„Alles nur Geschichten": Angeklagter (35) wirft mutmaßlichen Opfern Schauspielerei vor

Voodoo-Prozess

Im „Voodoo-Prozess" um Zwangsprostitution in Castrop-Rauxel und Umgebung hat der Hauptangeklagte die angebliche Unwissenheit der betroffenen Frauen als pure Schauspielerei abgetan.

Castrop-Rauxel, Selm, Bochum

, 07.02.2019 / Lesedauer: 3 min
„Alles nur Geschichten": Angeklagter (35) wirft mutmaßlichen Opfern Schauspielerei vor

Die Angeklagten und ihre Verteidiger beim Prozessauftakt im Dezember 2017. © Werner von Braunschweig

„Das sind alles nur Geschichten", sagte der 35-Jährige am Donnerstag am Bochumer Landgericht. Anlass für diese Erklärung des Angeklagten war ein zuvor im Prozess vorgespieltes und übersetztes Telefongespräch, das der Nigerianer im Dezember 2016 mit einer Landsfrau kurz vor deren Schleusung aus Afrika nach Europa geführt hatte. Das Telefonat war von den Ermittlern abgehört worden.

„Sie ist sexy, hat tolle Haare und Brüste"

In dem Gespräch fragt der Hauptangeklagte die ausreisewillige Frau, die sich offenbar in Agadez (Niger) befindet, ob sich in dem Camp nicht noch ein weiteres Mädchen befinde, das er "kaufen" könne. Auf ein "Ja" der Frau geht der Dialog so weiter.

Angeklagter: „Welches ist die Schönste?"

Antwort: „Das dunkle, schwarze Mächen. Sie ist sexy, hat tolle Haare und Brüste."

Angeklagter: „Und von hinten?"

Antwort: „Sie hat einen schönen Hintern."

Daraufhin soll der Angeklagte seine Gesprächspartnerin gedrängt haben, dem Aufpasser des Mädchens auszurichten, dass er es ihm abkaufen will („Sag der Person, dass ich sie haben will!").

Angeklagter: Die Frauen wussten genau Bescheid

Der Angeklagte sieht in dem Gespräch bestätigt, dass die von ihm nach Europa geschleusten Frauen keinesfalls ahnungslose Opfer gewesen sein können. Die meisten Ex-Prostituierten hatten bei der Polizei und teils auch vor Gericht dagegen ausgesagt, dass ihnen vom Angeklagten in erster Linie ein besseres Leben in Europa und ein Job als Putzfrau in Aussicht gestellt worden war.

Einige wollen erst hier von der für sie vorgesehenen Rotlicht-Karriere als Prostituierte in einem Bordell erfahren haben und deswegen entsetzt und schockiert gewesen sein.

Für den Angeklagten sind die angeblichen Schocks nur geschauspielert. "Ein Mädchen, das davon träumt, als Putzfrau nach Europa zu kommen, fragt man doch nicht nach Brustgrößen und Hintern aus", sagte der 35-Jährige. Geht es nach ihm, dann wussten alle eingeschleusten Mädchen ganz genau, dass sie später hier als Prostituierte arbeiten werden, und waren dazu auch bereit.

Das ist der Hintergrund zum Fall

Die sechs Angeklagten sollen von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Castrop-Rauxel, vermittelt haben.

Vor der wochenlangen Schleusung durch die afrikanische Wüste, das Mittelmeer bis hin ins Ruhrgebiet sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester zur Einschüchterung ein blutiges Voodoo-Ritual durchlaufen haben. Die Angeklagten sind zum Teil geständig.

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