Alkohol löschte die Erinnerung eines 27-jährigen Straftäters komplett aus

rnArzt geschlagen

Immer, wenn er getrunken hatte, wurde es gefährlich für den heute 27-Jährigen. Alle seine Straftaten beging er unter Alkoholeinfluss. Auch die letzte, an die ihm jegliche Erinnerung fehlt.

Castrop-Rauxel

, 15.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anklage: Im Dezember soll der Angeklagte im Evangelischen Krankenhaus an der Grutholzallee in den frühen Morgenstunden mehrere Polizisten beleidigt und gegen seine Festnahme Widerstand geleistet haben.

Die Ordnungshüter waren gerufen worden, weil der Mann zuvor einem Arzt in den Magen geboxt haben soll. „Ich kann mich daran überhaupt nicht erinnern“, sagte der 27-Jährige. Er wusste weder, wo er die Stunden zuvor verbracht, noch warum er das Krankenhaus aufgesucht hatte.

27-Jähriger hat die Polizisten übel beschimpft

Aus den Polizeiprotokollen ging hervor, dass der Mann eine Wunde am Kopf hatte und nach Schmerzmitteln verlangte. Weil ihm wohl die Ration Schmerzmittel zu gering erschien, muss er ausgerastet sein.

So sehr, dass er die Polizisten übel beschimpfte, die ihn schließlich zur Ausnüchterung in Gewahrsam nahmen. „Ich denk mal, dass es so war“, gab der Angeklagte zu.

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Erfahrungen mit Strafprozessen hat er reichlich. Etliche Vorstrafen rekrutieren aus seiner Zeit in der Nachbarstadt Herne. Beleidigungen, gefährliche Körperverletzungen, Diebstahl und Hehlerei und Volksverhetzung.

In die rechte Szene sei er durch seinen Bruder gerutscht, so der 27-Jährige. Er hätte bald die Lieder auswendig gekonnt und im Suff mitgegrölt. „Aber von der Konsorte habe ich mich verabschiedet“, sagte er.

Angeklagter arbeitet mittlerweile als Bauhelfer

Er berichtete, dass er sein Leben umgekrempelt habe. Nach der Hauptschule und einer abgebrochener Kochlehre habe er erst mal nichts gemacht - außer gefeiert. Mit reichlich Alkohol und bereits geschilderten Folgen.

Neben Geldstrafen haben die ihm auch zwei Bewährungsstrafen eingebracht. Was die Brisanz des aktuellen Verfahren ausmachte. Wurde die Bewährung widerrufen und gab es noch eine Haftstrafe obendrauf?

„Ich arbeite seit einem Jahr als Bauhelfer, und das mache ich gern“, schilderte der Angeklagte die wichtige Veränderung in seinem Leben. Und die Wochenenden verbringe er mit seiner Freundin - ohne Alkohol.

So lautet das Urteil des Richters

Deshalb konnte ihm eine günstige Sozialprognose gestellt werden. Großes Glück auch, dass der behandelnde Arzt im EvK seinen Strafantrag wegen Körperverletzung zurückgezogen hatte.

All das bewog die Staatsanwältin, in ihrem Plädoyer noch einmal eine Bewährungsstrafe zu fordern - vier Monate, Bewährungszeit drei Jahre.

Dem schloss sich der Richter in seinem Urteil an. „Ich will Ihnen keinen Stein in den Weg legen“, begründete er seine Entscheidung.

„Ein Glück, dass aus dem Abend nicht mehr geworden ist“, sagte er und legte dem Bauhelfer nahe, doch eine solide Ausbildung auf dem Bau anzustreben. Als Grundlage für eine straffreie Zukunft.

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