zu neuer Strafe: 23-Jähriger für üble Beleidigungen verurteilt

rnWiederholungstäter

Der 23-Jährige wurde in Handschellen dem Richter vorgeführt. Er sitzt derzeit eine Ersatzfreiheitsstrafe ab. Im neuen Prozess ging es um Beleidigung. Dahinter verbarg sich jedoch viel mehr.

Castrop-Rauxel

, 07.09.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte versuchte am Donnerstag im Gerichtssaal, sich die Tränen von den Wangen zu wischen. Schwierig, weil er in Handschellen vorgeführt wurde. Er sitzt im Gefängnis in Dortmund eine Ersatzfreiheitsstrafe ab, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlen konnte.

Zu Tränen rührte allerdings das Szenario, das sich hinter der angeklagten Beleidigung verbirgt: „Bin ich Vater oder nicht?“, lautete die Frage, die den jungen Mann beschäftigt. Und vor diesem Hintergrund war einer der beiden Beleidigungsvorwürfe zu sehen.

Primitive Ausdrücke unterhalb der Gürtellinie

Denn die primitiven Ausdrücke, die unter die Gürtellinie zielten, waren an den Vater seiner ehemaligen Verlobten gerichtet, die im Februar einen Sohn zur Welt brachte. Vater unbekannt - bis jetzt. Denn von Amts wegen soll nun eine Vaterschaftsfeststellung erfolgen.

Auf die Frage des Richters, ob er das Baby schon mal gesehen habe, verneinte der Angeklagte am Donnerstag. Doch als dessen Opa, der als Zeuge da war, ein Handyfoto zeigen wollte, flossen Tränen. Er wollte, er konnte sich das Foto nicht anschauen.

Zeuge nimmt Entschuldigung an

Bei der zweiten angezeigten Beleidigung gab es keine erklärende Gemütslage. Da hatte der Angeklagte die Vermieter der Wohnung seiner damaligen Lebensgefährtin per Telefon böse beleidigt. Mit ähnlichem Vokabular. „Über die Schimpfkanonade könnte ich ein Buch schreiben“, sagte der 66-jährige Zeuge.

Doch er nahm, wie auch der erste Zeuge, die Entschuldigung des Beklagten an. Er habe mit dem Angeklagten und seiner Ex nichts mehr zu tun, seit die Wohnung im Sommer zwangsgeräumt wurde.

Zweifach unter Bewährung

Diese beiden Beleidigungsklagen waren nicht die ersten. Das Vorstrafenregister des 23-Jährigen weist einige einschlägige Taten auf. Zudem steht der Mann unter zweifacher Bewährung. Das heißt: Er wurde zuvor bereits zweimal zu einer Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

„Ich habe ein Aggressionsproblem“, bekannte der Angeklagte. Dagegen habe er in seiner Kindheit Medikamente bekommen. Das war sein Versuch einer Erklärung.

Staatsanwalt fordert fünf Monate ohne Bewährung

Doch auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft hatte das keinen Einfluss:

Der Staatsanwalt forderte für den Bewährungsversager eine Haftstrafe über fünf Monate, ohne Bewährung. Der Pflichtverteidiger drückte seine Hoffnung auf eine milde Strafe aus.

Dem entsprach der Richter: Er verhängte sieben Monate Haft, setzte diese aber in seinem Urteil ein letztes Mal zur Bewährung aus. Mit der Auflage, ein Anti-Aggressionstraining zu machen und 400 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. „Halten Sie Kontakt zu Ihrer Bewährungshelferin“, sagte er. „Wenn Sie unentschuldigt fehlen, wandern Sie hinter Gitter.“

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