Als Claus Biederstaedt über den Castroper Altstadtmarkt flanierte

rnErinnerungen an Schauspieler

Er flanierte nebst Angela Winkler über den Castroper Marktplatz. Er drehte auf einem Steg am Brunosee. Nun ist Claus Biederstaedt gestorben. Ein Obercastroper erinnert sich an den Schauspieler.

Castrop-Rauxel

, 23.06.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der 8. Februar 1970, 20.15 Uhr, als halb Castrop-Rauxel das ZDF einschaltete. Der Fernsehfilm „Gefährliche Neugier“ lief über die Fernseher in den Wohnzimmern der Zechenstadt. Alle warteten auf die Szenen, die Castrop-Rauxel in die Wohnzimmer Deutschlands bringen würde.

Dann das: Der Schauspieler Claus Biederstaedt und seine Kollegin Angela Winkler flanieren über den Altstadt-Markt in Castrop. Umgeben sind sie von einem Kamerateam, Regisseur Hans Dieter Schwarze beobachtet das Treiben. Die Menschen kaufen ein, beobachten das Geschehen und sehen sich später selbst auf der Mattscheibe wieder.

Heute erinnern sich viele an dieses Gastspiel, das in Castrop-Rauxel keine Seltenheit hatte. Denn Claus Biederstaedt war aus seinen Engagements im Westfälischen Landestheater bekannt. 1969 spielte er zum Beispiel in Harold Pinters „Liebhaber“ eine Hauptrolle. Dass dieser beliebte Mann am 18. Juni (Donnerstag) im Alter von 91 Jahren in Oberbayern gestorben ist, weckt die Erinnerungen.

Orwat durfte die Dreharbeiten anhalten

Auch bei Helmut Orwat, Fotograf aus Obercastrop. Denn der begleitete das Schaffen von Biederstaedt in Castrop-Rauxel. Es liefen die Dreharbeiten auf dem Marktplatz für den ZDF-90-Minüter „Gefährliche Neugier“. „Das Publikum hat das damals aufmerksam beobachtet. „Biederstaedt und Winkler wurden fast bewundert“, erzählt Orwat. Er fotografierte für unsere Redaktion, war damals aber auch für eine Berliner Agentur tätig.

Sein Auftrag: Standfotos. Er durfte während des Drehs die Szenerie anhalten, um eine Aufnahme zu machen. Die Negative gingen nach Berlin, dort entstanden 50 bis 100 Abzüge für die Fernsehzeitungen.

Helmut Orwat mit einem Abzug von Claus Biederstaedt. Es ist mit einem Autogramm versehen. Heute erinnert sich der damalige Film-Fotograf an seine Treffen mit dem Schauspieler, der jetzt im Alter von 91 Jahren starb.

Helmut Orwat mit einem Abzug von Claus Biederstaedt. Es ist mit einem Autogramm versehen. Heute erinnert sich der damalige Film-Fotograf an seine Treffen mit dem Schauspieler, der jetzt im Alter von 91 Jahren starb. © Matthias Langrock

Eine Szene, erzählt er, sei bis heute bekannt in seiner Generation: als Biederstaedt und Winkler auf einem Steg am Brunosee in Deininghausen stehen. Mitten in der schönen Natur zwischen Castrop-Rauxel und Dortmund-Mengede.

„Der Film war ein Renner in Castrop-Rauxel“, so Orwat. „Die Leute haben sich ja in den Bildern wiedererkannt.“ Zudem sei man stolz darauf gewesen, dass die Stadt ins Fernsehen kam.

„Er war locker und beliebt“

Und wie war Biederstaedt? „Locker und beliebt“, sagt Orwat, nicht unnahbar oder mit Star-Allüren. Auch in einer Kneipe, erinnert er sich, wurde gedreht. Es soll im „Vatikan“ gewesen sein – einer Kneipe, die nur im Volksmund so hieß und in die nur Poahlbürger und Geschäftsleute gingen, so Orwat. Wegen der Nähe zur Lambertus-Kirche, da, wo heute Sonnenstudio und Ultimo Outlet sind.

„Der Organist ging, wenn die Predigt anfing, in den Vatikan und trank zwei Pils. Einmal war die Predigt aber so kurz, dass er beim nächsten Lied noch nicht zurück war.“ Auch das ist eine schöne Geschichte von Helmut Orwat, wenngleich ohne Biederstaedt.

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