Der Aldi am Marktplatz in Ickern: Hier gab es auch die Spielgeräte. Doch in allen Geschäften waren sie binnen kurzer Zeit vergriffen. © Stephan Schütze
Kinder-Spielzeug

Aldi-Ausverkauf nach zwei Minuten: Kunden sind enttäuscht und sauer

Früher waren es Computer. Heute sind es Gartengeräte, In-Ear-Kopfhörer oder Kinder-Spielzeug. Weil das binnen Minuten bei allen Aldi-Läden in Castrop-Rauxel vergriffen war, gibt es Ärger.

Pikler-Dreieck und Wobble-Board: angesagtes Spielzeug für Kinder. Influencer, Bloggerinnen, Fachmagazine und Kinderärzte empfehlen diese Turngeräte aus Holz. Gleichgewichtssinn und Körperbeherrschung werden trainiert.

Da kam ein Aldi-Prospekt gerade recht: Holz-Klettergeräte, die aussehen wie die Originale, aber nur einen Bruchteil kosten: 34,99 Euro statt deutlich über 100 Euro. Vergangene Woche gab es sie in den Filialen von Aldi Nord. Aber nur für wenige Minuten.

Nach zwei Minuten ausverkauft

Junge Eltern in Castrop-Rauxel trieb dieses Angebot zu Diskussionen im Internet. „Wer kann mal nachsehen, ob es bei euch im Aldi noch das Kletterdreieck gibt?“, fragte eine Frau. Darunter entwickelte sich eine lebhafte Diskussion: „Ich war um 6.45 Uhr da, um 7.02 Uhr waren alle ausverkauft“, hieß es. Ein anderer schrieb: „Ich habe gehört, dass es überall nur drei Stück gibt. Eines davon hatte sich schon ein Mitarbeiter gesichert.“ „Ich finde das unverschämt. Überall ausverkauft!“, mokierte sich eine weitere potenzielle Kundin.

Auf die Ursprungsfrage gab es auch Antworten wie: „Fahr zum Westring, die haben oft mehr als die anderen Geschäfte.“ Ein anderer antwortete: „Da war ich gerade, alles weg.“ Aber auch: „Ich hab es jetzt in sechs Aldis versucht.“

Was denkt Aldi Nord selbst darüber? Wir schickten einen Fragenkatalog raus: Ob das Verhältnis von Angebot und Haushaltsabdeckung der Werbeprospekte legitim sei? Ob das Gerücht stimme, dass Mitarbeiter sich Produkte aus dem eigenen Sortiment vor Ladenöffnung „gesichert“ hätten? Was man Kunden sage, die ab 6.30 Uhr vor dem Geschäft warten, aber um 7.02 Uhr zusehen, wie ein Kunde den letzten Artikel aus dem Regal nimmt?

„Generell in begrenzter Stückzahl“

Verena Lissek aus der Unternehmenskommunikation antwortet: „Bei dem Artikel handelt es sich um ein Produkt, das wir unseren Kundinnen und Kunden im Rahmen unseres wöchentlich wechselnden Aktionsangebots angeboten haben. Diese sind generell immer nur in begrenzter Stückzahl und für einen begrenzten Zeitraum verfügbar.“

So könne es sein, „dass einige Produkte, die besonders stark nachgefragt sind, trotz gewissenhafter Planung bereits nach kurzer Zeit ausverkauft sind“. Man weise „selbstverständlich unsere Kunden auf diesen Umstand in unserer Werbung ausdrücklich hin“.

Unzulässiges Lockangebot? Verbraucherzentrale sagt Nein

Damit ist man rechtlich wohl aus dem Schneider. Die Verbraucherzentrale NRW hat sich mit dieser Frage ausführlich auseinandergesetzt. Fazit: „Es kann vorkommen, dass trotz sorgfältiger Planung des Händlers das Angebot nicht ausreicht, zum Beispiel wegen eines nicht vorhersehbaren großen Andrangs (…). In diesen Fällen liegt kein unzulässiges Lockangebot vor“, heißt es in einem Beitrag dazu.

Das schlägt laut VZ das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das eigentlich regelt: „Wird ein Produkt zu einem bestimmten Preis beworben, muss der Kunde davon ausgehen können, dass diese Ware oder ein gleichartiger Artikel ‚angemessen‘ lange vorrätig sind.“ Früher habe als angemessen eine Zwei-Tages-Frist gegolten, bei Kenntlichmachung nur der Vormittag am Tage des Verkaufsstarts.

Auf die Fragen, wie viele Beschwerden Aldi in dieser Thematik bekomme, wie oft Artikel regional binnen Minuten ausverkauft sind, hat das Unternehmen nicht geantwortet. Auch nicht auf einen Eintrag in der Facebook-Diskussion, der eine Privatanzeige bei ebay-Kleinanzeigen zeigte: ein Kletterdreieck von Aldi, original-verpackt – allerdings zum doppelten Preis.

„Prüfen, ob wir das Angebot wiederholen“

Verena Lisseks Antwort endet mit einer hoffnungsvollen Aussicht für alle, die gern diese Spielgeräte gekauft hätten: „Da sich der Artikel bei unseren Kunden großer Beliebtheit erfreut hat, prüfen wir zurzeit, ob wir das Angebot wiederholen können“, teilt sie mit.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock