Alarmbereitschaft an Alter Eiche: „Es könnte eventuell sofort ein Fälltrupp kommen“

rnWohnen an der Emscher

Zwei Winterstürme hat sie überstanden. Jetzt kommt eine weitere stürmische Phase auf die Alte Eiche in Habinghorst zu. Baumbesetzer HambiPotter und Eichen-Unterstützer sind in Alarmbereitschaft.

Habinghorst

, 19.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei weitere Winterstürme hat sie erfolgreich hinter sich gebracht: erst „Sabine“, dann „Victoria“. Jetzt aber kommt eine heiße Phase auf die Alte Eiche in Habinghorst zu.

„Die nächste Zeit wird interessant“, sagt Besetzer Johannes, besser bekannt als „HambiPotter“, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 250 Jahre alte Stieleiche im geplanten Baugebiet „Wohnen an der Emscher“ steht noch, auch nach den beiden Stürmen. Aber wie lange noch?

„Hoffentlich kommt am Ende heraus, dass irgendeine von den Seiten sagt: Der Baum bleibt stehen“, sagt Johannes im Telefonat. Er und die anderen Eichen-Freunde seien „zuversichtlich, dass wir den Baum erhalten können“. Eine Wahrscheinlichkeit in Prozent könne er nicht angeben, denn: „Es hängt von einzelnen Personen ab und von den Gerichten.“

HambiPotter zieht Vergleich zum Parkbad Süd

Seit fast zwei Jahren setzen sich einige Leute intensiv für diesen Baum ein. „Vor 25 Jahren ist das Parkbad Süd von Menschen aus der Stadt gerettet worden. Zum 25-jährigen Jubiläum könnte man dieses Jahr ja vielleicht eine zweite Rettung schaffen. Das wäre doch mal schön“, so HambiPotter.

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Fakt ist: Die Eiche ist vor dem 1. März 2020 zumindest nicht ganz sicher. Dann beginnt die Schonfrist für Bäume und Büsche, da die Tiere wieder nisten und größere Fällaktionen dann rechtlich bis zum Herbst ausgeschlossen sind. Bis dahin könnte eine Eilentscheidung vor Gericht fallen, die zurzeit die Fällung aufschiebt.

Johannes sagt: „Keiner weiß einzuschätzen, wie der Investor tickt. Es könnte eventuell sofort ein Fälltrupp kommen.“ Daraus folge: Es gibt bis Ende Februar eine erhöhte Alarmbereitschaft rund um den Baum. Bis zum 1. März gelte es, durchzuhalten. „Deswegen haben wir auch weiterhin die Wachschichten.“ Tagsüber seien jeden Tag Eichen-Unterstützer vor Ort – und Johannes als Besetzer der Alten Eiche.

Politiker, die Stadt und die Fällgenehmigung

Jetzt hätten die Politiker noch einmal das Sagen, findet zumindest Johannes: „In dieser Woche sind diverse politische Ausschusssitzungen, bei denen die Stadt die Möglichkeit hat, die Fällgenehmigung zurückzuziehen.“

Zudem kläre sich bald, ob das Gericht die Aufstellung des Bebauungsplans zurücknimmt. Dagegen läuft ein Normenkontrollverfahren, angestrengt vom juristisch in solchen Dingen fachlich versierten BUND.

Aktivist Johannes Mitte Januar an der 250 Jahre alten Stieleiche in Habinghorst.

Aktivist Johannes Mitte Januar an der 250 Jahre alten Stieleiche in Habinghorst. © dpa

„Dieses Jahr kommen ja die Kommunalwahlen“, sagt Johannes und mutmaßt darum eine gewisse politische Brisanz: „Wenn jetzt der Baum gefällt würde, könnte das Auswirkungen auf die Wahl haben – und zwar nicht unbedingt positiv in der öffentlichen Meinung und im Diskurs für manche Leute“, so HambiPotter. Er bezieht sich dabei auf die mehr als 6000 gesammelten Unterschriften zum Erhalt der Eiche.

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Der Eiche gehe es in jedem Falle gut: Die beiden Stürme überstand sie problemlos, sagt Johannes. Seine Hängematte und Seile sowie die Plane, die ihn oben im Baum vor Regen schützt, seien noch an Ort und Stelle. Trotz der kräftigen Böen um die 100 km/h, die zum Teil Dächer abdeckten, einige Bäume umknickten und in Deininghausen eine ganze Hütte am Tierheim dahinrafften.

Unwetterwarnungen halten ihn nicht ab

Unwetterwarnungen, sagt Johannes, hielten ihn nicht davon ab, den Baum besetzt zu halten: „Das bisschen Sturm…“, sagt er – wenngleich er am Wochenende, als „Sabine“ hier mit den im Winter 2019/20 bisher stärksten Böen durchzog, nicht im Baum war. Da habe er anderweitig Termine gehabt.

Jetzt aber freue er sich, dass der Frühling komme: „Es fängt wieder zu blühen an. Die Vögel zwitschern wieder, die Blätter wachsen. Frühling ist eine schöne Jahreszeit.“

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Peter Wohlleben ist profilierter Baumkenner, Förster und Buchautor („Das geheime Leben der Bäume“) und inzwischen Kino-Star. Jetzt hat er eine Grußbotschaft nach Castrop-Rauxel gesendet. Von Tobias Weckenbrock

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